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„Falls du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist.“ Dieser Satz des Dalai Lama beschäftigt Holger App zur Zeit sehr. App ist in seinem Hauptberuf Datenschutzbeauftragter der Stadt Offenbach und zurzeit im Home Office. Daneben ist der 55-Jährige als Prädikant in evangelischen Gemeinden in Offenbach tätig und Mitglied im Kirchenvorstand der ev. Stadtkirchengemeinde. Und in dieser Funktion macht sich Holger App wie viele andere Menschen Gedanken über ein Zeitgeschehen, das alles Gewohnte aus der Bahn zu werfen scheint. Und über die Frage: Was muss ich tun, was kann ich bewirken?

„Das Corona-Virus ist winzig klein, noch viel kleiner als eine Mücke – und doch wirbelt es unser Leben durcheinander. Das Leben steht still, nichts ist wie immer. Was kann ich da tun – ich bin doch viel zu klein, um in einer solchen Situation etwas zu bewirken. Das Virus legt sich wie ein Eispanzer über unser Land. Das öffentliche Leben wirkt wie eingefroren. Viele haben Angst um ihre Existenz. Da bin ich doch viel zu klein, um etwas zu bewirken.

Nein!

DU machst den Unterschied! Ob du Abstand hältst oder nicht – das kann über Leben und Tod entscheiden. Ob du bereit bist, deine Kontakte erstmal nur elektronisch zu pflegen – das entscheidet mit darüber, wie viele Menschen sich noch mit dem Virus infizieren werden. Du machst den Unterschied! Und das gibt mir Mut. Denn ich beobachte, dass sich die große Mehrheit in unserer Stadt Offenbach an die Verhaltensregeln hält. Überall sehe ich Plakate, mit denen Menschen ihre Hilfe denjenigen anbieten, die zur Zeit noch mehr ans Haus gefesselt sind als andere. Viele Ideen werden entwickelt, um der Vereinsamung in dieser Zeit entgegenzuwirken.

Wir alle müssen Verantwortung übernehmen

Ich spüre Frühling: Nachts herrscht noch Eiseskälte, aber die Sonne lockt schon das neue Leben hervor. In den Gärten sprießen die Schneeglöckchen und Krokusse. Aber wie in jedem Winter: manche liebgewordene Blume im Garten wird ihn nicht überleben. Viele arbeiten mit großem Einsatz daran, die Zahl der Ausfälle gering zu halten – aber wir werden nicht 100 Prozent Erfolg haben können. Aber wir kämpfen um jeden!

Ich habe mit einem Satz des Dalai Lama begonnen – lassen Sie mich mit einem Satz von Carl Schmitt enden. Dieser Philosoph ist zurecht umstritten – aber der Einleitungssatz seiner „politischen Theologie“ von 1922 bekommt in diesen Zeiten für mich eine völlig neue Bedeutung. Er lautet: „Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet."

Sie, Du und ich: Wir entscheiden mit unserem Verhalten darüber, wie lange der Ausnahmezustand anhält. Wir gemeinsam spüren: Ja, WIR sind der Souverän, so wie es das Grundgesetz sagt: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ (Art. 20, Abs. 2 GG). Und daher ist für mich diese Krise auch die Stunde der Demokratie. Lassen Sie uns gemeinsam dieser Verantwortung gerecht werden und nicht auf „den starken Mann“ hoffen, den Carl Schmitt im Sinne hatte. Ich bin sicher: Gemeinsam werden wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen!“

03. April 2020