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Mädchen mit gehörschutz
© WaCH/ photocase.de
Das Stadtgesundheitsamt ist als Teil der Offenbacher Stadtverwaltung zuständig für alle in der Stadt lebende Menschen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten Bürgerinnen und Bürgern aber auch Einrichtungen und Institutionen umfangreiche Leistungen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Gesundheit an. Das Amt berät in Fragen der Gesundheitsförderung, Gesundheitsgefährdung, Prävention und Krankheitsverhütung. Es informiert über Möglichkeiten der Gesundheitsvorsorge und hilft bei körperlichen, seelischen und sozialen Problemen. Eine wichtige Aufgabe ist die Beobachtung, Beschreibung und Bewertung der gesundheitlichen Situation der Bevölkerung.

Wie viele weitere Gesundheitsämter hat jedoch auch das Offenbacher große Probleme Fachpersonal zu bekommen, bedauert Amtsleiter Dr. Bernhard Bornhofen. „Dies liegt ganz klar an den finanziellen Leistungen, zum Beispiel für Ärzte, die sich entscheidend von privaten Praxen und stationären Einrichtungen unterscheiden.“ Zurzeit sind im Stadtgesundheitsamt Offenbach 1,5 Stellen neu zu besetzen. Hierbei handelt es sich um eine Vollzeitstelle für eine Psychiaterin/einen Psychiater und eine halbe Arztstelle für ärztliche Begutachtungen.

„Wir versuchen, durch attraktive Angebote Anreize für eine Beschäftigung im Gesundheitsamt zu schaffen“, betont Bürgermeister und Gesundheitsdezernent Peter Schneider. „So zahlt die Stadt beispielsweise eine Arbeitsmarktzulage, bietet flexible Arbeitszeiten an und berücksichtigt die individuelle Arbeitszeitgestaltung. Besonders interessant ist für die Angestellten das äußerst günstige Job-Ticket, das auch in der Freizeit genutzt werden kann.“

Das Stadtgesundheitsamt übernimmt für Offenbach den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD), der neben der ambulanten und stationären Versorgung die dritte Säule des Gesundheitswesens in Deutschland darstellt. Neben Ärzten gibt es im Stadtgesundheitsamt für die unterschiedlichen Aufgabenstellungen weitere Berufsgruppen wie Sozialpädagogen, Hygienefachkräfte, Medizinische Fachangestellte, Zahnmedizinische Fachangestellte, Gesundheitsingenieure und Verwaltungsfachkräfte, die zur Erledigung der Aufgaben unbedingt erforderlich sind. In den einzelnen Aufgabenbereichen arbeiten insgesamt 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Grundlage aller Tätigkeiten des Gesundheitsamtes bildet das Hessische Gesetz für den öffentlichen Gesundheitsdienst (HGÖGD). Hier sind die zu erledigenden Aufgaben klar definiert. Oberste Prämisse ist die Abwendung von gesundheitlichen Gefahren von der Bevölkerung. Weiterhin sind noch viele Gesetze und Verordnungen bei der täglichen Arbeit zu berücksichtigen.

Überblick der konkreten Aufgaben:

  1. Amtsärztliche Untersuchungen und Begutachtungen im Auftrag von anderen Behörden und Ämtern, z. B. bei Einstellungen, bei Übernahme ins Beamtenverhältnis, Feststellung der Dienstunfähigkeit, bei Dienstunfällen, bei Kuren, für Gerichte und Staatsanwaltschaften, die Feststellung der Verhandlungs- und Haftfähigkeit . Insgesamt waren das im Jahr 2017 rund 1100 Vorgänge. Hier werden auch die Erstbelehrungen nach dem Infektionsschutzgesetz für Tätigkeiten im Umgang mit Lebensmitteln durchgeführt. Im Jahr 2017 waren dies rund 2500 Vorgänge. Ebenso gehört es zur Aufgabe des Amtsarztes/der Amtsärztin die schriftliche und mündliche Prüfung für Heilpraktiker abzunehmen. 
  1. Kinder- und Jugendmedizin: Hier sind insbesondere die Schuleingangsuntersuchungen mit jährlich rund 1400 Kindern sowie der Seiteneinsteiger und der UMAS (2017 rund 270 Kinder und Jugendliche) zu nennen. Darüber hinaus die jährlich steigende Zahl der Begutachtungen im Rahmen der Eingliederungshilfe nach dem Sozialgesetzbuch. In 2017 waren dies rund 400 Fälle. Ebenso erfolgt hier die Sprachberatung von Kindern durch einen Sprachheilbeauftragten.
  2. Zahnmedizin: Die Hauptaufgaben des zahnärztlichen Dienstes sind die zahnärztliche Gruppenprophylaxe in den Schulen und die Früherkennungsuntersuchungen in Schulen und Kindergärten. Ziel ist die Zahngesundheit zu erhalten beziehungsweise auf entsprechende Gefahren hinzuweisen. So wurden im Schuljahr 2017/18 rund 6.000 Kinder und Jugendliche Ernährungsberatung und Aufklärung über entsprechendes Zähneputzen gehören ebenfalls zu den Aufgaben. Weiterhin werden Projekte wie „gesunde Ernährung“ und Tag der Zahngesundheit in den Schulen angeboten. Außerdem werden die zahnärztliche Begutachtung im Auftrag von Behörden als auch Schulungen für Altenpflegepersonal durchgeführt, um dieses entsprechend auf die anspruchsvoller werdenden Anforderungen der Mundhygiene bei Senioren einzustellen. 
  1. Fachberatung Psychosoziale Gesundheit (Sozialpsychiatrie): In diesem Bereich werden psychisch behinderte oder suchtkranke Menschen sowie deren Angehörigen im Rahmen der offenen Sprechstunden beraten und unterstützt, um den Betroffenen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. In Krisensituationen erfolgt dies auch durch aufsuchende und zeitnahe Hilfe. Ebenso erfolgt eine umfassende Beratung über Krankheitsverlauf, Behandlungsmöglichkeiten und komplementäre Angebote. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten weiterhin Hilfe bei der Auswahl einer geeigneten Einrichtung an. Außerdem wurde/wird eine unabhängige Beschwerdestelle nach dem PsychKHG, mit drei ehrenamtlich tätigen Fachleuten eingerichtet, die von den Betroffenen in Problemlagen angesprochen werden können. Weiterhin erfolgt eine gesundheitliche Beratung für Prostituierte im Rahmen des ProstSchG.

Die Psychiatriekoordination ist eine regionale Steuerungsstelle des Gesundheitsamtes. Hier wird sich an personenbezogener und zielorientierter Hilfeerbringung orientiert. Der Gemeindepsychiatrische Verbund bietet ein differenziertes und aufeinander abgestimmtes Hilfeinstrumentarium, das von Wohnheimangeboten, Betreutem Wohnen, tagesstrukturierenden Maßnahmen  bis hin zu anderen Angeboten reicht. 

  1. Hygiene, Infektionsschutz und Umwelt: Weiterhin hat das Stadtgesundheitsamt den gesetzlichen Auftrag, übertragbare Krankheiten beim Menschen zu verhüten. Es  überwacht die Einhaltung der Anforderungen der Hygiene in vielen Bereichen:
    1. Medizinische Einrichtungen wie Krankenhäuser, Arzt-, Zahnarzt- und Heilpraktiker-Praxen, Einrichtungen für ambulantes Operieren, Dialyseeinrichtungen, Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen
    2. Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Kitas, Altenpflegeheime und sonstige Heime und Betreuungseinrichtungen
    3. Tattoo- und Piercingstudios, Hygiene bei Fußpflegern sowie in Kosmetik- und Friseurbetrieben

Die Tätigkeit des Gesundheitsamtes beinhaltet unter anderem regelmäßige Routineüberwachung, Begehungen aufgrund von Beschwerden oder besonderen Fragestellungen, Begutachtung von Bauplänen, Beratung der Einrichtungen. Die Medizinalaufsicht ist eine weitere Aufgabe dieser Fachabteilung. Hier sind dem Gesundheitsamt  alle Niederlassungen beziehungsweise Abmeldungen eines Berufes oder Fachberufes mit staatlicher Anerkennung des Gesundheitswesens zu melden, z. B. Ärzte, Heilpraktiker, Hebammen, Krankenschwestern/-pfleger etc.

Während der jeweils festgelegten Badesaison kontrollieren Experten des Gesundheitsamtes mindestens einmal im Monat ausgewiesene Badegewässer, in Offenbach ist dies der Schultheisweiher. Sie beurteilen die allgemeine hygienische Situation und entnehmen Wasserproben. Zudem stellen regelmäßige Trinkwasseruntersuchungen sicher, dass die gesetzlichen Vorgaben und Grenzwerte eingehalten werden. Auch Trinkwasserinstallationssysteme (also die Gesamtheit der Trinkwasserrohre und Armaturen) in öffentlich genutzten Gebäuden (z. B. Krankenhäuser, Kindergärten, etc.) werden nach besonderen Vorgaben des Gesundheitsamtes überwacht. Außerdem müssen die Hausinstallationen in größeren Mietshäusern in regelmäßigen Abständen auf Legionellen kontrolliert werden.

 

 

 

Offenbach am Main, 7. September 2018