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Frauen mit Einkaufstüten
© rawpixel/pixabay.com
Gemeinsam mit Hauseigentümern, privaten Akteuren, Investoren, Gewerbetreibenden und dem Verein „Offenbach offensiv“ will die Stadt Offenbach neue Ideen zur langfristigen Stärkung und Belebung der Offenbacher Innenstadt auf den Weg bringen. Unterschiedliche Schlüssel- und Impulsprojekte hat das Zukunftskonzept Innenstadt skizziert – dem Konzept aus der Feder des Hamburger Planungsbüros „urbanista“ stimmte der Magistrat in seiner Sitzung am 3. Juni zu. Wie Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke mitteilt, hat der Magistrat zugleich beschlossen, sofort erste Projekte aufzugreifen und ihre Umsetzung auf den Weg zu bringen.

OB Schwenke erläutert, was die Motivation für die Erstellung des Konzeptes war: „Die Offenbacher Innenstadt ist besser als ihr Ruf – aber auch deutlich entfernt von dem, was wünschenswert wäre. Deshalb müssen wir anpacken. Gleichzeitig muss jedem klar sein: Die ,guten alten Zeiten‘ kommen nicht wieder. Die Stadt ist weder Hausbesitzer, noch kann sie Online-Handel verbieten. Wir packen an, um ein Abrutschen zu verhindern und einen ordentlichen Zustand zu sichern. Mehr kann keiner versprechen – aber zumindest das zu erreichen ist unser festes Ziel!“ Schwenke konkretisiert weiter: „Der Einzelhandel leidet unter dem wachsenden Online-Handel und hohen Renditeerwartungen der Hauseigentümer. Der Einzelhandel ist deshalb seit Jahren auf dem Rückzug. Ladengeschäfte mit gutem Service haben wir zum Glück immer noch. Insgesamt aber wird der stationäre Einzelhandel keine so große Rolle mehr spielen wie früher. Deshalb müssen wir neue Angebote schaffen, neue Gründe, um in die Innenstadt zu kommen und Erlebnisse bieten, um unsere Stadtmitte lebendig und attraktiv zu halten.“

Durch die Corona-Pandemie sind die Herausforderungen für den Einzelhandel nochmal deutlich gewachsen, darin sind sich OB Schwenke, Baudezernent Paul-Gerhard Weiß und Frank Achenbach vom Verein „Offenbach offensiv“ einig. „Nicht erst seit Corona stehen unsere Innenstädte vor einem großen Strukturwandel“, so Achenbach. „Mit dem Zukunftskonzept für die Offenbacher Innenstadt haben wir Antworten auf viele Fragen, die sich stellen. Wir haben Ideen, was die Innenstadt in Zukunft für möglichst vielen Menschen aus Offenbach und Umgebung attraktiv machen kann. Viele Händler und Gastronomen auch in Offenbach stecken aktuell in einer tiefen Krise. Das Zukunftskonzept macht Mut und gibt Zuversicht und Orientierung.“ Als Partner der Stadt bei der Erarbeitung des Konzepts begrüßt der Verein Offenbach offensiv die gute und enge Zusammenarbeit: „Es freut mich, dass der Magistrat in dieser schwierigen Zeit ein klares Zeichen setzt und das Konzept und erste Maßnahmen zur Umsetzung beschlossen hat“, so Achenbach weiter.

Mit dem Zukunftskonzept Innenstadt, das unter breiter öffentlicher Beteiligung und Federführung des Amtes für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften seit Mai 2018 ausgearbeitet wurde, erhofft sich die Stadt wichtige Impulse, die auch private Akteure zum Umdenken und Mitmachen bewegen.

Auch Baudezernent Weiß betont: „Die Stadt kann selbst nur in begrenztem Maße auf die Innenstadt einwirken. Wenn wir Gewerbetreibende und gute Angebote unterstützen wollen, sind wir auf diejenigen angewiesen, die solche Angebote machen können sowie auf verantwortungsvolle und engagierte Hauseigentümer, die bereit sind, den dafür notwendigen Raum zu fairen Preisen bereitstellen“, so Weiß.

Dort, wo die Stadt selbst – etwa im öffentlichen Raum – das Erlebnis Innenstadt verbessern kann, wird aber auch sie tätig. Weiß weiter: „Schon in den vergangenen Jahren haben wir mit großen Investitionen schrittweise den Aliceplatz, den Stadthof, die Frankfurter Straße, die Kaiserstraße und den Wilhelmsplatz aufgewertet. Mit dem geplanten Umbau des Marktplatzes werden wir ab Ende dieses Jahres auch die zentrale Mitte unserer Innenstadt neugestalten. Damit verbessern wir die Aufenthaltsqualität und das Ambiente der Innenstadt und schaffen einen Anreiz für private Eigentümer, ihre Immobilien im Umfeld ebenfalls aufzuwerten – so wie es jetzt schon beispielsweise mit dem Rathaus Plaza, dem ehemaligen Toys’R’Us und dem City-Center geschieht.“

Zu den Projekten, die die Stadt im Zuge des Zukunftskonzepts Innenstadt selbst anstoßen möchte, gehören die „Station Mitte“, die eine Neuausrichtung der Stadtbibliothek mit Wissenshaus, öffentlichem Wohnzimmer und Kulturzentrum vorsieht. Auch die Umnutzung und Umgestaltung des „Polizeipavillons“ auf dem Stadthof sowie ein neues Feste-Programm stehen im Fokus. Als weiteres Schlüsselprojekt ist das „Kaufhaus Kosmopolis“ genannt, das als öffentlich-privates Partnerschaftsmodell belebende Wirkung entfalten soll.

Drei Pilotprojekte für schnelle Erfolge

Um schnelle Erfolge zu erzielen, will die Stadt erste Pilotprojekte sofort auf den Weg bringen: Mit dem Pilotprojekt 1 soll der Polizeipavillon nach dem Umzug des Polizeiladens ins Stadthaus gastronomisch genutzt werden. Mit dem Projekt könnten der „Dachsteiger“ oder das „Grüne Band“ – beides Maßnahmen des Zukunftskonzepts Innenstadt – verknüpft werden. Das „Dachsteiger“-Projekt greift andernorts etablierte Rooftop-Angebote mit Gastronomie und Kultur auf. Das „Grüne Band“ sieht vor allem mehr Pflanzflächen in der Innenstadt vor. Sie können dem Verweilen, Spielen oder Gärtnern dienen und sollen als zusammenhängendes Band erlebbar sein – als Folge aus begrünten Plätzen, berankten Fassaden und bepflanzten Dächern oder farbenfroh gestalteten Aufenthaltsbereichen entlang der Achse vom Platz der Deutschen Einheit über den Hugenottenplatz bis zum Marktplatz.

Pilotprojekt 2 sieht ein neues Feste-Programm für den Bereich vom Aliceplatz bis zum Stadthof vor: „Auch hierfür haben wir bereits mit den Planungen begonnen“, berichtet Oberbürgermeister Schwenke: „Eigentlich wollten wir erste neue Formate schon in diesem Jahr starten, die Corona-Krise hat uns hier leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Deshalb werden wir voraussichtlich erst im kommenden Jahr neue Veranstaltungen in der Innenstadt sehen.“ Das Feste-Programm wird im Auftrag von Oberbürgermeister Schwenke im Zuge des Stadtmarketings von der Offenbacher Stadtinformationsgesellschaft (OSG) in Zusammenarbeit mit dem Geschäftsfeld Veranstaltungen der Stadtwerke Unternehmensgruppe verwirklicht. „Mit dem Feste-Programm wollen wir eigene Veranstaltungen der Stadt etablieren, aber auch gezielt hochwertige Veranstaltungsformate privater und kommerzieller Akteure akquirieren“, so Schwenke weiter.

Das Pilotprojekt 3 „Temporäre Interventionen und Grünes Band“ lässt neben zusätzlichen Pflanzungsmaßnahmen eine Aufwertung der Innenstadt durch experimentelle, relativ einfache Mittel zu – zum Beispiel durch besonderes Stadtraum-Mobiliar oder temporäres Grün. Ein Modellprojekt könnte zum Beispiel die Dachbegrünung des Neubaus der Bushaltestelle Marktplatz sein. Umfassendere Aufwertungen des Stadtgrüns werden zudem für den Platz der Deutschen Einheit ganz im Westen des „grünen Bands“ geplant.

„Station Mitte“ als zentraler Treffpunkt der Stadtgesellschaft

Als zwei eher langfristige, weil mit erheblichen Kosten verbundene Schlüsselprojekte möchte die Stadt die Umsetzung der „Station Mitte“ und des „Kaufhauses Kosmopolis“ prüfen. Die „Station Mitte“ beschreibt „urbanista“ als neuen zentralen Treffpunkt für die Stadtgesellschaft. Sie ist als öffentlicher Raum für Bildung und soziales Miteinander rund um Bücher, digitale Medien und Kultur vorgesehen. Dort soll man aber auch gemeinsam Essen gehen, den Tag verbringen, spielen oder Vorträgen und Konzerten lauschen. Weiterhin könnten Vereine oder Bildungsträger und Initiativen den Raum für unterschiedliche Aktivitäten und Angebote nutzen. „Da die Stadtbibliothek dringenden Bedarf für eine digitale Modernisierung und Erweiterung hat, wollen wir prüfen, ob eine Verlagerung in die Station Mitte in der Innenstadt finanziell möglich ist“, so Bau- und Bildungsdezernent Weiß. Die „Station Mitte“ könnte dann in weiten Teilen in kommunaler Trägerschaft umgesetzt werden. Die zu erarbeitende Machbarkeitsstudie soll aber auch den Vergleich dieser Idee mit einer zukunftsweisenden Sanierung und Erweiterung der Stadtbibliothek am heutigen Standort im Kultur-Karree und mögliche Nachnutzungen der Bibliothek prüfen, die eine öffentliche Zugänglichkeit des Bücherturms sichern.

„Kaufhaus Kosmopolis“ als Schaufenster, Laden, Bühne und kulinarische Oase

Geprüft werden soll auch das Projekt „Kaufhaus Kosmopolis“ als ebenfalls sozialer und kultureller Treffpunkt, der die regionalen und internationalen Einflüsse Offenbachs in bislang ungekannter Art und Weise verbinden soll. Die Agentur „urbanista“ beschreibt diesen Ort als Schaufenster, Laden, Bühne und kulinarische Oase mit Produkten aus Offenbach und der Region wie besondere Lebensmittel, Handwerk oder Selbstgemachtes aller Art. Nach dem Vorbild von Streetfood-Märkten anderer Großstädte gibt es hier Garküchen und Straßenrestaurants, die frisch zubereitete Speisen aus der ganzen Welt servieren. Abgerundet wird das Konzept mit einem begleitenden Kulturprogramm, Kochkursen und Vorträgen. Eine Machbarkeitsstudie soll unter anderem klären, ob dieses Projekt in öffentlich-privater Partnerschaft möglich ist und welche Flächen und Nutzungen denkbar sind ohne eine Konkurrenz zum bestehenden Einzelhandel und zum Wochenmarkt zu schaffen.

Die zielgerichtete Umsetzung der Projekte aus dem Zukunftskonzept soll eine „Agentur Mitte“ steuern, die gegebenenfalls bei der Wirtschaftsförderung angesiedelt ist und in die Gremienstrukturen im Kontext des Masterplans Offenbach eingebunden wird. Notwendig sind voraussichtlich mindestens drei Vollzeitstellen mit Qualifikation im Bereich Marketing, Projektentwicklung und Planung. Aufgabe der Agentur ist es auch, private Akteure für viele weitere Basisprojekte des Konzeptes zu gewinnen und einzubinden. Als Umsetzungszeitraum sind zunächst zehn Jahre veranschlagt. Für alle Projekte wird es eigene Projektbeschlüsse durch Magistrat und Stadtverordnetenversammlung mit jeweiliger Kostenfinanzierung geben.

OB Schwenke: „Mit dem Zukunftskonzept Innenstadt starten wir jetzt den Kampf um den Zustand unserer Innenstadt. Wir werden für jedes Projekt separat Kosten und Nutzen abwägen müssen. Das Ziel steht aber fest: Wir wollen die Innenstadt mit spannenden neuen Projekten wiederbeleben. Es gibt sehr viele konkrete Vorschläge, die Gründe sind, in die Innenstadt zu kommen. Wir werden darüber hinaus Entwicklungsprozesse anstoßen und Impulse setzen, die es ermöglichen, sich im positiven Sinne mit unserer Stadtmitte zu identifizieren.“

5. Juni 2020