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Durch die steigende Einwohnerzahl in Offenbach wird auch der Verkehr dichter und die Suche nach einem Parkplatz nervenzehrender. Daher werden nun die Bewohnerparkbezirke in mehreren Stadtteilen erweitert.

Im Verkehrsentwicklungsplan 2035 wird zudem die integrierte Entwicklung aller Verkehrsarten im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit angestrebt. Dabei werden auch alternative Mobilitätsformen wie Car-Sharing und E-Mobilität aufgegriffen.

„Wir leben im Zeitalter der Urbanisierung. Das heißt, dass die Leute in rasantem Tempo aus dem ländlichen Raum in die Städte ziehen. Der Zuzug tut unserer Stadt gut, muss aber organisiert werden, auch was den Verkehr angeht“, erklärt Paul-Gerhard Weiß, Dezernent für Umwelt, Planen, Bauen und Verkehr. Besonders das Thema Parkraummanagement ist den Bürgerinnen und Bürgern wichtig. Da Parkraum knapp ist, werden einige Bewohnerparkbezirke nun erweitert oder neu ausgewiesen. Anwohnerinnen und Anwohner in Bezirken mit besonders großem Parkdruck sollen mit Sonderparkberechtigungen einfacher und entspannter einen Parkplatz finden.

Bedarfe in mehreren Stadtbezirken

Die ersten Bewohnerparkbezirke entstanden 1991, zuletzt erfolgte 2007 eine Erweiterung rund um das Sana-Klinikum. Mit einer umfassenden Bedarfsuntersuchung und –analyse wurde bestätigt, dass in den Stadtteilen Westend, Senefelderquartier, Mathildenviertel, Musikerviertel, Buchrain, Lindenfeld und Buchhügel Parkraumdefizite bestehen. Das gesamte Westend wird deshalb als völlig neuer Bewohnerparkbezirk ausgewiesen, neu hinzu kommt auch das Gebiet um das Ketteler-Krankenhaus im Stadtteil Buchhügel. Aber auch bestehende Bezirke im Stadtgebiet werden teilweise vergrößert, so etwa im Mathildenviertel, im Musikerviertel, in den Stadtteilen Buchrain, Senefelderquartier und Lindenfeld.

Als Ergebnis sollen 70 Prozent der Parkplätze eines Parkbezirks von Montag bis Samstag zwischen sieben und 22 Uhr vorrangig für Bewohnerinnen und Bewohner vorgehalten werden. Auf diesen Flächen können Besucherinnen und Besucher mit Parkscheibe bis zu zwei Stunden kostenlos parken. Der Rest der Parkplätze steht weiterhin allen Verkehrsteilnehmenden zur Verfügung. „Konkret werden durch die Erweiterung rund 2.500 weitere Parkplätze innerhalb von Bewohnerparkbezirken liegen, davon sollen rund 1.800 als Bewohnerparkplätze ausgewiesen werden“, ergänzt Andreas Rosin vom Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement. Der Fokus liegt klar bei den Anwohnerinnen und Anwohnern: „Wir können Pendlern nicht versprechen, einen Parkplatz direkt vor der Tür zu finden. Die Stadt und ihre Bewohner leiden unter dem starken Verkehr, daher sollten Pendler nach Möglichkeit auf den ÖPNV umsteigen. Die Bewohnerparkbezirke zahlen sich aber nicht nur für die direkt betroffenen Anwohner aus, sondern verringern den Parksuchverkehr und damit Emissionen und Staus“, sagt Stadtrat Paul Gerhard-Weiß.

Ganzheitliche Mobilität mit dem Verkehrsentwicklungsplan

Themen wie Klimaschutz, Verringerung von Emissionen und eine integrierte Mobilität sind zudem Teil des neuen Verkehrsentwicklungsplans 2035. Dieser wird die Fortschreibung des Verkehrsmanagementplans (VMP) aus dem Jahr 2015 und ein wichtiger Orientierungspunkt für die Mobilitäts- und Verkehrsentwicklung in Offenbach. Die in den 60er und 70er Jahren eher verbreitete autofokussierte Verkehrsplanung entwickelte sich mit den Jahren hin zu einer ganzheitlichen Mobilität, die den Auto- und Radverkehr, den öffentlichen Nahverkehr sowie die Interessen von Fußgängern in Einklang bringt. So entstanden in den letzten Jahren beispielsweise barrierefreie Haltestellen und Fahrradstraßen. Insbesondere die Radverkehrsförderung stand zuletzt im Mittelpunkt, so wurden bis jetzt schon mehr als 80 Prozent aller Radverkehrsmaßnahmen des VMP aus dem Jahr 2015 umgesetzt. „In den Ballungsräumen muss Mobilität neu gedacht und anders organisiert werden. Sonst stehen wir irgendwann alle nur noch im Stau. Die Möglichkeiten der Mobilität müssen also an den engen Raum der Städte angepasst werden. Der Ausbau des Radverkehrs, der öffentliche Nahverkehr und Car-Sharing spielen da eine große Rolle“, bekräftigt Verkehrsdezernent Weiß. Angelegt ist der Verkehrsentwicklungsplan als nachhaltiger urbaner Mobilitätsplan mit breiter Beteiligung der Öffentlichkeit. Die Lebensqualität in Stadt und Umland soll verbessert werden, wobei Nachhaltigkeit, Digitalisierung und die klimafreundliche Gestaltung von Mobilität die Hauptaufgaben sind. Weitere Inhalte sind beispielsweise Nahmobilität, Barrierefreiheit sowie Konzepte für den Parkraum und einen stadtverträglichen Lieferverkehr.

Die Ausschreibung für die Bearbeitung des Verkehrsentwicklungsplans wird derzeit vorbereitet. Die anschließende Vergabe mit dem Beginn der Bearbeitung ist in stetiger enger Mitwirkung der Öffentlichkeit sowie der Stadtpolitik ab Frühjahr 2021 vorgesehen.

4. Februar 2021