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Die Stadtverordnetenversammlung hat im Juni beschlossenen, die östliche und westliche Seitenstraße des Wilhelmsplatzes für drei Monate testweise zu sperren. Während die von Verkehrsdezernent Paul-Gerhard Weiß verantwortete Straßenverkehrsbehörde die Sperrung vorbereitet, hat die Offenbacher Stadtinformationsgesellschaft (OSG) in Abstimmung mit Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke die ebenfalls beschlossene Umfrage in Auftrag gegeben. Ein unabhängiges Umfrageinstitut soll ermitteln, wie die Gewerbetreibenden, Kunden, Gäste und Anwohner zu der geplanten Verkehrsberuhigung stehen, ob sie für eine teilweise oder vollständige Sperrung sind und welche Auswirkungen aus ihrer Sicht ein autofreier Wilhelmsplatz hätte.

Wie Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke heute mitteilte, startet die Umfrage spätestens am Dienstag, 4. August. Mit LQM Marktforschung konnte ein im kommunalen Umfeld erfahrenes Unternehmen aus Mainz gewonnen werden, das in der Lage ist, die Befragung in vergleichsweise kurzer Zeit vorzubereiten. „Es ist uns gelungen, innerhalb von nur sechs Wochen eine repräsentative Umfrage unter Einbeziehung der Betroffenen auf die Beine zu stellen“, berichtete Schwenke, dem es wichtig war, dass die Umfrage wie von den Stadtverordneten gewünscht noch im Sommer starten kann.

Weniger Verkehr als Chance für den Wochenmarkt

In der politischen Debatte um den Beschluss der Stadtverordneten hat Oberbürgermeister Schwenke aufgrund der überregionalen Imagewirkung des Wochenmarktes und des Wilhelmsplatzes klar Stellung bezogen: „Erstens: Weniger Autos sind gut und richtig für den Wilhelmsplatz. Zweitens: Das Wann und Wie einer Verkehrsberuhigung muss mit den Betroffenen gemeinsam im Rahmen eines Konzeptes erarbeitet werden. Drittens: Der Wochenmarkt muss seinen Charakter als Erzeugermarkt behalten.“

Diese Position vertritt Schwenke seit Beginn der Debatte und betont: „Ich sehe grundsätzlich die Notwendigkeit, alle Bedarfe des Wilhelmsplatzes zu berücksichtigen. Sowohl die der Gewerbetreibenden als auch die der Kunden und Gäste. Meine Position lässt großen Spielraum für einen inhaltlich guten Kompromiss im Hinblick auf die konkrete Realisierung, an welchen Tagen, zu welchen Uhrzeiten und unter welchen Rahmenbedingungen letztlich dauerhaft gesperrt werden könnte. Meine Erwartung ist darüber hinaus, dass die Testphase jetzt so durchgeführt wird, dass sie gut funktioniert.“

Auch für die Erstellung der Umfrage legt Schwenke Wert auf die Einbindung aller Betroffenen, so auch der Gewerbetreibenden. Anfang der Woche lud er gemeinsam mit dem Umfrageinstitut LQM die Marktbeschicker, die Gastronomen, die Einzelhändler und die IHK Offenbach ein, um sie über die bevorstehende Umfrage zu informieren. Dabei bekamen die Gewerbetreibenden die Möglichkeit, aus ihrer Sicht wichtige Punkte für die Ausarbeitung des Fragebogens einzubringen. Es ging aber auch um statistisch relevante Kriterien, etwa darum, wie viele Menschen zu welchen Uhrzeiten befragt werden müssen, damit die Ergebnisse am Ende die unterschiedliche Kundenstruktur des Wochenmarktes und der Gastronomie berücksichtigen. „Das Umfrageinstitut hat auf diese Weise wichtige Hinweise erhalten“, so Schwenke.

Ein Ergebnis der Veranstaltung war der Hinweis der Marktbeschicker, dass sich die Kundenstruktur im Laufe des Tages erheblich ändert. Morgens und am Vormittag kämen eher Großeinkäufer mit dem Auto, ab mittags eher Kleineinkäufer und diejenigen, die sich anschließend in die Restaurants begeben. Schwenke dazu: „Dieser Aspekt ist in der bisherigen Debatte noch nicht ausreichend berücksichtigt worden und das ist ein gutes Beispiel dafür, warum es richtig ist, wenn man miteinander redet: Die Frage, wann Autos an den Wilhelmsplatz sollen und wann nicht, muss nicht pauschal beantwortet werden, sondern sollte an den Bedarfen orientiert entschieden werden.“

Zukunft des Wochenmarktes

Mit Blick auf die künftige Entwicklung des Wochenmarktes sagte Schwenke: „Die Stadt hat den Markt über die Auswahl der Beschicker seit Jahren mit Absicht als überwiegenden Erzeugermarkt gestaltet. Dieser Charakter des Marktes ist ein wichtiger Baustein am Wilhelmsplatz. Würde der Markt überwiegend zu einem Trink- und Essensmarkt, wäre er keine Ergänzung mehr zur Gastronomie, sondern plötzlich Konkurrenz zur Gastronomie. Dieses sich ergänzende Angebot, das unseren Platz so stark macht, sollten wir in jedem Fall bewahren. Das ist der Grund, weshalb es mir so wichtig ist, dass man überlegt, wie man mögliche negative Auswirkungen verhindern kann.“

Gleichzeitig ist es Schwenke wichtig, dass auch diejenigen zu Wort kommen, die das Angebot des Wilhelmsplatzes möglicherweise nach der Sperrung nicht mehr genutzt haben oder aber, und dies ist aus seiner Sicht ein völlig neuer Aspekt, die es bisher noch nicht nutzten und es zukünftig erstmals nutzen sollen. „Dazu hat das Umfrageinstitut den sehr guten Vorschlag gemacht, dass wir am Ende eine Befragungswelle durchführen, die über Telefonbefragung abläuft und nicht direkt am Platz stattfindet. Schon dieser Vorschlag zeigt wie sinnvoll es ist, die Befragung von einem professionellen Institut durchführen zu lassen“ so Schwenke.

Ablauf der Umfrage

Geplant ist jetzt eine Umfrage in drei Wellen vor Beginn der Testsperrung, währenddessen und danach: Zunächst werden zwei Wochen lang an Markttagen die Kunden von Wochenmarkt und Einzelhandel sowie die Gäste der umliegenden Gastronomie zu ihrer Meinung befragt. Das von der Offenbacher Stadtinformationsgesellschaft (OSG) beauftragte Unternehmen LQM Marktforschung wird in dieser Zeit mit insgesamt 400 Menschen vor Ort persönliche Interviews führen. Die Befragung dauert nur wenige Minuten. Die Beschicker des Wochenmarktes, die Einzelhändler und Gastronomen sowie die unmittelbaren Anwohner des Wilhelmsplatzes werden im September und Oktober schriftlich um ihre Einschätzungen gebeten. Abschließend erfolgen ab Ende November telefonische Befragungen der Offenbacher Bevölkerung, um das Meinungsbild zu vervollständigen.

Oberbürgermeister Schwenke hofft auf eine rege Teilnahme an der Befragung: „Alle, die in den nächsten Wochen persönlich, telefonisch oder schriftlich von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts LQM angesprochen werden, bitte ich darum, mitzumachen. Jede Meinung ist wichtig!“ Die Umfrage verspreche erstmals seit Jahren ein repräsentatives Meinungsbild zur Frage einer Verkehrsberuhigung am Wilhelmsplatz. „Die Ergebnisse sollten von allen ernst genommen werden und als ein wichtiger Baustein für die Frage genutzt werden, wie es nach dem Test weitergehen soll. Deshalb war es mir für die Akzeptanz der Ergebnisse wichtig, dass die Umfrage nicht durch die Stadtverwaltung vorgenommen wird, sondern durch ein unabhängiges und erfahrenes Institut. Meine Anforderung an die endgültige Entscheidung nach der Testphase ist, dass der Wilhelmsplatz weiterhin so gut oder sogar besser funktioniert. Dann ist es ein Gewinn für Offenbach.“

24. Juli 2020