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35 Hektar Raum für zukunftsweisende Konzepte und Ideen © Alex Habermehl Fotografie
Offenbachs Wirtschaft breiter aufstellen, um im Fall der Krise einer einzelnen Branche insgesamt robuster aufgestellt zu sein, das ist eines der wesentlichen Ziele der Arbeit von Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke als Lehre aus dem Niedergang der Industrie. Technisch heißt das dann „Diversifizierung des Wirtschaftsstandortes Offenbach“. Dabei setzt Schwenke auf die Förderung unterschiedlichster Branchen. Ein Element dabei: Offenbach auch stärker zu einem Technologiestandort zu machen. „Das Projekt zum Aufbau eines Designparks ist ein wesentlicher Baustein für die Chance, Forschungs- und Entwicklungsabteilungen nach Offenbach zu holen.“ so OB Schwenke. Und weiter: „Man geht davon aus, dass rund 80% der Unternehmen und Produkte sich durch die Digitalisierung und die Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz verändern müssen. Zahlreiche Unternehmen haben deshalb entweder begonnen, ihr „Produktdesgin“ zu hinterfragen oder stehen vor der Aufgabe, dies zu tun. Das Nachdenken und Forschen über diese Weiterentwicklung von Produkten wäre im Idealfall der Kern unseres Designparks.“ Schwenke hat auch ein Beispiel aus dem Alltag parat: „Ein Ventil ging zum Beispiel früher auf oder zu. Das Ventil der Zukunft muss Daten generieren. Es muss alles, was durch es durchläuft messen und die Ergebnisse in Echtzeit mit anderen Ventilen oder Künstlicher Intelligenz teilen. Dadurch können im Idealfall Prozesse optimiert werden und Ressourcen sowohl wirtschaftlich wir ökologisch optimaler genutzt werden. Dieser Kern, „Daten generieren und direkt in Echtzeit nutzen“ ist etwas, was für viele Gegenstände als Veränderung ansteht.“

Physischer Ort des Designparks soll eine Teilfläche des Innovationscampus werden. „Innovationscampus und Designpark werden den ganzen Kosmos Offenbach verändern“, ist sich der Präsident der Hochschule für Gestaltung, Professor Bernd Kracke, sicher. Seit zwei Jahren haben sich Lernende und Lehrende im Lehrgebiet „Technische Produkte und Produktsystem“ bei Professor Frank Georg Zebner mit dem „Designpark Offenbach“ beschäftigt und die Fläche der ehemaligen Produktionsstätte der Chemischen Industrie auf ihre Möglichkeiten zur Stadt- und der Gewerberaumentwicklung abgeklopft. Finanziell unterstützt wurden und werden sie dabei von der Stadt Offenbach, der Industrie- und Handelskammer IHK Offenbach, dem Verein Offenbach offensiv, der Wirtschaftsförderung des Landes Hessen „Hessen Trade and Invest (HTAI)“ und der Innovationscampus Offenbach GmbH & Co KG INNO. Jetzt hat der Magistrat die Fortführung des Projekts „Design Park Offenbach II“ beschlossen und weitere 15.000 Euro pro Jahr bis 2023 genehmigt, die Partner beteiligen sich mit insgesamt 40.000 Euro jährlich.

Ein Tischkicker allein lockt keinen Kreativen

Für Oberbürgermeister und obersten Wirtschaftsförderer Schwenke folgerichtig, denn in seinen bisher geführten Gesprächen, etwa beim Weltwirtschaftsforum in Davos, ist der Designpark auf großes Interesse gestoßen und zeigten sich zahlreiche Unternehmen zu einem Investment bereit. Die Corona-Pandemie hat die Ausgangslage quasi über Nacht verändert, aber Schwenke ist optimistisch, die Fäden schon bald wieder aufnehmen zu können: „Zumal wir Unternehmen mit dem auch geplanten Verein die bislang einmalige Gelegenheit bieten, als Mitglied den Prozess mitgestalten zu können. Dies ist ein Alleinstellungsmerkmal solcher Projekte.“ Kein schlüsselfertiges Konzept, sondern viel Raum für eigene Ideen und Bedarfe. Nur ein Tischkicker lockt keine Kreativen, das weiß auch Schwenke und damit der Innovationspark seinem Namen gerecht werden kann, soll der Designpark als Inkubator wichtige Schubkraft geben. „Die HfG ist dabei für Offenbach essentiell und ich bin froh, dass wir uns mit dem Land auf den Neubau im Hafen verständigen konnten.“ Dass die international renommierte Ideenschmiede mit ihrer ebenso internationalen Studentenschaft dem Wirtschaftsstandort Offenbach auch nach ihrem Umzug erhalten bleibt, hat schon einige Unternehmen interessiert aufhorchen lassen.

Standortvorteil HfG

„Es ist kein Gewerbegebiet. Es ist ein Designpark“: Die Voraussetzungen könnten besser nicht sein, findet auch Zebner. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Urbanisierung, Mobilitäts- und Umweltfragen: daran kommt niemand mehr vorbei. Der Innovationscampus liefert Antworten und profitiert von seiner Lage inmitten des künstlerisch-kreativen Gesamtgefüges aus Städelschule, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt sowie dem Neubau der HfG im Hafen Offenbach. „Damit“, so Zebner, „ergibt sich eine phantastische Linie mit überregionaler Wirkung direkt am Main.“ Zudem: Der Nachwuchs ist schon vor Ort und die Unternehmen wissen, dass sie sich verändern müssen. Das gilt nicht nur für Produkte und Dienstleistungen, sondern auch für Arbeitswelten. Zebner spricht von Sinnlichkeit, eben der Auswahl des Materials, ästhetische Dimensionen wie Straßen- und Wegeplanungen, Raum und Licht und Erholungsmöglichkeiten.

„Das Projekt fügt sich schon jetzt gut in unsere Überlegungen zum Masterplan 2030 ein“, so Markus Weinbrenner, Geschäftsführer Offenbach Offensiv e.V. und Hauptgeschäftsführer der IHK Offenbach: „Der Designpark bietet Unternehmen die Möglichkeit, Designideen zu nutzen und anderseits kreative Köpfe nach Offenbach zu ziehen und zu binden. Die IHK wird beim Anwerben von Unternehmen fleißig helfen.“

Übermorgen mitgestalten

Bis die ersten Bagger rollen und Ideen konkret werden können, werden noch etliche Monate ins Land gehen. Zeit genug, um sich um Altlasten zu kümmern und den Sanierungsbedarf der denkmalgeschützten Gebäude auf dem Gelände zu prüfen. „Aber keine Zeit, die Hände in den Schoß zu legen“, sagt Daniela Matha. Die Diplom-Bauingenieurin hat bereits die Entwicklung der Hafeninsel erfolgreich umgesetzt und ist als Geschäftsführerin der INNO Innovationscampus Offenbach GmbH & Co. KG nun auch für das Gelände des Innovationscampus verantwortlich. „Mit der Konzeption des Designparks haben wir einen Rahmen geschaffen. Jetzt braucht es die mutigen Partner für übermorgen.“ Eben Unternehmen, die sich auf das Wagnis, aber auch die Chance zur gemeinsamen Entwicklung der Fläche und des Standorts Offenbach einlassen, sondern auch begeistern.

 

Offenbach am Main, 26. Oktober 2020