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Um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, gilt bis mindestens 3. Mai weiterhin das bestehende Kontaktverbot von mehr als zwei Personen im öffentlichen Raum. Ob und wann dies nach dem 3. Mai gelockert wird, wollen die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten am 30. April entscheiden. Doch auch falls diese strenge Regelung in den kommenden Wochen gelockert werden sollte, wird es bis 31. August 2020 keine größeren Veranstaltungen geben. Darauf haben sich in dieser Woche die Bundesregierung und die Bundesländer geeinigt.

Offenbachs Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke, der auch Mitglied im Präsidium des Hessischen Städtetages ist, geht davon aus, dass das Land Hessen in der kommenden Woche festlegt, wie viele Teilnehmer dann bis 31. August maximal an einer Veranstaltung oder Versammlung teilnehmen dürfen. „Als Präsidium des Hessischen Städtetages stehen wir darüber im Austausch mit der Landesregierung. Wir haben für eine niedrige Zahl plädiert. Erst müssen wir unsere Ärzte und Pfleger in Kliniken, Heimen und im gesamten Gesundheitswesen vollständig schützen können und eine ausreichende Anzahl an Beatmungsgeräten haben. Dann können wir größere Schritte wagen. Im Moment sind wir da auf einem guten Weg. Aber wir sind nicht fertig. Davor wäre alles andere ein Spiel mit dem Feuer“, so Schwenke.

Mit seinen Magistratskollegen Peter Freier, Sabine Groß und Paul-Gerhard Weiß ist sich OB Schwenke einig, dass die Gefahr einer Ansteckung auf Veranstaltungen auf absehbare Zeit sehr hoch bleiben wird. „Wir dürfen bei allen Diskussionen um eine Lockerung der Schutzmaßnahmen nicht vergessen, dass wir noch immer am Anfang der Pandemie stehen. Deshalb werden wir leider auf viele Feste und Veranstaltungen in diesem Jahr verzichten müssen“, so Bürgermeister Peter Freier. „Alles andere wäre unverantwortlich.“

Deshalb geht die Stadt Offenbach mit gutem Beispiel voran: Der Verwaltungsstab hat am 17. April entschieden, alle städtischen Veranstaltungen sowie Veranstaltungen, an denen die Stadt Offenbach als Kooperationspartner beteiligt ist, unabhängig von der Teilnehmeranzahl bis einschließlich 28. Juni 2020 abzusagen. Dies betrifft alle Arten von Veranstaltungen, so etwa Ausstellungen, Bürgerinformationen, die Neubürgerfahrt mit dem Oberbürgermeister, Quartiers- oder Feuerwehrfeste. „Diese Entscheidung ist niemandem leichtgefallen“, teilte Gesundheitsdezernentin Sabine Groß mit. „Sie ist aber notwendig, denn die Gesundheit steht an erster Stelle und wir wollen als Stadt nicht, dass Bürgerinnen und Bürger durch unsere Veranstaltungen einer Gefahr ausgesetzt werden. Wir haben eine Vorbildfunktion.“

An Festen welcher Größe sich die Stadt zwischen dem 28. Juni und dem 31. August beteiligen wird, entscheidet der Verwaltungsstab nach Abschluss der Gespräche mit der Landesregierung.

Laut Oberbürgermeister Schwenke mussten sich die Stadt und die Offenbacher-Stadtinformation-Gesellschaft (OSG) „schweren Herzens“ dazu entscheiden, auch das größte Fest in Offenbach, das Mainuferfest, abzusagen. „Wir hätten gerne einen Ersatztermin im Herbst angeboten. Wir haben auch verschiedene Termine geprüft, um geeignete Wochenenden im September oder Oktober zu finden. Inzwischen ist aber davon auszugehen, dass von den vielen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus das Verbot von Großveranstaltungen eines der letzten sein wird, das wieder aufgehoben wird.“ Aus diesem Grund könne auch das für Anfang August geplante Lichterfest mit seinen rund 8.000 Besuchern nicht zu diesem Zeitpunkt stattfinden. „Und selbst für den Fall, dass vielleicht im Herbst wieder größere Feste erlaubt wären, ist damit zu rechnen, dass solche Veranstaltungen in diesem Jahr nur unter extrem hohen organisatorischen und hygienischen Auflagen möglich sein werden“, ergänzte Stadtrat Paul-Gerhard Weiß.

Insbesondere für das Mainuferfest wären solche Auflagen kaum umsetzbar, sind sich die hauptamtlichen Dezernenten sicher: „Wir wissen um die Schwierigkeiten, die vor allem kleinere Vereine schon in den vergangenen Jahren hatten, die immer weiter verschärften gesetzlichen Auflagen für ein solches Fest erfüllen zu können“, so Schwenke. „Da das Mainuferfest auf einer begrenzten Fläche mit zehntausenden Menschen stattfindet, die gemeinsam essen, feiern und genießen wollen, würden die zu erwartenden Auflagen vieles unmöglich machen und den Charakter dieses unbeschwerten Festes stark verändern. Auch müssten wir mit der Absage mehrerer Vereine rechnen.“

Wie seine Magistratskollegen bedauert Oberbürgermeister Schwenke diese Entscheidung zutiefst: „Mir ist sehr bewusst, wie beliebt das Fest bei allen Offenbacherinnen und Offenbachern ist. Ich bin selbst jedes Jahr viele Stunden auf dem Fest. Und genauso bewusst ist mir, dass eine Absage wirtschaftliche Einbußen für viele Vereine mit sich bringt, gerade in einem Jahr, dass die Vereine nun ohnehin vor außergewöhnliche Belastungen und Herausforderungen stellt. Deshalb haben wir auch bis zuletzt überlegt, welche Optionen bestehen. Aber ein Fest, dessen Auflagen die Teilnehmer nicht erfüllen können, wäre keine Hilfe für die Vereine.“

Schwenke, Freier, Groß und Weiß zeigten sich am Freitag aber zuversichtlich, dass wieder bessere Zeiten kommen. Keiner weiß, wie genau die Welt 2021 aussehen wird. Aber es spricht zumindest im Moment alles dafür, dass es deutlich besser als in diesem Jahr sein wird. „Diese Perspektive sollte uns die Kraft geben, in diesem Jahr alles daran zu setzen, den Virus einzudämmen und die außergewöhnlichen Einschränkungen bestmöglich zu meistern.“

19. April 2020