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Der Frühling kündigt sich mit milden Temperaturen und viel Sonnenschein an. Offenbacherinnen und Offenbacher zieht es nach den grauen Wintermonaten wieder ins Freie und so tummelten sich in den vergangenen Tagen viele Menschen entlang des Mains, auf dem Mainuferparkplatz, im Hafen-Quartier und auf dem Offenbacher Wilhelmsplatz.

Was grundsätzlich sehr positiv ist, beinhaltet dann Probleme, wenn die Abstandsregeln ignoriert werden. Beim Ordnungsamt gingen zahlreiche Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern über das vergangene Wochenende ein. Der Verwaltungsstab hat sich jetzt in einer mehrstündigen, intensiven Abwägung damit auseinandergesetzt. „Ziel unserer Beratungen war“, so Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke, „dass in Offenbach alle Öffnungen dann durchgeführt werden können, wenn sie vom Land Hessen erlaubt werden.“
Der Verwaltungsstab entschied sich daher für die Linie, die bestehenden Regelungen wieder mit gezielten Schwerpunktkontrollen zu überprüfen. Um das handhaben zu können, sind am Mainuferparkplatz die Sperrung einer Ausfahrt und auf dem Wilhelmsplatz die Abschaffung einer Ausnahme zum Abnehmen der Maske nötig.

Offenbach stand während der so genannten ersten Welle der Corona Pandemie vergleichsweise gut da. Nach den Sommerferien war Offenbach mehrere Wochen deutschlandweit in der Spitzengruppe bei Infektionen. Seit Dezember pendelte Offenbach immer knapp unter oder knapp über dem Hessendurchschnitt. In den letzten Tagen erhöhte sich die Inzidenz aber wieder. Es besteht weiterhin weltweit Unklarheit darüber, wie die zuletzt aufgetretenen Virusmutationen insgesamt wirken. Für die britische Variante ist allerdings eine höhere Ansteckungsgefahr nach derzeitigem Stand belegt. Dass diese Variante auch in Offenbach angekommen ist, ist seit wenigen Tagen nachgewiesen. Auch deshalb musste der Stab beraten, wie er damit umgeht.

Entwicklung unklar

„Natürlich bin ich bei dem schönen Wetter am Wochenende auch nach draußen gegangen. Das ist auch sinnvoll“, betont Oberbürgermeister Schwenke. „Und mir ist die Pandemie genauso lästig wie allen anderen. Es bereitet mir aber Sorgen, dass sich die Befürworter von Maßnahmen und die Gegner von Maßnahmen immer unversöhnlicher gegenüberstehen. Die Entwicklung der kommenden Wochen ist völlig unklar. Sicher ist nur, dass die Pandemie nicht am nächsten Wahltag endet, aber die Bundes- und die Landesregierung jetzt endlich mit Impfen und Schnelltests vorankommen“, so Oberbürgermeister Schwenke.

„Wie grundsätzlich mit der Corona-Pandemie umgegangen wird, wird in Berlin und Wiesbaden entschieden“, so das Stadtoberhaupt weiter. „Unser Ziel hier vor Ort ist: Wenn die Politik in Wiesbaden Öffnungen erlaubt, wollen wir, dass Schulen, Restaurants und Einzelhandel in Offenbach am gleichen Tag öffnen wie in allen anderen Städten in Hessen. Weil der Kampf gegen Corona aber nicht von uns am Schreibtisch im Homeoffice gewonnen wird, sondern vom Verhalten der Menschen, bitten wir alle Bürgerinnen und Bürger dringend um Ausdauer und Mithilfe für Schulen, Gastronomie, Einzelhandel, Sport und Kultur in Offenbach!“

Gesundheitsdezernentin Sabine Groß: „Wir haben uns mit den Orten auseinandergesetzt, an denen besonders viele Menschen zusammenkommen. Der öffentliche Raum spielt in einer dicht besiedelten Stadt für viele Bewohner eine große Rolle. Deshalb muss der Zugang zu Plätzen weiter offen blieben. Denn anders als im letzten Jahr ist mittlerweile bekannt, dass die Ansteckungsgefahr unter freiem Himmel geringer ist“, so Gesundheitsdezernentin Sabine Groß. „Allerdings“, informiert die Gesundheitsdezernentin, „ist sie eben auch unter freiem Himmel nicht ausgeschlossen. Auch hier hängt es vom Verhalten ab, auch im Frühling und im Sommer.“ 

Maßnahmen müssen eingehalten werden

Der Verwaltungsstab hat seine Beratungen deshalb darauf konzentriert, das Einhalten der Maskenpflicht gerade dort sicherzustellen, wo viele Menschen zusammenkommen. Dies betrifft insbesondere den Wilhelmsplatz und die anliegenden Seitenstraßen an Markttagen. Deshalb wird es dort jetzt an Markttagen für die Bevölkerung keine Ausnahmen mehr von der Maskenpflicht geben, auch nicht zum Trinken, Essen oder Rauchen. Eine Ausnahme gibt es lediglich für die Marktbeschicker während ihren Pausen, da diese bis zu 9 Stunden auf dem Platz arbeiten. Auch die Imbissstände auf dem Wochenmarkt bleiben ausdrücklich geöffnet und können wie bisher Speisen anbieten, die aber entsprechend der hessenweit einheitlichen Regeln nicht direkt vor Ort verzehrt werden dürfen.

„Schon heute besteht nach den in Hessen geltenden Regeln eigentlich auch ohne Maskenpflicht ein Verbot des Direktverzehrs von Speisen und Getränken“, erinnert Ordnungsdezernent und Bürgermeister Peter Freier, dass die Präzisierung des Verwaltungsstabes keine Verschärfung von Regeln darstellt, sondern lediglich der Möglichkeit dient, die Regeln auch kontrollieren zu können. „Die Zustände vom Wochenende mit Aperol Spritz, Rauchen und Verzehr in größeren Runden mit Familie, Freunden und Bekannten – oft ohne Abstand und ohne Maske – haben die Maskenpflichtzone quasi ad absurdum geführt. Was als Ausnahme gedacht wurde, ist im Grunde genommen missbraucht worden. Auch andere Städte lassen in Maskenpflichtzonen teilweise den Verzehr von Speisen und Getränken sowie das Rauchen nicht zu. Dies werden wir in Offenbach jetzt auf dem Wilhelmsplatz auch so handhaben, längstens bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Außengastronomie wieder öffnet, damit am Ende nicht die Gastronomen die Dummen sind“, so Freier weiter.

Für die Kontrollen gilt: „Wir können in den kommenden Wochen nicht überall zeitgleich sein und kontrollieren. Einen solchen Staat möchte auch niemand. Dennoch werden wir alles in unserer Kraft Stehende tun, damit die Ehrlichen nicht die Dummen sind. Wie im Sommer wird die Stadt- und Landespolizei gemeinsam immer wieder Schwerpunktkontrollen durchführen und dann ohne Ermahnung direkt durchgreifen“, so Freier. Neben der ausnahmslosen Maskenpflicht auf dem Wilhelmsplatz und den Seitenstraßen wird am Mainuferparkplatz die bereits letzten Sommer praktizierte Einbahnstraßenregelung wiedereingeführt. Eine Ausfahrt wird geschlossen, um die Schwerpunktkontrollen der Stadt- und Landespolizei zu erleichtern. Bereits in den vergangenen Tagen erfolgten verstärkt Kontrollen durch die Stadtpolizei am Mainuferparkplatz oder auch infolge einer Meldung in einer Shisha-Bar.

„Wir wägen jede Entscheidung genau ab. Unser Ziel ist immer: so wenig Offenbacher Sonderregelungen wie möglich, aber natürlich so viele, wie im Zweifel nötig sind“, berichtet Stadtrat Paul-Gerhard Weiß abschließend aus den Beratungen.

25. Februar 2021