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So sieht der Marktplatz nach dem Umbau aus - natürlich wieder neu begrünt © Hahn Hertling von Hantelmann
Es tut sich einiges in der Innenstadt: Mit dem geplanten Neubau des ehemaligen Toys’R’Us-Gebäudes und der Sanierung des City-Centers erhält das wichtigste Eingangstor zur Innenstadt ein neues Gesicht. Nun rückt auch die seit langem geplante Neugestaltung des Marktplatzes wieder in greifbare Nähe. Ab voraussichtlich Herbst 2020 soll der Marktplatz in einer kleineren als ursprünglich vorgesehenen Variante neugestaltet werden

„Manchmal brauchen die Dinge etwas Zeit, um rund zu werden“, sagte Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß bei der Pressekonferenz zum Marktplatz-Umbau. Der Umbau sei eine diffizile Angelegenheit: Bis die erste Planung stand, sei viel mit Einzelhändlern, Bürgern und innerhalb der Koalition diskutiert worden. Das sei wichtig gewesen, denn: „Immerhin handelt es sich um einen Eingriff am Herzen der Stadt“, betonte Weiß. Eine breite Unterstützung innerhalb der Politik und der Stadtgesellschaft sei bei solchen Projekten wichtig. Die erste Planung, die auch eine Umgestaltung der Bieberer Straße vorsah, konnte aus Kostengründen nicht realisiert werden. Auf die Ausschreibung im vergangenen Jahr hatte sich nur ein Bauunternehmen beworben und das Angebot lag um ein Vielfaches über den veranlagten Projektkosten in Höhe von rund 5,1 Millionen Euro. Aus diesem Grund hatte die Stadt das Vorhaben zunächst auf Eis gelegt und das Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement mit einer Überarbeitung der Pläne beauftragt.

Plan zum Marktplatz-Umbau
© Stadt Offenbach am Main

Jetzt liegt eine veränderte Planung vor, die vom Magistrat bereits beschlossen wurde. Das Stadtparlament wird darüber am 19. Dezember diskutieren und entscheiden. Der neue Plan sieht vor, dass der zentrale Marktplatz ab Frankfurter Straße bis Waldstraße und Geleitsstraße, ohne die Bieberer Straße, umgebaut wird. „Die Ziele sind nach wie vor die gleichen. Wir wollen die Aufenthaltsqualität erhöhen, den Fußgängern das Überqueren erleichtern und den motorisierten Individualverkehr reduzieren“, erklärt der Projektleiter Wolfgang Strohl.

Zwischen Marktplatz und Fußgängerzone soll es einen fließenden Übergang geben, dafür wird ein einheitliches Pflaster gelegt und die Bordsteinkanten werden abgesenkt. Die Beleuchtung wird modern und einheitlich gestaltet, Bänke und Bäume sollen zum Verweilen, breitere Gehwege zum Flanieren einladen. Die Straße wird abschnittsweise um zwei Meter verengt. Der Bus- und Pkw-Durchgangsverkehr darf weiter fließen, allerdings mit einem reduzierten Tempo von 20 Stundenkilometern. Gleichzeitig wird der Radverkehr gestärkt: Die Radfahrer dürfen entgegen der Fahrtrichtung von der Waldstraße bis zunächst zur Höhe Frankfurter Straße und von der westlichen Seite des Wilhelmsplatzes bis zum Marktplatz fahren. In einem Folgeprojekt soll anschließend im Zuge der Nahverkehrsplanungen auch der nördliche Marktplatz-Abschnitt bis zur Berliner Straße angepasst werden. Dort sind unter anderem der barrierefreie Umbau der Haltestellen sowie eine zusätzliche Busspur geplant. Dann werden Radfahrer durchgängig von der Waldstraße bis zur Berliner Straße fahren können.

Montage Blätterwald
Fotomontage der neuen Haltestelle am Marktplatz © Just/Burgeff Architekten GmbH

Die aktuelle Planung sieht weiterhin vor, die Zeltdach-Haltestelle vor der Schwanen-Apotheke zu erneuern. Die neue Konstruktion soll „keine klassische Haltestelle“ werden, wie Marcus Hüls, Fachreferent für Stadtgestaltung, unterstreicht. Sie soll mehrere Funktionen erfüllen: Sie hält in Richtung Straße eingebaute Bänke für auf den Bus Wartende sowie zu den Geschäften ausgerichtete Bänke zum Ausruhen und Kommunizieren bereit. Eine elektronische Anzeigetafel kann ebenfalls integriert werden. Die Stahlkonstruktion der neuen Haltestelle greift gestalterisch den Wuchs der Bäume in der Umgebung auf – mit Stamm und einem an den Blätterwuchs angelehnten Dach. Sie wird für etwa 30 Personen Regenschutz bieten. Der Ottomar-Gassenmeyer-Brunnen wird an der Achse Bieberer Straße / Marktplatz neu aufgestellt und in Szene gesetzt. Es soll ein neuer Aufenthaltsort mit Sitzelementen um den Brunnen entstehen. Für den Übergang vom Marktplatz zur Bieberer Straße sind neue Ampeln vorgesehen. Die Verkehrsinsel entfällt, denn die Fußgänger können die enger geplante Straße in einem Zug überqueren. Das oberste Ziel des Umbaus bringt Weiß mit einem Satz auf den Punkt: „Der Marktplatz soll wieder zu einem Platz werden und mehr Raum für Fußgänger und Radverkehr bieten.“

Insgesamt 5,4 Millionen sind für die Erneuerung des Marktplatzes vorgesehen. Finanziert wird das mit den verbleibenden Fördermitteln aus dem Landesprogramm „Aktive Innenstadt“ in Höhe von 940.000 Euro, den Einnahmen aus Straßenbeiträgen in Höhe von etwa 1,2 Millionen Euro und weiteren rund 3,2 Millionen Euro aus dem Budget der Stadt. Die höher angesetzten Kosten sind der anhaltend guten Konjunktur in der Baubranche geschuldet, so Weiß.

Vorbehaltlich des anstehenden Stadtverordnetenbeschlusses plant das Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement im Frühjahr 2020 die Ausschreibung zu veröffentlichen. Sofern die Ausschreibung im neuen Jahr nicht erneut zu unerwarteten Überraschungen führt, soll der Umbau bereits im Herbst 2020 beginnen und unter Berücksichtigung des Verkehrs und der Erreichbarkeit der Geschäfte in zehn Bauphasen erfolgen. Dauern wird er voraussichtlich 22 Monate. Noch vor Baubeginn erhalten die Ver- und Entsorger die Möglichkeit, neue Leitungen zu legen oder alte auszubessern. Leitungsarbeiten erfolgen aber auch während der Bauzeit. Die Offenbacher Stadtinformationsgesellschaft (OSG) plant während der Bauzeit wieder ein Baustellenmarketing mit den Gewerbetreibenden vor Ort.

13. Dezember 2019

Montage Blätterwald Just/Burgeff Architekten GmbH
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