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In Offenbach am Main ist ein Schüler am Albert-Schweitzer-Gymnasium aus der Oberstufe positiv auf Covid-19 getestet worden, der Kontakt zu infizierten Familienangehörigen hatte. Das Stadtgesundheitsamt hat daraufhin alle Menschen ermittelt, die Kontakt zum Schüler gehabt haben. Alle 23 Schülerinnen und Schüler wurden vorsorglich in Quarantäne geschickt.

„Aufgrund der eingehaltenen Abstände von mindestens 1,50 Metern zu dem symptomfreien, positiv getesteten Schüler sowie den getragenen Mund-Nase-Bedeckungen ist eine Ansteckung nicht wahrscheinlich“, erläutert Dr. Bernhard Bornhofen. Dennoch habe man die Quarantäne zur Sicherheit angeordnet und betreue die Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte telefonisch und mit Hilfe einer neuen Webapplikation.

Zusätzlich konnte das Stadtgesundheitsamt bei der Kassenärztlichen Vereinigung Tests für die Betroffenen organisieren. „Denn bislang werden wegen des Mangels an verfügbaren Tests grundsätzlich nur Menschen mit Symptomen getestet. Ohne die Beharrlichkeit des Offenbacher Gesundheitsamts würden diese Schülerinnen und Schüler überhaupt nicht getestet werden“, betont Gesundheitsdezernentin Sabine Groß, dass diese Tests nicht in jeder Stadt ermöglicht worden wären. Die Gruppe wurde dabei auf zwei Testzentren aufgeteilt. Die Terminvergabe erfolgt direkt über die Testzentren der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und ist für Montag, 11. Mai, zwischen 9 und 11 Uhr vorgesehen. Es ist davon auszugehen, dass die meisten Eltern ihre Kinder zum Test fahren. In jedem Falle  ist bei dieser Sachlage sowohl im Auto als auch im ÖPNV eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Die Schülerinnen und Schüler sollen auf dem gesamten Weg eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen - unabhängig davon mit welchem Transportmittel sie den Weg antreten. Eine Vorgabe zur Art des Verkehrsmittels hat das Stadtgesundheitsamt nicht gemacht. Als Konsequenz ist dann auch bei der Nutzung des ÖPNV die Ansteckungsgefahr sehr gering. Hinzu kommt, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Schulkameraden sich angesteckt haben und dass nur diejenigen Jugendlichen zum Testzentrum fahren, die symptomfrei sind.

Das Gesundheitsamt hatte zunächst versucht, das in Frankfurt stationierte Corona-Mobil für die Tests direkt an die Schule zu bekommen. „Die KV setzt dies aber für andere Zwecke ein und konnte die Idee unseres Amtes daher nicht verwirklichen“, ergänzt Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke.

Ansteckungsgefahr wird in der Schule minimiert

Im Umfeld der Schule ist es trotz der Maßnahmen zu Irritationen durch falsche Informationen gekommen. „Es ist alles sehr konkret geregelt“, betont Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß. Die Ansteckungsgefahr wird in der Schule bereits minimiert, indem in den Klassenräumen alle 15 Minuten gelüftet wird – besonders intensiv in den Pausen. „Die Räume werden zwei Mal täglich gereinigt und desinfiziert. Die Schülerinnen und Schüler sitzen mit 1,5 Meter Abstand in den Räumen.“ Kranke Schülerinnen und Schüler müssen zu Hause bleiben. Wer sich erst im Unterricht krank fühle, werde nach Hause geschickt. Schülerinnen und Schüler aus Risikogruppen oder mit einem gefährdeten Elternteil seien weiterhin von der Schulpflicht befreit. Die Schulleitung steht mit dem Stadtgesundheitsamt und dem Schulamt in ständigem Kontakt.

 „Natürlich würden wir auch gerne ein Testzentrum in Offenbach haben, deshalb haben wir gemeinsam mit dem Kreis Offenbach frühzeitig unsere Hilfe dafür angeboten. Die Festlegung der Standorte trifft aber nicht die Stadt Offenbach. Deshalb begrüßen wir den aktuellen Vorschlag der Kassenärztlichen Vereinigung, dass alle Hausärzte in Offenbach spezielle Infektionssprechstunden einrichten und Corona-Tests durchführen“, erklärt OB Schwenke. „Wenn es der KV gelingt, diese Idee umzusetzen, dann kann jede und jeder zum Arzt seines Vertrauens. Das wäre ideal. Einige Hausärzte testen aber auch jetzt schon und dafür möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken“, so Schwenke weiter. Darüber hinaus testen die Krankenhäuser Patienten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst.

Oberbürgermeister Schwenke kritisiert außerdem den weiterhin bestehenden Mangel an Tests, während die Profifußballer trotzdem getestet werden. „Der Mangel an Tests ist auf allen Ebenen bekannt. Seit Wochen ist Kollegin Groß dazu im Kontakt mit dem Hessischen Sozialministerium, unser Gesundheitsamt und auch wir als Politiker haben das immer und immer wieder gegenüber der Uni-Klinik Frankfurt angesprochen, die vom Land Hessen als koordinierendes Krankenhaus hierbei eine wichtige Rolle zugeteilt bekommen hat. Zudem haben Landrat Quilling und ich das auch wiederholt gegenüber der KV thematisiert. Wir versuchen auf allen Ebenen und an allen Stellen alles in unserer Kraft stehende, die Zahl der verfügbaren Tests zu erhöhen. Auch mit dem Präsidium des Hessischen Städtetages haben wir die Landesregierung gebeten, das gegenüber dem Bund als Problem zu melden – was die Landesregierung selbstverständlich auch tut. Das Problem besteht überall, nicht nur in Offenbach. An einigen Orten in Hessen wurden die Tests zwischendurch sogar ganz eingestellt. In Offenbach wurde wenigstens jederzeit getestet. Trotzdem: es müssen endlich mehr Testmöglichkeiten her, für alle Städte und Kreise, und natürlich auch für Offenbach.“

Das Gesundheitsamt telefoniert täglich mit rund 500 Menschen, allein aktuell sind rund 200 Menschen in Quarantäne. Als erste Kommune in Hessen setzt das Stadtgesundheitsamt eine Webapplikation ein und betreut damit rund 60 Personen per SMS oder E-Mail. Diese erhalten einen Link und tragen dort Symptome ein und zum Beispiel ob ein Test gemacht wurde. Wenn Symptome gemeldet werden, erfolgt ein Anruf vom Gesundheitsamt.

10. Mai 2020