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Mit neuen finanziellen Mitteln von Bund und Europäischen Sozialfonds (ESF) will die Stadt Offenbach die bisher schon intensiv geleistete Arbeit für Jugendliche, die im Bereich von Schule und Übergang in den Beruf besondere Unterstützung benötigen, weiter verstärken. Hierbei kann das Jugendamt von einer zugesagten Mittelzuweisung aus dem Programm „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ der Bundesregierung in Höhe von 1,6 Millionen Euro rechnen.
Die Stadt Offenbach hatte sich mit den Projekten des Jugendamtes als eine von 220 Kommunen am zweistufigen Antragsverfahren für das Modellprogramm „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ beteiligt, das von den beiden Bundesministerien für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) ressortübergreifend umgesetzt wird. Es wird durch Mittel des Bundes und des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert und von Anfang 2015 bis vorerst Ende 2018 umgesetzt. Die Offenbacher Vorhaben sind nun nach Auswertung des Interessenbekundungsverfahrens als formal und inhaltlich förderfähig eingestuft worden
Bei seinen Vorhaben setzt das Jugendamt im Wesentlichen auf drei Schwerpunkte: So sollen intensive Schulschwänzer ausfindig gemacht und in die Schule reintegriert werden, abschlussgefährdete Jugendliche sollen zum Hauptschulabschluss geführt und beim Übergang in den Beruf begleitet werden. Außerdem will man neuzugewanderte Jugendliche und junge Erwachsene aus den EU-Staaten, darunter insbesondere aus Polen, Bulgarien und Rumänien, schulisch und gesellschaftlich integrieren.

Schulische und gesellschaftliche Integration stärken

Dabei will das Jugendamt seine Kooperationsarbeit mit der Bach-, der Ernst-Reuter-, der Mathilden-, der Edith-Stein-, der Geschwister-Scholl- und der Schillerschule weiterentwickeln. Die Unterstützungs- und Förderstrukturen für Jugendliche und junge Erwachsene, welche im Regelsystem Schule scheitern und deren gesellschaftliche und berufliche Teilhabe gefährdet ist, sollen wirkungsvoll ausgebaut werden. Gefördert werden soll auch die Integration und Partizipation in besonders benachteiligten Stadtteilen, um diese in Kooperation mit den Strukturen vor Ort (Vereine, Quartiersmanagement) weiterzuentwickeln. Die Identifikation mit dem Lebensort soll gestärkt werden.

Laut einer detaillierten Rückmeldung der beteiligten Ministerien kann das Jugendamt respektive die Stadt an dem Programm teilnehmen und mit Mitteln in Höhe von 1,6 Millionen Euro für den gesamten Zeitraum rechnen – das höchstmögliche Projektvolumen. Offenbach ist wie weitere 200 Kommunen nun aufgefordert, einen formellen Antrag für das ESF-Modellprogramm einzureichen. Dem Jugendamt wurde mitgeteilt, dass (a) das Fördervolumen, (b) die ausgewählten Zielgruppen und methodischen Zugänge der einzelnen Projekte sowie (c) die ausgewählten Fördergebiete exakt wie im Interessensbekundungsverfahren erfolgt zu beantragen sind und die Interessenbekundung bereits sämtliche Kriterien für den Antrag erfüllt.

Unterstützung für Zuwanderer besonders förderfähig

Die Stadt gehört außerdem zu den durch zwei externe Gutachten ausgewählten 42 Kommunen, die einen Bundeszuschuss in Höhe von 10 Prozent ihrer Gesamtausgaben – für Offenbach also 160.000 Euro – erhalten, weil die Förderung der Zielgruppe „junge neuzugewanderte Menschen“ in der Interessebekundung als besonders stringent und förderfähig eingestuft worden ist. Durch diesen Bonus reduziert sich der Kofinanzierungsbedarf von 800.000 Euro auf 640.000 Euro. Der Antrag des Jugendamtes entlastet die Stadt Offenbach also um weitere 160.000 Euro, die ansonsten als Eigenmittel hätten aufgebracht werden müssen.

Als Fördergebiete für die drei Projekte wurden beantragt: das HEGISS-II-Gebiet Südliche Innenstadt (HEGISS = Hessische Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt), die nordöstliche Innenstadt, die eine Erweiterung des ehemaligen HEGISS-I-Gebietes darstellt und das „Hochhausquartier“, das regional nicht zusammenhängend, sondern über die Stadt verteilte Hochhaus-Wohnblocks (Lauterborn, Bieber-Waldhof, Im Eschig, Bürgel-Rumpenheim) vereint.

Für diese drei Fördergebiete werden neben den Förderprojekten programmgemäß sogenannte quartiersbezogene Mikroprojekte durchgeführt, die einerseits einen Mehrwert für die Quartiere schaffen und anderseits für Jugendliche der Projekte handlungsorientierte Lernfelder schaffen, indem sie sich jenseits von Schule entwickeln können. Beantragte Handlungsfelder dafür sind: Kulturevents in den Quartieren, Wohnumfeldverschönerung, Kultur im Quartier und Soziales Engagement im Quartier. Mit diesen Mikroprojekten knüpft „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ an das ausgelaufene Programm „Stärken vor Ort“ an, das in Offenbach mit großem Erfolg von 2009 bis 2011 durchgeführt wurde.

Kurzeitige Vorfinanzierung notwendig

Die Programm-Regiestelle hat angekündigt, die endgültigen Zuwendungsbescheide bis spätestens April 2015 zu versenden. Um das volle Fördervolumen auszuschöpfen und keine anteilige Kürzung zu erfahren, ist die Stadt Offenbach von der zuständigen Regiestelle aufgefordert worden, einen vorzeitigen Maßnahmebeginn zum 1. Januar 2015 zu beantragen. Für die Phase vom vorzeitigen Maßnahmebeginn bis zur endgültigen Erteilung des Zuwendungsbescheides ist die Umsetzung des Vorhabens aus Haushaltsmitteln des Jugendamtes vorzufinanzieren.

Ein vorliegender Magistratsbeschluss bevollmächtigt das Jugendamt zur Beantragung des vorgezogenen Maßnahmebeginns ohne Vorliegen des rechtsfähigen Bescheides. Der Verzicht hierauf würde die Förderhöhe durch den ESF um 130.000 Euro verkürzen und die Gesamtlaufzeit des Programms für Offenbach um mehrere Monate schmälern. Formell war der Beschluss notwendig, da noch keine abschließende Rechtssicherheit besteht. Praktisch kann davon ausgegangen werden, dass der Bescheid erteilt werden wird und die Vorfinanzierung zurückgeführt werden kann.

Hintergrund:

Mit „JUGEND STÄRKEN im Quartier" werden die bisherigen Aktivitäten des BMFSFJ im Rahmen der Initiative „JUGEND STÄRKEN" mit dem bisherigen Handlungsfeld „Übergang Schule-Beruf" des ESF-Bundesprogramms „Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier (BIWAQ)" des BMUB zusammengeführt. „JUGEND STÄRKEN im Quartier" fördert Kommunen, die bedarfsgerechte sozialpädagogische Unterstützungsstrukturen für junge Menschen zur Überwindung von sozialen Benachteiligungen und individuellen Beeinträchtigungen am Übergang von der Schule in den Beruf entwickeln und diese mit Projekten kombinieren, die zur Aufwertung der unmittelbaren Quartiere und somit zur Aktivierung der jungen Menschen in ihrem Wohnumfeld beitragen.