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Mann schreibt einen Zettel
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Knapp zwei Jahre nach Abschluss des überregional gelobten Masterplanprozesses in Offenbach haben Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit der Stadt und dem Verein Offenbach offensiv eine Zwischenbilanz gezogen: Beim Bürgerdialog in der Hafenschule wurde über die Umsetzung der von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Schlüsselprojekte informiert. Rund 130 Interessierte nahmen außerdem das Angebot wahr, sich in Diskussionsforen mit wichtigen Anregungen einzubringen. Begleitet wurde die Veranstaltung durch eine Ausstellung zu den Schlüsselprojekten des Masterplans.

Oberbürgermeister Horst Schneider begrüßte die Anwesenden und brachte in Erinnerung, dass Offenbach eine erfreuliche dynamische Entwicklung erfährt, die große Chancen biete, die Stadt strukturell voranzubringen. Frank Achenbach, Geschäftsführer des Vereins Offenbach Offensiv, hob die positiven Effekte des Masterplans hervor: „Die Botschaft, dass der Masterplan der strategische Rahmen zur Entwicklung von Offenbach ist, ist angekommen.“ Sechs Referenteninnen und Referenten gaben zu Beginn des Abends Impulse zu den aktuellen Schwerpunktthemen der Stadtentwicklung.

Prof. Elmar Schütz (Aurelis Real Estate Service GmbH) stellte den Projektfortschritt für das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs vor. Das sogenannte Quartier 4.0 ist ein Areal im Offenbacher Osten, in dem Wohnen und Arbeiten kombiniert werden sollen. „Der Name leitet sich von der Industrie 4.0 ab und verweist auf die Möglichkeit, dass digitalisierte, kleinteilige und emissionsarme Betriebe ihren Weg zurück in die Stadt finden“, so Schütz. Aktuell werde Baurecht für die Entwicklung geschaffen. Mit dem Beginn der Entwicklung könne ab 2019 gerechnet werden.

Frank Achenbach sensibilisierte in seinem Vortrag für die Notwendigkeit, sich nun auch verstärkt für die Offenbacher Innenstadt zu engagieren: „Die Innenstadt braucht unsere volle Kraft. Sie soll die lebendige Mitte in Offenbach bleiben und zum Bummeln, Einkaufen und Zeitverbringen einladen.“ Die Vereinsmitglieder hätten Anfang des Jahres Schwerpunkte der zukünftigen Vereinsarbeit festgelegt, die Entwicklung der City sei besonders bedeutsam gewesen. Ziel des Vereins Offenbach offensiv sei es nun, ein Zukunftskonzept mit konkreten Maßnahmen in Zusammenarbeit mit der Stadt zu erarbeiten.

Ingo Kupfer, Referatskoordinator der Verkehrsplanung im Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement, informierte über Mobilitätsanforderungen in der wachsenden Stadt. „Insgesamt wählen über 52 Prozent der Offenbacher das Auto für ihre Wege. Bus und Bahn nutzen nur 12,3 Prozent und mit dem Fahrrad sind 9,2 Prozent unterwegs. Der Fokus liegt momentan stark auf dem Individualverkehr“, fasste Kupfer zusammen. Er verweist darauf, dass über 50 Prozent der mit dem Auto zurückgelegten Wege kürzer als fünf Kilometer seien und mehr als 20 Prozent der Autofahrten weniger als einen Kilometer zurücklegten. Der Verkehrsplaner bekräftigte: „Hier sehen wir noch Luft nach oben für anderen Verkehrsträger. Gerade kurze Distanzen können auch mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit Bus und Bahn zurückgelegt werden. In diesem Sinne wurden viele Projekte angestoßen.“ So sehen beispielsweise die aktuellen Planungen sechs Radverkehrsachsen vor, die in den kommenden Jahren zu Fahrradstraßen umgestaltet werden sollen. Hierfür habe die Stadt die Zusage für 5 Millionen Euro Fördermittel erhalten.

Auf die Bedeutung von Quartieren und Stadtteilen für das Zusammenleben in Offenbach wies Anna Biegler, Fachreferentin für Stadtentwicklung, hin. „Die Bewohnerinnen und Bewohner identifizieren sich über ihre direkte Nachbarschaft mit ihrem Wohnort. Deswegen ist es ein Schwerpunkt des Masterplans, Quartiere und Stadtteile durch Entwicklungskonzepte zu stärken“, so Biegler. In Bürgel sei zwischen Mai und Oktober ein solcher „Masterplan auf Quartiers- und Stadtteilebene“ in Zusammenarbeit mit den Anwohnern erarbeitet worden. Er benennt Projekte, die ab dem kommenden Jahr angestoßen werden sollen. Über die Umsetzung entscheide die Stadtverordnetenversammlung, so Biegler. Als nächstes werde das Nordend, welches in das Förderprogramm Soziale Stadt aufgenommen wurde, einer genaueren Betrachtung unterzogen. Dafür erhalte die Stadt in den kommenden zehn Jahren Fördermittel zur Gestaltung des Stadtteils.

Über die aktuelle Entwicklung in einem der zentralen Offenbacher Gewerbegebiete informierte Jürgen Amberger, Leiter der Wirtschaftsförderung: „Der Masterplan hat für das Kaiserlei eine Perspektive aufgezeigt, die bei Projektentwicklern und Investoren auf großes Interesse stößt.“ In vielen Gesprächen, beispielsweise auch auf der Immobilienmesse Expo Real, stellt er fest, dass das Interesse am Standort gestiegen ist. Der am 21. November vorgestellte Flächenreport der Stadt Offenbach untermauert das steigende Interesse mit sinkendem Leerstand an Gewerbeflächen und zahlreichen Vorhaben von Investoren, die dank der neuen Sichtbarkeit Offenbachs als attraktiver Standort in die Umsetzung gebracht werden sollen. Wenn auch die mögliche Schließung des Siemens-Standorts aus betrieblichen Gründen ein Rückschlag darstelle, ist die Gefahr von Leerstand am Kaiserlei gering: Jüngst erst hat die Hessische Landesbank beschlossen, am Kaiserlei neue Arbeitsplätze zu schaffen und ihren Standort zum größten in Hessen auszubauen. Als Neuansiedlung am Kaiserlei sind die Unternehmen Evonik und der Versicherer Axa zu nennen.

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Das für die Bürgerinnen und Bürger wichtige Thema von Frei- und Grünflächen thematisierte Annette Glowania, Referatskoordinatorin der Stadtgestaltung und Stadtgrün im Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement. Sie wies auf die schon vorhandenen unterschiedlichen Freiraumtypen wie das Mainufer oder den Stadtwald hin, die eine wichtige Ausgleichsfunktion für die Bevölkerung haben. „Eine wachsende Stadt lebt von ihren Grünflächen“, so Glowania. Aktuell bereitet ihr Team den Umbau des Adolf-Kolping-Platzes in Bürgel und die Gestaltung des Quartiersparks im Mathildenviertel vor. Beide Bauvorhaben könnten voraussichtlich im Frühjahr 2018 fertig gestellt werden. Weiterer Schwerpunkt sei der Marktplatzumbau, der 2018 beginnen soll.

Offenbachs künftiger Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke bekräftigte in seinem Beitrag, dass Offenbach „der Durchbruch auf dem Wohnungsmarkt“ gelungen ist. „Erste messbare Ergebnisse bestätigen, dass die mit dem Masterplan angestrebten Entwicklungen eintreten.“ Er werde sich dafür einsetzen, dass die Stadt weiterhin die bestmöglichen Rahmenbedingungen schafft, um diesen Trend zu halten und im Standortwettbewerb mit anderen Kommunen aufzuholen. Nachholbedarf sieht er nun vor allem für die wirtschaftliche Entwicklung. „Offenbach macht erste Schritte bei der wirtschaftlichen Entwicklung, aber hier haben wir noch viel zu tun.“ Ob Kaiserlei, das ehemalige Allessa/Clariant-Areal, die geplante Verbindungsstraße, das Güterbahnhof-Gelände, der Gewerbebereich im Hafen, die Qualität der Innenstadt: „Das alles sind die notwendigen nächsten Schwerpunkte, die darüber entscheiden, in welcher Qualität man in Offenbach wird leben und arbeiten können“, so Schwenke.

Fotos: www.stefaniekoesling.de, Abdruck honorarfrei

Offenbach am Main, 22. November 2017