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Untersuchung
© Hamilton Viana Viana/ Pixabay.com
Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie stellen niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser fest, dass viele Menschen mit akuten oder chronischen Erkrankungen seltener zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen als zuvor. Sie haben Angst, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren. Selbst bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall suchen Patienten eine Praxis oder ein Krankenhaus häufig erst auf, wenn sich ihr Zustand enorm verschlechtert hat. Eine späte Vorstellung birgt aber die Gefahr einer deutlichen Verschlechterung des Krankheitsverlaufs, was wiederum eine aufwändigere Therapie sowie schlechtere Heilungschancen nach sich ziehen kann.

„Diese Entwicklung bereitet uns Sorgen“, sagt Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke. Gesundheitsdezernentin Sabine Groß ruft die Bürgerinnen und Bürger dazu auf: „Wägen Sie gut ab, ob Sie Arztbesuche verschieben. Ich treffe mich regelmäßig mit Vertretern der Offenbacher Klinken, dem Rettungsdienst und dem Ärzteverein und weiß von deren Schilderungen, dass das verspätete Aufsuchen eines Arztes zum Teil schwere Folgen haben kann und Ärzte aus Offenbach berichten inzwischen von einigen solcher Fälle.“ OB Schwenke sagt dazu: „Ob es sinnvoll ist, einen Arztbesuch zu verschieben oder ihn jetzt direkt durchzuführen, kann nur jede und jeder Einzelne für sich entscheiden. Im Moment müssen wir aber auf nicht absehbare Zeit mit der Pandemie leben. Gleichzeitig ist es aktuell gelungen, die Pandemie in eine Dimension zu bringen, die unser Gesundheitssystem im Moment beherrschen kann. Für ihr eigenes Wohl, gehen Sie daher bitte zum Arzt, wenn Sie sich krank fühlen. Und rufen Sie bei schweren Krankheitssymptomen unbedingt den Rettungsdienst. Dies gilt umso dringender, je schwerer Ihre mögliche Erkrankung ist!“

Die Gesundheitsdezernentin Sabine Groß weist darauf hin, dass Ärzte und Kliniken mittlerweile Vorkehrungen getroffen haben, um das Risiko einer Infizierung so gut es geht auszuschalten: „Alle kommen mittlerweile im neuen Corona-Alltag an. Sie wenden strenge Hygieneregeln an und treffen Vorkehrungen, um das Risiko von Ansteckungen so gering wie möglich zu halten. Der Aufruf zum Arzt zu gehen, gilt daher trotz Corona auch und vor allem für chronisch Erkrankte. Sie verschlechtern andernfalls ihren Gesundheitszustand möglicherweise irreparabel.“

„Die niedergelassenen Ärzte in den Praxen, der Ärztliche Bereitschaftsdienst in Offenbach und die Ärzte in den Kliniken haben sich dank ihrer bisherigen Erfahrung trotz der noch immer verbesserungsfähigen Ausstattung an Schutzkleidung und Hygienebedarf sehr gut auf die neue Situation eingestellt“, so Dr. med. Harald Balló und Birgit Cremer vom Ärzteverein Offenbach e.V. In den Praxen sorgen getrennte Räumlichkeiten und eine zeitliche Trennung von Infektionssprechstunde und normaler Sprechstunde für einen gesicherten Ablauf. „Bitte, nehmen Sie gegebenenfalls telefonisch Kontakt zu Ihren Ärzten auf, um zu erfahren, wie Ihr Arzt Ihnen einen geeigneten Termin für Ihre Beschwerden geben kann“, raten Dr. Balló und Cremer.

„Auch, wenn sogenannte Video-Sprechstunden eingeführt werden und die telefonischen Erreichbarkeiten ausgeweitet worden sind, sollten auch jetzt Patienten mit regelmäßig zu beurteilenden, chronischen Erkrankungen oder akuten Beschwerden unbedingt zu einem Arzt oder auch ins Klinikum kommen“, mahnt Professor Dr. Norbert Rilinger, Ärztlicher Direktor am Sana Klinikum Offenbach und Chefarzt des Zentralinstituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin. „Das Risiko, sich im Krankenhaus mit einer infektiösen Erkrankung anzustecken, ist, gegenüber den gesundheitlichen Risiken, die möglicherweise eine verzögerte Diagnose und Behandlung nach sich ziehen, minimal.“ Das Sana Klinikum Offenbach stelle sowohl in der Notfall- als auch in der Regelversorgung eine strikte Trennung von Covid-19- sowie infektiös Erkrankten und anderen Patienten sicher. Zudem gelten im Klinikum allerhöchste Hygienestandards. „Seit dem vierten Mai dürfen wir ja auch ganz offiziell wieder elektive Eingriffe und Operationen vornehmen und schon jetzt sind alle medizinischen Fachrichtungen einsatzbereit und stehen Patienten bei schwerwiegenden Erkrankungen zur Verfügung. Auch Termine werden nach und nach wieder vereinbart“, berichtet Prof. Dr. Rilinger. „Schritt für Schritt gehen wir in einen neuen Regelbetrieb über – gleichzeitig bleiben wir jederzeit wachsam und handlungsfähig, sodass wir den Betrieb bei einer sich ändernden Infektionslage in der Region jederzeit kurzfristig anpassen können.“

Auch das Ketteler Krankenhaus beobachtet, dass Patienten erst mit Verzug in die Klinik kommen. „Krankheiten werden dadurch erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt“, registriert Professor Dr. Stephan Sahm, Chefarzt am Offenbacher Ketteler. Er befürchtet, dass das Krankenhauspersonal viel nachzuarbeiten hat, sobald es Lockerungen gibt. Wie alle Kliniken schützt auch das Ketteler Krankenhaus seine Patienten vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus. Personal, das Covid-19-Erkrankte behandelt, ist zudem strikt von anderen Mitarbeitern getrennt.

Professor Sahm betont: „Bei der Aufnahme in ein Krankenhaus zählt die Dringlichkeit. Es darf kein Unterschied gemacht werden zwischen Covid-19-Patienten und anderen.“

Daher gilt weiterhin: Wer Krankheitssymptome verspürt, sollte zum Arzt gehen. Außerhalb der üblichen Sprechstunden steht der Ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116 117 zur Verfügung. Bei schweren Krankheitssymptomen, sollte der Rettungsdienst über den Notruf 112 gerufen werden.

Offenbach am Main, 13. Mai 2020