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Luftbild Baustelle
© georg-foto/ Stadt Offenbach
Seit Mittwoch, 3. Juli, sind die Brückenbauwerke für die neuen Autobahnverbindungen am Kaiserlei erfolgreich fertig gestellt worden. Auf der Großbaustelle stehen jetzt die Rückbauarbeiten der Verschalungen und der Bau der Rampen zu den Brückenbauwerken an. Die Pfahl-Gründung der Bauwerke und die Neigung und Krümmung der Brücken sind dabei keine alltägliche Lösung. Sie wurden explizit für den Offenbacher Untergrund und unter den erschwerten Bedingungen durch den S-Bahn-Tunnel von Ingenieuren geplant und umgesetzt. Wer genau hinsieht, erkennt vor Ort auch die an die bestehende Autobahn angepasste Biegung.

Zuletzt wurde die östliche Brücke in Beton gegossen. Wegen der Hitze mussten diese Arbeiten zunächst verschoben werden, denn Beton kann nur innerhalb einer gewissen Temperaturspanne sicher verarbeitet werden. Einer der kompliziertesten Arbeitsschritte ist mit dem Rückbau der Gerüste und Verschalungen in den nächsten vier Wochen abgeschlossen. Das erste Brückenbauwerk wurde im November 2018 fertig. (Mehr zu den Bauarbeiten und Ingenieurleistungen unter www.kaiserlei-umbau.de)

Zu den bereits abgeschlossenen Teilprojekten der Großbaustelle zählen die unter Verkehr genommene Kaiserleipromenade, die Verbindung der Promenade mit der Berliner Straße und der Asphalteinbau in der Strahlenbergerstraße auf der Nordwestseite. Auf der Ostseite wurde die neue äußere Fahrspur der Auffahrtsrampe auf die A661 im Juni eröffnet.

Seit Beginn der Bauarbeiten am Kaiserlei wurden zahlreiche Versorgungstrassen zur Verlegung nachgemeldet. Dies resultierte zum großen Teil aus veränderten Rahmenbedingungen für die Betreiber von Gas-, Wasser-, Strom- und Fernwärme-Leitungen seit Abschluss der Planungen für den Kaiserlei-Umbau. Am Beispiel der Leitungstrasse aus mehreren Rohrpaketen für die 110 kV-Leitung ergab sich der höhere Bedarf zum Beispiel aus der Neuansiedlung von Gewerbe im Kaiserlei.

Weil dieser neue Bedarf jeweils mit den vorgesehenen Baufeldern abgestimmt und die Ausführung geplant werden muss – abhängig von den Kapazitäten der Betreiber – haben sich im gesamten Baugebiet die eigentlichen Straßenbauarbeiten erheblich verzögert. Denn die Arbeiten der von der Stadt Offenbach beauftragten Baufirma müssen jeweils so lange warten, bis die Leitungen gelegt sind. Wo das möglich war, wurden andere Arbeiten vorgezogen oder Vorarbeiten für die nächsten Arbeitsschritte erledigt.

Zu einer weiteren großen Verzögerung hat die Entdeckung einer nicht in den Plänen verzeichneten asbesthaltigen Dampfleitung (Fernwärme) mit einer Betonummantelung geführt. Die Leitung stand auf einer Länge von rund 350 Metern den geplanten Tiefbauarbeiten im Wege. Eine Spezialfirma musste für den Ausbau der Leitung engagiert werden. Für den Ausbau der Leitung wird jeweils ein kurzes Stück der Leitung mit einer mit Folie abgedichteten Holzkonstruktion überbaut. Von Fachleuten in Schutzanzügen werden dann die so geschützten Teile der Leitung ausgesägt und abtransportiert, bevor der Überbau auf den nächsten Leitungsabschnitt umgesetzt wird. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gehen die Arbeiten inzwischen schneller voran.

Im Auftrag der Stadt Offenbach am Main hat die Baufirma an vielen Stellen im Baugebiet vor Ort Suchschachtungen (Grabung zur Suche nach Leitungen) erstellt. Beim Abgleich mit den vorliegenden Plänen ergaben sich bei allen Suchschachtungen Abweichungen. Bei einer Vielzahl von Leitungen ließ sich zunächst auch nicht erkennen, wem diese gehören und ob sie noch in Betrieb sind. Hintergrund dieser Situation ist, dass aufgegebene Leitungen meistens nicht aus dem Boden entfernt werden – aber aus den Plänen.

Insbesondere das Team der Baufirma für Ingenieurbauwerke wurde immer wieder beim Brückenbau zurückgeworfen: Zur Sicherung der Gerüste und Verschalungen der Brückenbauwerke und der dort aktiven Bauarbeiter wurde eine mechanische Sperre mit einem Stahlträger eingerichtet, die die Durchfahrtshöhe auf 3,80 m begrenzt. Als Vorwarnung ist vorher bereits ein sogenanntes Klingelgerüst installiert, bei dem ein auf die gleiche Höhe abgehängter rot-weißer Balken bei höheren Fahrzeugen hängen bleibt und einen Warnton auslöst. Trotz mehrerer Hinweisschilder aus allen Fahrtrichtungen gemäß Straßenverkehrsordnung, zeitweise eingesetzter Digitalanzeigen sowie der Einrichtung weiterer Klingelgerüste und plakativer Banner auf allen Bauschildern fuhren immer wieder Lastwagen in die Sperre. Zusätzlich wurde ein Sicherheitsposten vor Ort abgestellt, der –während auf den Bauwerken gearbeitet wird – zu hohe Lastwagen aus der Baustelle lotst. Der Abtransport der Lastwagen aus der Kaiserleipromenade und die Neuerrichtung der mechanischen Sperre dauern jeweils mehrere Stunden. Für den Verkehr bedeutete das erheblichen Rückstau und Umleitungen für die Busse. Die Bauarbeiten an den Brückenbauwerken verzögerten sich jeweils bis zur Behebung des Schadens.

Gemeinsam mit den Verzögerungen durch die aufwendigere Kampfmittelsondierung in allen Baufeldern und den nachträglichen Anpassungen der aufwendigen Verkehrssicherung auch unter Berücksichtigung von Wünschen der Anlieger, sowie den Abstimmungen mit allen beteiligten Behörden durch geänderte Ausführungspläne ergibt sich nach derzeitiger Prognose eine Verlängerung der Bauzeit bis voraussichtlich Herbst 2021.

Es ist davon auszugehen, dass die Verlängerung der Bauzeit zusätzliche Kosten nach sich ziehen wird, die nur zum Teil den Leitungsbetreibern weiter belastet werden können. Die Höhe der Kosten kann derzeit nicht seriös kalkuliert werden. Der Generalunternehmer dokumentiert zunächst alle Leistungsänderungen oder Behinderungen wie Unfälle mit Lastwagen in der mechanischen Sperre. Die Mehrkosten werden jedoch erst mit deutlicher Verzögerung beziffert. Diese Nachträge werden zunächst von Experten geprüft, wenn möglich zurückgewiesen oder nachverhandelt. Die Fördermittelgeber haben signalisiert, dass entgegen ursprünglichen Annahmen die Förderung auch über 2019 hinaus gewährt werden kann. Etwaige Kostenerhöhungen beantragt die Stadt zur zusätzlichen Förderung.

Video: https://youtu.be/p7qXpb2sM7I

 

Brückenbauwerke erfolgreich fertig gestellt © Stadt Offenbach

Offenbach am Main, 8. Juli 2019

Luftbild Baustelle georg-foto/ Stadt Offenbach
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