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Gemeinsames Interview mit OB Schneider, Petra Roth und Wolfgang Reuter
Gemeinsames Interview mit OB Schneider, Petra Roth und Wolfgang Reuter © Stadt Offenbach

„Der eigentliche Vorteil von Kreiseln, nämlich Flexibilität, funktioniert am Kaiserlei schon lange nicht mehr“: Der Hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir ist selber Offenbacher und weiß von was er spricht. Kaum ein Familienmitglied, das dort nicht schon in einen Auffahrunfall verwickelt war und auch die derzeitige Radwegeführung sei das, was Kriminologen einen Angstraum nennen. „Daher ist der heutige Tag für mich etwas ganz Besonderes“, so Al-Wazir bei seiner Rede anlässlich des offiziellen Baubeginns für den Kaiserlei-Umbau. Bei laufendem Verkehr soll der Kreisel bis Ende 2019 vier Kreuzungen weichen, der Umbau trennt Autobahn- und Regionalverkehr und setzt die Berliner Straße Richtung Frankfurt durchgängig fort. Was für viele nach Operation am offenen Herzen klingt, ist auch eine: Mehr als 66.000 Fahrzeuge passieren den Verkehrsknotenpunkt täglich, die Prognosen gehen bis 2030 von einem Plus von 11 Prozent im Individualverkehr und 38 Prozent im Güterverkehr aus. „Wir geben richtig Gas“, verspricht Rainer Bomba, Staatsekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. „aber es werden zwei harte Jahre werden, Einschränkungen sind bei einem Projekt wie diesem unvermeidbar.“

Videoimpressionen zum Spatenstich am Kaiserlei © Stadt Offenbach

Gemeinsames Projekt von Bund, Land und zwei Kommunen

Insgesamt 37,21 Millionen Euro wird der Umbau kosten, der Bund übernimmt rund 8,9 Millionen Euro, das Land Hessen ist mit rund 15,6 Millionen Euro beteiligt und die Städte Offenbach und Frankfurt mit rund 12,8 Millionen Euro. Bis es zu diesem einvernehmlichen Dreiklang aus Bund, Land und Gemeinden kam, war viel Lobbyarbeit nötig, erinnert sich Oberbürgermeister Horst Schneider: „Der Planfeststellungsbeschluss lag bereits 2002 vor, aber der Umbau wurde lange als rein kommunale Maßnahme eingestuft, konnte von Offenbach alleine aber nicht finanziert werden.“ Erst im Schulterschluss mit der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth gelang es, das Projekt auch überregional zu positionieren.

Im Zuge der Entwicklung des Frankfurter Ostends und des Neubaus der Europäischen Zentralbank (EZB) erhielt die Debatte neue Fahrt und mündete 2012 in einem gemeinsam unterzeichneten „Letter of Intent“, in dem sich die Stadt Frankfurt zur hundertprozentigen Finanzierung des Offenbacher Anteils in Höhe von 8,7 Mio. Euro verpflichtete. Im Gegenzug erwarb die Stadt Frankfurt Flächen in der Gemarkung Oberrad und in der Gemarkung Offenbach im Gesamtwert von rund 5 Millionen Euro und zahlte 3,7 Millionen Euro für entgangene Baukostenzuschüsse. „Ein einmaliger Akt,“ so Schneider weiter, „der deutlich macht, dass sich mit der Rivalität zwischen Frankfurt und Offenbach kein Blumentopf gewinnen lässt. Ganz im Gegenteil kann das Kaiserleigebiet nun zu einem prosperierenden Kern in der Metropolregion werden.“ Die Weichen sind gestellt, bei dem symbolischen Spatenstich griffen neben Schneider, Staatsminister Bomba und Wirtschaftsminister Al-Wazir auch die ehemaligen Oberbürgermeister beherzt zu: neben Petra Roth war auch Wolfgang Reuter gekommen, der die Geschicke der Lederstadt zwischen 1986 und 1994 kommissarisch lenkte.

21.02.2017