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Naime Demirezen sitzt mit den Teilnehmern am Tisch und erzählt
© FzOF
Naime Demirezen hat 2017 den Integrationspreis der Stadt Offenbach verliehen bekommen. Voran gegangen war ein vielfältiges Engagement für die Stadt, vor allem im Bereich Bildung und für ein gutes Miteinander. Auf der Tour im Rahmen „Ich zeig dir meine Stadt“ des Freiwilligenzentrums begleiteten Interessierte Naime Demirezen zu einigen ihr wichtigen Stationen.

Am Startpunkt Mathildenplatz berichtete sie von ihren ersten Eindrücken in Deutschland. Sie war als 15-Jährige zum Vater und älteren Bruder nach Frankfurt geschickt worden, die Mutter und weiteren Geschwister blieben in der Türkei. In einem Männerwohnheim wohnten sie in einem kleinen Zimmer mit einer Zinnwanne auf dem Schrank. So etwas hatte sie von Deutschland nicht erwartet. Doch bald erfolgte der Umzug nach Offenbach in eine größere Wohnung, sie besuchte die Schillerschule und machte nach der mittleren Reife eine Schneiderlehre. „Offenbach ist mein Zuhause geworden und meine beiden Töchter bekommen in der Türkei schnell Langeweile und möchten nach spätestens zwei Wochen wieder zurück.“

Die Ditib Yavuz Selim Moschee in der Geleitsstraße war die erste Station. In dieser ältesten Moschee Offenbachs ist Naime Demirezen seit 2007 im Vorstand und ihr Rat und Engagement ist sehr gefragt. Sie organisiert unterschiedliche Kurse und vermittelt Kontakte, immer mit dem Ziel, die Gemeinde zu öffnen und den Vereinsmitgliedern Wege außerhalb der Moschee zu öffnen. „Wir möchten die Nächsten sein, die Unterstützung bieten, besonders den Frauen.“ Naime Demirezen weiß, dass sie aufgrund ihres Kopftuches auf viele Menschen sehr konservativ wirkt, „doch ich habe sehr moderne Gedanken.“

Dies kam ihr zugute beim Projekt „Mama lernt Deutsch“, dass sie gemeinsam mit Gertrud Marx entwickelt hat. An der Eichendorffschule trifft die Gruppe auf Gertrud Marx. Die Grundschule ist ein stellvertretender Ort, denn tatsächlich waren beiden Frauen an der Waldschule in Tempelsee aktiv. Ausgangspunkt ihrer Projektidee war, dass viele Mütter kein Deutsch konnten, um ihre Kinder in der Grundschulzeit und darüber hinaus gut zu begleiten. Warum sollten die Mütter nicht selber an der Schule ihrer Kinder Deutsch lernen, anstatt weite Wege auf sich zu nehmen? Ausgehend von der Waldschule ist diese Idee inzwischen an allen Grundschulen Offenbachs verankert, auch an der Eichendorffschule. Das Erfolgsprojekt wurde das 2010 mit einem Preis der Initiative „365 Orte in Deutschland“ ausgezeichnet.

Im „Gelben Haus“ öffnete Geschäftsführerin Michelle Serret die Tür. Vor über 30 Jahren hatte Naime Demirezen auf Vermittlung der Caritas hier Deutsch-, Koch- und Nähkurse gegeben, für allem für junge Frauen. Auch heute lernen junge Menschen in der Produktionsschule für ihren Schulabschluss und für die Vorbereitung auf das Berufsleben. Die Gruppe bestaunte in der Holzwerkstatt schöne Produkte, die während der Schulzeiten auch gekauft werden können. 

Weiter ging es mit dem Bus in die Carl-Ulrich-Siedlung. In der Neusalzerstraße hatte Naime Demirezen viele Jahre eine Schneiderei betrieben, anschließend daraus eine Bäckerei gemacht und später gemeinsam mit dem Bruder im ehemaligen Schlecker nebenan ein Café mit Verkauf von Backwaren eröffnet. Inzwischen gehört das Café dem ehemaligen Gesellen. Geblieben aber ist, dass die Menschen aus der Nachbarschaft sich treffen, Jugendliche Rat suchen und erhalten und man sich einfach kennt. Die rührige Unternehmerin hat nach wie vor immer Zeit, sich auszutauschen und Unterstützung anzubieten. Sie will Menschen zusammenbringen, so auch bei einem Nachbarschaftstreffen vor einigen Jahren. Sie hatte in ihr Haus in Tempelsee eingeladen und als aktives SPD-Mitglied den heutigen Oberbürgermeister Felix Schwenke angekündigt. Es kamen über 40 Personen und man hatte Gesprächsstoff bis tief in die Nacht.

Mit „Ich zeig dir meine Stadt“ möchte das Freiwilligenzentrum Offenbach Begegnung und Kommunikation in der Stadt schaffen. Es sind keine klassischen Stadtführungen, bei denen Sehenswürdigkeiten gezeigt werden, vielmehr öffnen sich häufig Türen, die man sonst nicht wahrnimmt. Das vielseitige Leben in Offenbach wird für die Teilnehmenden auf eine sehr persönliche Art und Weise erlebbar gemacht.

13. September 2019

Naime Demirezen sitzt mit den Teilnehmern am Tisch und erzählt FzOF
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