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Stadträtin Groß mit Mitarbeitern des Gesundheitsamtes
Von links nach rechts sind zu sehen: Sozialdezernentin Sabine Groß, Amtsärztin Dr. Barbara Schneider, die stellevertretende Leiterin des Gesundheitsamtes Dr. Christiane Faust und der Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Bernhard Bornhofen. © Stadt Offenbach/georg-foto.de
Einige Sekunden lang hüpfen, ein Bild malen, ein Geräusch verorten oder inmitten von Punkten ein Auto erkennen: Ab November jeden Jahres startet das Stadtgesundheitsamt die Schuleingangsuntersuchungen. Die Untersuchung der angehenden Grundschüler hat eine lange Tradition, um Beeinträchtigungen beim Lernen zu vermeiden und etwaige Entwicklungsauffälligkeiten oder auch Störungen rechtzeitig erkennen und behandeln zu können.

Insgesamt 1247 Kinder wurden im vergangenen Jahr von den Ärzten des Stadtgesundheitsamtes „auf Herz und Nieren“ geprüft. Ausgewertet wurden Gewicht, Grobmotorik, Feinmotorik, Gehör und Sehschärfe. Außerdem wurden der Impfstatus sowie die sprachliche Entwicklung geprüft. Jetzt legte das Stadtgesundheitsamt die statistische Auswertung der Daten vor. Von den untersuchten Kindern sind 50,6 Prozent Mädchen und 49,4 Prozent Jungen. Es haben 64,5 Prozent einen Migrationshintergrund. Die meisten Kinder sind länger als 18 Monate im Kindergarten.

Erstmalig erhob das Stadtgesundheitsamt bei den Einschulungsuntersuchungen auch die kognitiven Fähigkeiten: Mit logisch-schlussfolgerndem Denken hatten 82 Prozent der Kinder kein Problem und 72 Prozent hatten ein gutes Mengenvorwissen.

Wenig Bewegung, viel Gewicht

Weiterhin schleppen 15 Prozent der untersuchten Kinder zu viel Gewicht mit sich herum – Kinder mit Migrationshintergrund sind häufiger betroffen: hier sind es 17,2 Prozent gegenüber 11,1 Prozent bei Kindern ohne Migrationshintergrund. Aufgefallen ist den Ärzten bei den Untersuchungen der angehenden Grundschülerinnen und -schüler, dass seit 2016 bei den grobmotorischen Fähigkeiten Defizite verstärkt auftreten – 2018 mit 14,8 Prozent. Jungen sind mit 17,9 Prozent viel häufiger betroffen als Mädchen mit 11,9 Prozent. Auch die Feinmotorik ist bei 26,5 Prozent der Kinder auffällig – diese ist bei 36,5 Prozent der Jungen und 16,9 Prozent der Mädchen nicht so gut ausgeprägt. Dafür waren die Hör- und Sehtests verglichen mit anderen Jahren unauffällig.

Kitabesuch wirkt sich positiv auf Spracherwerb aus

Obwohl sich der Besuch einer Kindertagesstätte positiv auf die Sprachkompetenz auswirkt, haben nur 69,2 Prozent der Kinder eine altersgerechte Sprache. Auch gab es einen Rückgang der Kinder, die fehlerfrei Deutsch sprechen. Die Prüfung der Deutschkenntnisse ergab, dass drei Prozent kein Deutsch sprachen, 8,18 Prozent sich radebrechend verständigen konnten, etwa 28 Prozent sich flüssig mit erheblichen Fehlern äußerten und 25,42 Prozent flüssig Deutsch mit leichten Fehlern sprechen. Knapp 32 Prozent sprechen fehlerfrei Deutsch.

„Die Daten des Gesundheitsberichtes versetzen uns in die Lage, Bedarfe frühzeitig zu erkennen“, so die Stadträtin für Gesundheit und Kinder und Jugendliche. „Einen solchen Bedarf sehen wir beim Spracherwerb und haben am vergangenen Freitag dazu ein Pilotprojekt mit externen Fördermitteln gestartet, mit dem wir die Sprachkompetenz der Kinder zum Übergang in die Grundschule verbessern wollen. Mein Ziel ist es, Kindern vom ersten Schultag an zu ermöglichen, dass sie dem Unterricht folgen können. Damit der Eintritt in die Schule nicht von demotivierenden Erlebnissen geprägt wird und sich diese nachhaltig auf die Motivation zum Lernen auswirkt..“

Der Vorsorgestatus der Kinder wird vor der Einschulung ebenfalls untersucht. Hier durchliefen 67 Prozent aller Kinder die vorgegebenen Vorsorgemaßnahmen. Den kompletten Impfstatus konnten 68,4 Prozent nachweisen. Die Masernimpfquote (bezogen auf die vorgelegten Impfpässe) liegt in Offenbach mit 92,3 Prozent im bundesweiten Durchschnitt. Dieses Mal wurden von 89 Prozent der Erziehungsberechtigten die angeforderten „U-Hefte“ zur Dokumentation des Versorgungsstatus vorgelegt – 92 Prozent legten die geforderten Impfpässe vor.

Weniger Deutschkenntnisse bei Seiteneinsteigern

Untersucht wurden auch die sogenannten Seiteneinsteiger, also Kinder, die zwischen 1999 und 2010 im europäischen Mittelmeerraum, in den GUS-Staaten und anderen Ländern geboren sind und jetzt in Offenbach leben. Insgesamt 217 Kinder wurden 2018 untersucht, davon 112 Jungen und 105 Mädchen. Hier zeigten sich vor allem in Bezug auf das Gewicht signifikante Unterschiede zum letztjährigen Einschulungsjahrgang 2018: Während 72,3 Prozent der Schulanfänger Normalgewicht auf die Waage brachten, lag der Anteil bei den Seiteneinsteigern bei lediglich 65,9 Prozent. Die Prüfung der Deutschkenntnisse ergab, dass 47 Prozent kein Deutsch sprachen, 38,3 sich radebrechend verständigen konnten und etwa 11 Prozent sich flüssig mit erheblichen Fehlern in der neuen Sprache äußern.

19. September 2019