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Wegen der ansteigenden Zahl von Corona-Infizierten in Offenbach ergreift die Stadt nun Maßnahmen zur weiteren Eindämmung des Corona-Virus.
Frau mit Mundschutz und Viren-Symbolen
Corona beeinflusst weiterhin das Leben in Offenbach © Pixabay

Durch einen sprunghaften Anstieg der positiv getesteten Menschen in Offenbach ist die Schwelle von 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen heute überschritten worden. Der Grund sind insbesondere Rückkehrer aus dem Urlaub, vor allem aus Risikogebieten. Eine größere akute Ausbruchsquelle war aber auch eine Busreise zur Besichtigung einer Käsefabrik in Holland. Wie es das hessenweit einheitliche Eskalationsstufen-Konzept der Landesregierung vorsieht, wird die Stadt nun über die hessenweit geltenden Maßnahmen hinaus zusätzliche Maßnahmen in Offenbach zur Eindämmung des Corona-Virus ergreifen.

Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke berief noch am Freitag umgehend wieder den Verwaltungsstab – unter Einbeziehung der Polizei – ein. Er betonte dabei: „Die Situation in Offenbach ist noch nicht dramatisch. Aber das Problem bei Corona ist ja, dass man den Ernst der Lage rechtzeitig erkennen muss und sein Verhalten rechtzeitig ändern muss. Der notwendige Zeitpunkt ist jetzt erreicht. Wir sind jetzt wieder – wie schon während der so genannten ersten Welle – auf disziplinierte Unterstützung aus der Bevölkerung angewiesen. Da war bei manchen zuletzt noch Luft nach oben.“

Wie Gesundheitsdezernentin Sabine Groß mitteilte, konnte das Stadtgesundheitsamt bisher in den meisten Fällen die Quelle der Infektionen schnell ermitteln: „In diesen Fällen sind die Infektionsketten bekannt, alle Infizierten sowie die Kontaktpersonen wurden unter Quarantäne gestellt. Es gibt aber zunehmend Fälle, bei denen der Ursprung der Ansteckung unbekannt ist. Diese Menschen arbeiten zudem oft in publikumsintensiven Bereichen und dort besteht das Risiko, dass sich Menschen unerkannt angesteckt haben und das Virus weiterverbreiten.“

Weiterhin wird in Offenbach – wie schon bisher – jede Kontaktperson doppelt getestet: Einmal an dem Tag, an dem die Infektion festgestellt wurde, und dann noch einmal nach sieben Tagen. Dies entspricht der Empfehlung des Robert-Koch-Instituts, wird jedoch nicht von allen Gesundheitsämtern so umgesetzt. „Das bedeutet einen hohen Aufwand für das Gesundheitsamt. Wir sind bei dieser Arbeit auch dankbar für die Unterstützung der Kassenärztlichen Vereinigung“, so Oberbürgermeister Schwenke.

Um die weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen, wird der Verwaltungsstab ab sofort wieder regelmäßig mindestens zweimal die Woche tagen, die Lage beobachten und Maßnahmen beraten. Aufgrund der zuletzt weitgehend stabilen Situation in Offenbach hatte der Stab neben einer täglichen Lageinformation durch das Gesundheitsamt in jüngster Zeit nur noch einmal wöchentlich in kleinerer Besetzung zusammenkommen müssen.

Maßnahmen beschlossen

Als erste direkte Maßnahmen beschlossen wurden noch am Donnerstag eine sehr große Informationskampagne in zahlreichen Sprachen für Rückkehrende aus Risikogebieten. Gemäß Landeskonzept soll die Information in der Stufe 2 (so genannte Phase gelb), in der sich Offenbach nun befindet, einen Schwerpunkt darstellen. Sie werden in Bussen, Taxis und Reisebüros sowie über städtische Organisationseinheiten an Sport- und Migrantenvereine sowie Glaubensgemeinschaften verteilt. Zudem werden sie im Laufe der kommenden Woche in den Häusern der städtischen Wohnungsgesellschaft GBO ausgehängt und an die anderen Wohnungsbaugesellschaften verteilt. Auch über das Bürgerbüro und weitere städtische Ämter werden die Informationen verteilt.

„Als neue Maßnahme haben wir verabredet, dass auch Ordnungsamt und Polizei das Gesundheitsamt in den nächsten 14 Tagen bei der Ermittlung unterstützen werden, wenn mit den Angaben der Infizierten nicht nachvollzogen werden kann, wo diese sich angesteckt haben“, teilte Ordnungsdezernent Peter Freier nach der Stabssitzung am Freitagabend mit.

Außerdem wurden zahlreiche weitere Maßnahmen vereinbart, die zunächst für die kommenden 14 Tage gelten: Bei Sportveranstaltungen in geschlossenen Räumen sind in Offenbach ab sofort keine Zuschauer mehr zugelassen. „Außerdem wird in Offenbach eine Lockerung, die eigentlich zum 1. August hessenweit gilt, für die nächsten 14 Tage noch nicht umgesetzt: Bildungsangebote außerhalb geschlossener Räume, zum Beispiel von der Volkshochschule, sind weiterhin nur mit 1,5 Metern Abstand und mit einer maximalen Gruppengröße von 15 Personen zulässig.“ Teilte Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß mit. „Wir werden auch die Teilnehmer von Deutsch- und Integrationskursen gezielt informieren“.

Zusätzliche Maßnahmen

Weitere Maßnahmen betreffen die Maskenpflicht: In den Innenräumen der Gastronomie muss ein Mund-Nasen-Schutz nun wieder immer dann getragen werden, wenn die Gäste nicht an ihrem Tisch sitzen, also zum Beispiel beim Betreten der Gaststätte oder auf dem Weg zur Toilette. Grundsätzlich wird bei Verstößen gegen die Maskenpflicht jetzt bereits beim ersten Mal ein Verwarngeld von 50 Euro erhoben. „Alle unsere Maßnahmen zielen insbesondere auf die Ansteckungsgefahr in geschlossenen Räumen. Masken sind dabei nach bisherigem Erkenntnisstand die wirkungsvollste und zugleich einfachste Maßnahme, uns zu schützen. Jeder weiß inzwischen, wo er eine Maske tragen muss. Deshalb verzichten wir ab sofort auf eine mündliche Ermahnung“, so Schwenke.

In der Gastronomie wird die Stadt das Führen und Ausfüllen der Gästelisten in der nächsten Zeit verstärkt kontrollieren. „Die Stadt Offenbach hat auf ihrer Homepage als Service ein Musterformular für Gastronomen zum Download bereit gestellt“, so Schwenke. „Wer das nutzt, macht alles richtig. Falls wir Infektionsfälle haben, die auch Gäste oder Mitarbeiter von Restaurants betreffen, ist es außerordentlich wichtig, die Kontaktpersonen schnell nachvollziehen zu können. Deshalb werden wir hierauf stärker achten.“ Ordnungsdezernent Freier weist darauf hin, dass die Gästelisten laut der Verordnung, die ab 1. August gilt, zukünftig nur noch ausschließlich zur Nachverfolgung von Infektionsketten genutzt werden dürfen. Das Land hat damit auf die Kritik der Nutzung durch die Polizei reagiert.

Verwaltungsintern geht die Stadt mit gutem Vorbild voran: In den kommenden 14 Tagen werden weder Dienstreisen noch Betriebsausflüge stattfinden. Interne Sitzungen werden wieder auf maximal 10 Teilnehmer begrenzt, größere Sitzungen finden virtuell statt. Außerdem werden die Mitarbeiter aufgefordert, die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, wieder häufiger zu nutzen.

Zusätzlich kommt wieder eine Arbeitsgruppe aus den Krankenhäusern, der Feuerwehr, der Kassenärztlichen Vereinigung und den Rettungsdiensten regelmäßig zusammen, um die Versorgung kranker Menschen zu überwachen und mögliche Engpässe frühzeitig zu erkennen.

„Die jetzt getroffenen Maßnahmen für Offenbach schaden wirtschaftlich niemandem, deshalb ergreifen wir sie lieber sofort als zu spät. Es ist wichtig, dass die Bevölkerung die Verschärfung der Lage frühzeitig versteht. Wenn dies gelingt, können wir einen neuen Lock-Down vermeiden. Diesem Ziel dient ab sofort alle Kraft“, so Schwenke. Stadträtin Groß machte ebenfalls deutlich: „Auch wenn es schwerfällt: Nur Abstand zu anderen Menschen in jeder Lebenslage kann helfen, dem Virus wenig Chancen zu bieten. Wer jetzt nachlässig wird, riskiert einen größeren neuen Ausbruch und damit auch wieder notwendige Maßnahmen, die uns in unseren Freiheiten einschränken und der Wirtschaft schaden.“

Rückkehr aus Risikogebieten

Die Mehrzahl der weltweiten Reiseziele sind noch Risikogebiete. Die Rückkehr aus einem Risikogebiet ist meldepflichtig – dazu stellt das Gesundheitsamt ein Online-Formular in mehreren Sprachen zur Verfügung. Unter www.offenbach.de/return kann für jeden Reisenden alle Eingaben gemacht werden. Mit der Einreise ist eine Quarantäne für 14 Tage verpflichtend. Diese kann vorzeitig nur durch das Stadtgesundheitsamt aufgehoben werden, wenn ein ärztliches Attest mit negativem Ergebnis eines zugelassenem Covid19-Tests vorgelegt wird. Die Quarantäne beinhaltet, dass keine Kontakte zu anderen Menschen erlaubt sind – auch im eigenen Haushalt sollte zum Schutz von Verwandten und Mitbewohnern auf Abstand, gutes Lüften und Händewaschen geachtet werden.

Alle Informationen zu Reisen in Zeiten von Covid19 hat das Amt für Öffentlichkeitsarbeit unter www.offenbach.de/reiseinfo zusammengestellt. Hier kann auch die aktuelle Liste der Risikogebiete abgerufen werden. Dort vorgehaltene Merkblätter werden regelmäßig aktualisiert.

Wer der Meldepflicht nicht genügt, muss mit einer Strafe von bis zu 25.000 Euro nach dem Infektionsschutzgesetz rechnen. Auch die Nichtbeachtung der Quarantäne wird mit bis zu 25.000 Euro geahndet. Damit soll die Bevölkerung vor einer Pandemie mit Spätfolgen für viele Erkrankte und vielen Toten geschützt werden.

Hintergrund Eskalationskonzept des Landes Hessen

Das Eskalationsstufenkonzept sieht bei weniger als 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner wie zuletzt keine verschärften Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie vor. Es gelten die bekannten Regelungen, darunter insbesondere die Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum sowie Abstand und Maskenpflicht überall dort, wo Abstände nicht sicher eingehalten werden können. Ab 20 Neuinfektionen müssen angepasste Maßnahmen getroffen werden, auch das Meldewesen wird erweitert. Die nächste Stufe wird mit 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner erreicht und bedeutet erste wieder strengere Kontaktbeschränkungen, gegebenenfalls die Schließung von Einrichtungen und Betrieben in denen Infektionen aufgetreten sind, und den zusätzlichen Aufbau von Kapazitäten für die Versorgung kranker Menschen. Ab 50 Neuinfektionen kommt es zu weitergehenden Einschränkungen für die Bevölkerung: Einrichtungen, Betriebe, Begegnungsstätten müssen wieder geschlossen, Zusammenkünfte untersagt und gegebenenfalls auch die Mobilität eingeschränkt werden. 

31. Juli 2020