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Unter dem Motto „Für Selbstbestimmung, gegen Kriminalisierung“ haben das Frauenbüro und pro familia am Samstag, 15. Mai, zu einer Menschenkette auf der Berliner Straße eingeladen. Anlass ist der 150. Jahrestag des § 218, der seit 15. Mai 1871 im Reichsstrafgesetzbuch den Schwangerschaftsabbruch regelt: Frauen, die diesen Eingriff auf eigenen Wunsch und ohne medizinische Indikation durchführen lassen, drohen bis heute eine Gefängnis- oder Geldstrafe. Mit einer Menschenkette wollen das Frauenbüro der Stadt Offenbach und die pro familia Orts- und Kreisverbände Offenbach für die Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruches und für das Recht auf Selbstbestimmung eintreten. „Wir wollen eine politische Debatte anstoßen und fordern eine zeitgemäße Neuregelung, die das Recht auf eine selbstbestimmte Entscheidung zur Fortführung oder zum Abbruch einer Schwangerschaft anerkennt“, sagt Dr. Inga Halwachs, Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Offenbach. Auch Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke unterstützt die Entkriminalisierung: „Der Schutz des ungeborenen Lebens und das Selbstbestimmungsrecht der Frau sind zwei ethisch gleichwertige Güter. Es geht hier nicht um eine beliebige Frage, sondern um eine der ethisch brisantesten überhaupt. Es geht nicht um die Wahl der eigenen Kleidung. Insofern wird diese Frage immer auch einer gesellschaftlich akzeptierten Regelung unterliegen müssen. Die Verortung im Strafrecht und der Duktus der aktuellen Formulierungen zeugen allerdings von ungerechtfertigtem, geradezu anmaßenden Misstrauen gegenüber Frauen.“ 

Auch wenn Schwangerschaftsabbrüche nach der sogenannten Beratungsregelung straffrei bleiben, haftet ihnen doch der Ruf der Illegalität an. Heike Pinne, Geschäftsführerin und Beraterin der pro familia-Beratungsstellen in Offenbach und Dietzenbach, findet die derzeitige Regelung nicht zielführend: „Frauen, die die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Beratung aufsuchen, sind häufig verunsichert, denn sie haben durch den verpflichtenden Charakter den Eindruck, etwas Illegales, Tabuisiertes zu tun. Die Botschaft, die bei ihnen ankommt, lautet: Wir trauen dir die Entscheidung alleine nicht zu! Und das empfinden viele Frauen zu Recht als entmündigend.“
„Die Beratungsstelle von pro familia leistet sehr gute und wichtige Arbeit für Frauen und Familien in Offenbach. Daher ist es mir ein wichtiges Anliegen, dass wir diese Arbeit durch städtische Mittel so gut wir können unterstützen und die Mittel im letzten Jahr sogar leicht erhöhen konnten“, sagt Stadträtin und Sozialdezernentin Sabine Groß.

Die Kriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs im Strafgesetzbuch hat zudem gravierende Folgen für die Versorgung. So dürfen Ärztinnen und Ärzte auf ihren Webseiten nicht über die Eingriffe informieren, weshalb die Zahl der Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, seit Jahren stark abnimmt und die Versorgung in einigen Regionen nicht mehr sichergestellt ist. „Frauen brauchen ungehindert und ohne Stigmatisierung Zugang zur Gesundheitsversorgung – auch und gerade bei ungewollter Schwangerschaft,“ stellt Inga Halwachs klar: „Die Entkriminalisierung ist dafür ein wichtiger Schritt.“

Die Menschenketten-Aktion fand am Samstag, 15.05 im Bereich des Rathauses statt. Die Veranstalterinnen riefen zur Teilnahme auf und mehr als 70 Personen haben sich an der Aktion entlang der Berliner Straße beteiligt.

Plakat - 150 Jahre Kriminalisierung sind genug!
Teilnehmende mit Plakat - 150 Jahre Kriminalisierung sind genug! © Stadt Offenbach / Fotograf Jan Schuba
Begrüßungsansprache vor dem Rathaus
§218 Aufruf zur Menschenkette - Begrüßungsansprache vor dem Rathaus © Stadt Offenbach / Fotograf Jan Schuba
§ 218 Menschenkette mit Dr. Inga Halwachs
§ 218 Menschenkette entlang der Berliner Straße mit Dr. Inga Halwachs © Stadt Offenbach / Fotograf Jan Schuba
Plakat - My Body my CHOICE
Teilnehmende mit Plakat - My Body my CHOICE © Stadt Offenbach / Fotograf Jan Schuba