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Sabine Groß auf dem Zahnarztstuhl, Dr. Bornhofen und Dr. Faust dahinter
Sozialdezernentin Sabine Groß hat auf dem Zahnarztstuhl Platz genommen, mithilfe des Krokodils erklären die Zahnärzte des Gesundheitsamtes wie Zähne richtig geputzt werden. Im Hintergrund zu sehen sind Dr. Bernhard Bornhofen und Dr. Christiane Faust. © Stadt Offenbach/georg-foto.de
Der 19. März ist der Tag des Gesundheitsamtes – das Robert Koch-Institut hat ihn in diesem Jahr zum ersten Mal ausgerufen. Ziel ist, die vielfältige und unverzichtbare Arbeit der kommunalen Gesundheitsämter ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Die Sozialdezernentin der Stadt Offenbach und das Gesundheitsamt haben den ersten Jahrestag zum Anlass genommen, um die Arbeit des Gesundheitsamtes vorzustellen. „Viele erinnern sich an ihre Schuleingangsuntersuchung oder an die Untersuchungen beim Schulzahnarzt“, bemerkt Sozialdezernentin Sabine Groß. „Doch die Aufgaben des Gesundheitsamtes sind viel umfangreicher.“ Sie erinnert an die mit der Rußrindenkrankheit befallenen Bäume im Schlosspark, bei denen ebenfalls das Gesundheitsamt eingeschaltet wurde, denn der Pilz kann auch gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen haben.

Hygiene überwachen und Seuchen bekämpfen

„Die Ärzte, die bei uns arbeiten, heilen nicht einzelne Patienten. Sie haben vielmehr die ganze Stadt im Blick, die sie vor Krankheiten schützen müssen“, erklärt der Leiter Dr. Bernhard Bornhofen die Hauptaufgabe seines Amtes. Wenn in einer öffentlichen Einrichtung, dazu gehören Kitas, Schulen, Altersheime, aber auch Krankenhäuser, eine meldepflichtige Krankheit wie Masern oder Grippe auftritt, ist es Aufgabe des Gesundheitsamtes dafür zu sorgen, dass sie sich nicht weiter ausbreitet. Ein Beispiel: „Im vergangenen Jahr gab es in Offenbach etwa 20 Fälle von Tuberkulose“, erklärt der Amtsleiter. „Wir führen dann bei allen Personen, die in engem Kontakt mit dem Erkrankten stehen, eine Blutuntersuchung durch.“ Nur so könne eine weitere Ausbreitung verhindert werden. Das Gesundheitsamt betreue zudem regelmäßig die Tuberkulose-Patienten. Wer aufgrund von Alkohol, Drogen oder Obdachlosigkeit nicht in der Lage sei, seine Medikamente eigenständig einzunehmen, gehe dafür sogar regelmäßig zum Gesundheitsamt. Die stellvertretende Amtsleiterin Dr. Christiane Faust weist daraufhin, dass in den vergangenen Jahren nicht nur die Zahl der Tuberkulose-Erkrankten, sondern auch die Fälle von Krätze gestiegen seien. Das Amt erfasst während der Wintermonate wöchentlich auch die Zahl der an Grippe erkrankten Menschen und meldet das an die Krankenhäuser. Denn diese müssten ausreichend Betten bereithalten für Patienten mit besonders schweren Krankheitsverläufen, so Bornhofen.

Auch Schulungen und Beratungen gehören zum Kerngeschäft des Amtes: Bekannt bei Gastronomen und allen, die Lebensmittel verkaufen und zubereiten, ist die Lebensmittelbelehrung. Die Teilnahme an der Schulung ist Voraussetzung, um in diesen Bereichen arbeiten zu dürfen. Da die Nachfrage sehr hoch ist, findet jeden Montag und Mittwoch eine Schulung statt.

Neu hinzugekommen ist seit zwei Jahren die Beratung von Prostituierten gemäß dem Prostituiertenschutzgesetz. Beraten werden die Frauen in Bezug auf Schwangerschaftsverhütung, übertragbare Krankheiten und Drogenmissbrauch.

Zum Schutz der öffentlichen Gesundheit gehört auch eine gute Trinkwasserqualität in öffentlichen Einrichtungen. Dafür nehmen unabhängige vom Gesundheitsamt beauftragte Labore einmal jährlich Proben vor Ort und kontrollieren sie unter anderem auf Legionellen und Coli-Bakterien. Auffällige Befunde gehen an die städtische Gesundheitsingenieurin, die dann vertiefende Untersuchungen vornimmt.

Ärztin untersucht den Rachen eines Kindes
Die Ärztin Dr. Barbara Schneider untersucht ein Kind bei der diesjährigen Schuleingangsuntersuchung. © Stadt Offenbach/georg-foto.de

Zahngesundheit und Schuleingangsuntersuchung

Von Montag bis Donnerstag sind die beim Gesundheitsamt angestellten Zahnärzte in Schulen und Kitas unterwegs. Sie untersuchen die Zähne der Kinder, um Schäden frühzeitig zu erkennen, und erklären, wie Zähne richtig geputzt werden. „Einige Kitas kommen im Rahmen eines Gesundheitstages auch zu uns“, berichtet Dr. Faust. „Wenn die Kinder einen Zahnarztstuhl ohne Bohren und Schmerzen kennenlernen, dann kommen später Ängste beim Zahnarzt gar nicht erst auf. Zudem begutachten wir Erwachsene, wenn das Sozialamt im Rahmen einer Kostenerstattung bei uns anfragt, ob bestimmte von Zahnärzten vorgeschlagene Leistungen tatsächlich notwendig sind.“

Allein bis zu 20 Kinder am Tag untersuchen Arzthelfer und Ärzte bei der Schuleingangsuntersuchung, die von November bis zu den Sommerferien durchgeführt wird. 45 bis 60 Minuten nehmen sie sich dafür pro Kind Zeit. Anhand verschiedener Übungen wird unter anderem die Feinmotorik, Fingerfertigkeit, Auge-Hand-Koordination und selektive Wahrnehmung untersucht. „Schulreife Kinder sollen in der Lage sein, ohne abzählen die Anzahl von Gegenständen zu erkennen“, erläutert die Arzthelferin Kerstin Horbach eine Aufgabe, die die Kleinen bewältigen müssen.

Erwartet wird von schulreifen Kindern zudem, dass sie grammatikalisch richtig sprechen können. „Die Hör-Wahrnehmung untersuchen wir, indem wir sie Quatschwörter nachsprechen lassen“, berichtet Horbach. Bei der körperlichen Untersuchung geht es neben der Grobmotorik, die anhand von Hüpfaufgaben überprüft wird, auch darum Gehör, Sehkraft, Größe und Gewicht zu untersuchen. Bei auffälligen Befunden werden die Kinder an entsprechende Fachärzte zur weiteren Abklärung geschickt. An die jeweilige Schule geht die Empfehlung, ob das Kind eingeschult werden, zunächst in die Vorklasse oder gar auf eine Schule mit sonderpädagogischem Schwerpunkt gehen soll. 

Hintergrundinformationen zum Tag des Gesundheitsamtes

Rund 400 Gesundheitsämter arbeiten in Deutschland, deren Arbeit nach Ansicht des Robert Koch-Instituts nicht ausreichend gewürdigt wird. Deshalb wurde am 19. März bundesweit der erste „Tag des Gesundheitsamtes“ begangen.

Der 19. März ist der Geburtstag von Johann Peter Frank. Der 1745 in der Pfalz geborene Arzt gilt als Pionier im öffentlichen Gesundheitswesen. Er wollte die Gesundheit der Bevölkerung unter anderem durch eine staatliche Gesundheitsverwaltung und gesundheitsförderliche Lebensbedingungen verbessern. Ganz im Sinne Franks nimmt der öffentliche Gesundheitsdienst eine Vielzahl von Aufgaben wahr, die die Gesundheit der Bevölkerung und Prävention im Blick haben.

21. März 2019

Ärztin untersucht den Rachen eines Kindes Stadt Offenbach/georg-foto.de
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