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Dr. Posner, Vorstand Clariant SE, übergibt die Schlüssel an OB Schwenke
Historischer Moment: Mit der Schlüsselübergabe gehört das ehemalige Clariant-Gelände nun der Stadt Offenbach. Vorne: Clariant-Vorstand Dr. Thorsten Posner und OB Dr. Felix Schwenke. Hinten: Stadtplanungsdezernent Paul-Gerhard Weiß, INNO-Geschäftsführerin Daniela Matha und Stadtkämmerer Peter Freier. © Stadt Offenbach / georg-foto, offenbach
Mit der Schlüsselübergabe durch die Firma Clariant an die Stadt Offenbach ging am Donnerstag, 2. Juli, ein Stück Offenbacher Industriegeschichte zu Ende. Vor 178 Jahren waren auf dem Clariant-Gelände im Osten der Stadt erstmals chemische Produkte hergestellt worden. Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke, der den Schlüsselbund von Dr. Thorsten Posner, Vorstand Clariant SE, entgegennahm, sprach von einem „historischen Moment“ und der einmaligen Chance, das 36 Hektar große Areal als Innovationscampus einer neuen Bestimmung zuzuführen.

Mit der Inbesitznahme durch die Stadt ende an diesem Standort unwiderruflich ein Teil der Industriegeschichte, die Offenbach bis in die 1990er Jahre stark geprägt habe, so der OB und Wirtschaftsdezernent. Der sukzessive Rückzug der chemischen Industrie habe wie schon der Verlust tausender Arbeitsplätze in der Lederwarenindustrie, im Maschinenbau und in der Stahlverarbeitung eine tiefe Zäsur in der Wirtschafts- und Sozialgeschichte Offenbachs bedeutet.

Die Schlüsselübergabe wertete der OB als symbolischen Akt für den Wechsel in der Bestimmung des Areals: Mit dem Erwerb der in weiten Teilen brach liegenden Fläche biete sich Offenbach eine „historische Chance“ für die Stadtentwicklung.

Zukunftsweisendes Gewerbegebiet entsteht

Der kommunale Masterplan weist das Gebiet als Innovationscampus aus. Felix Schwenke: „Dieser Name ist auch Programm.“ Hier werde jetzt ein „zukunftsweisendes Gewerbegebiet“ entstehen, als Schnittstelle von Forschung und Wirtschaft. Wohnraum sei hier nicht geplant.

Gemeinsam mit der Offenbacher IHK, der Hessen Trade and Invest und der Hochschule für Gestaltung solle unter anderem ein Designpark aufgebaut werden. Ziel sei es, hier einen Technologiestandort zu schaffen, an dem innovative Gründer, zukunftsorientierte Unternehmen sowie Forschungs- und Entwicklungsabteilungen bestehender Firmen angesiedelt werden. Felix Schwenke: „Hier werden wieder Arbeitsplätze entstehen und hier werden wir auch wieder Gewerbesteuereinnahmen generieren.“

Neue Chancen für Offenbach

Den neuen Campus zu entwickeln, sei eine „große Herausforderung und komplexe Aufgabe“, schließlich handele es sich hier um die „größte zusammenhängende innerstädtische Entwicklungsfläche der Region für eine gewerbliche Nutzung“. Schwenke: „Die Aufgabe, dieses riesige Areal im Herzen der Metropolregion mit neuem Leben zu füllen, haben wir unseren Stadtwerken übertragen, die dazu eine neue Projektgesellschaft, die INNO Innovationscampus GmbH & Co. KG, gegründet haben.“ Die Stadt vertraue hier den Expertinnen und Experten insbesondere der INNO-Schwestergesellschaft OPG, die zuvor schon die erfolgreiche Revitalisierung des Industriehafens organisiert hätten.

Der Offenbacher OB dankte Clariant für die „manchmal harten, aber immer sehr fairen Verhandlungen“, die er gemeinsam mit Peter Freier und Paul-Gerhard Weiß für die Stadt geführt hatte. Sie hätten zu einem „für alle erfolgreichen Ergebnis“ geführt.  Clariant-Vorstand Dr. Thorsten Posner sprach von „langen Verhandlungen“, die „Geduld und Ausdauer“ erfordert hätten. Auf dem großen Areal im Herzen der Stadt eröffneten sich nun jedoch neue Chancen für Offenbach.

Chemische Produktion von 1842 bis 2009

Thorsten Posner erinnerte an die Anfänge chemischer Produktion im Jahr 1842 durch Deutschlands erste Teerdestillationsfabrik, die der Schüler und Freund von Justus von Liebig, Dr. Ernst Sell, gründete, um in Offenbach unter anderem Desinfektionsmittel herzustellen. Die Oehler-Werke bauten diese Technik aus und stellten ab 1851 erste synthetische Farben her, darunter 1862 die berühmten Blau-Farbstoffe aus Anilin. Es folgten Griesheim Elektron, der Zusammenschluss 1925 zur IG Farben, die Naphtol-Chemie und 1953 schließlich die Farbwerke Hoechst, die den Standort für ihre Trevira-Produktion ausbauten.

Nach der „Zerschlagung“ der Hoechst AG habe Clariant 1997 das Areal übernommen und die Produktionsstätte 2001 an die Allessa Chemie verpachtet, erinnerte Thorsten Posner. Während sich Allessa selbst dann auf seinen Standort Frankfurt-Fechenheim konzentriert habe, sei mit Invista 2009 die letzte chemische Produktionsstätte am Standort Offenbach geschlossen worden.

Er freue sich, so der Clariant-Vorstand, dass die Industriebrache nun in „gute Hände gelangt“ sei. Sein Unternehmen werde die weitere Entwicklung mit großem Interesse weiterverfolgen. Posner schlug vor, mit der Benennung künftiger Straßen und Plätze an die industrielle Vergangenheit des Geländes zu erinnern.

Gewerbegebiet mit hoher Aufenthaltsqualität soll entstehen

Stadtkämmerer Peter Freier, der von dem neuen Innovationscampus nicht nur Gewerbesteuer-, sondern in der Folge auch Einkommensteuereinnahmen erwartet, zeigte sich überzeugt, dass der Tag der Schlüsselübergabe in die Offenbacher Stadtgeschichte eingehen werde. Das ehemalige Clariant-Gelände sei aufgrund seiner Lage „einmalig in Europa“.

Stadtplanungsdezernent Paul-Gerhard Weiß plädierte dafür, hier kein „steriles Gewerbegebiet“ entstehen zu lassen und deshalb auch auf die Aufenthaltsqualität zu achten. „Die städtischen Referate Stadt- und Grünplanung werden sich deshalb in diesen anspruchsvollen Prozess aktiv einbringen“, so Weiß weiter.

Stadtwerke und INNO denken über Zwischennutzungsmöglichkeiten nach

Bei den Stadtwerken und ihrer neuen INNO-Projektgesellschaft werde bereits wie früher bei der Entwicklung des Hafens über Zwischennutzungen nachgedacht, um das Gelände schrittweise für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, erklärte Daniela Matha, Geschäftsführerin der INNO wie auch der OPG. Mit der Kulturreihe „Parkside im Hof“ des historischen Sozialgebäudes gebe es dazu von städtischer Seite bereits einen guten Auftakt.

Es sei „mutig und vorausschauend“, dass die Stadt hier das „Heft des Handelns in die Hand genommen“ habe, um mit allen Risiken, aber auch Chancen Offenbach voranzubringen. „Wir werden den Innovationscampus jetzt mit Verve und Kraft entwickeln“, versicherte Daniela Matha und sprach dabei von einem Entwicklungshorizont von zehn bis 15 Jahren. 

07. Juli 2020

Dr. Posner, Vorstand Clariant SE, übergibt die Schlüssel an OB Schwenke Stadt Offenbach / georg-foto, offenbach
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