Sprungmarken
Suche
Suche

Luftbild
© Hessen-Luftbild - Axel Hässler
Schon im kommenden Jahr soll für die Entwicklung des früheren Güterbahnhof-Geländes zum Quartier 4.0 das Baurecht geschaffen werden. Die ehemalige Bahntochter Aurelis Real Estate Service GmbH will auf dem 8,9 Hektar großen Gelände in direkter Nachbarschaft zur S-Bahnstation Offenbach-Ost rund 47.000 Quadratmeter Gewerbeflächen und 31.200 Quadratmeter Wohnraum erschließen. Die Stadtverordnetenversammlung entscheidet am 14. November über den Billigungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 647 und den Entwurf des städtebaulichen Vertrags mit Aurelis.
Mit dem Quartier 4.0 kommt damit in absehbarer Zeit die nächste größere Entwicklungsfläche für Wohnen und Gewerbe in Offenbach auf dem Markt. Neben rund 300 Wohnungen für etwa 600 Menschen sollen in diesem Mischquartier Gewerbeflächen für emissionsarm produzierende Unternehmen der Industrie 4.0 bereitgestellt werden. Aurelis geht davon aus, dass künftig bis zu 650 Beschäftigte im Quartier 4.0 arbeiten werden. „Mit dem vorliegenden Bebauungsplan-Entwurf stehen wir nun kurz vor dem Ziel, die brachliegenden Flächen qualitativ hochwertig aufzuwerten und wiederzubeleben“, teilte Bau- und Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß nach dem Billigungsbeschluss durch den Magistrat mit. Ziel sei es, mit dem Satzungsbeschluss und dem städtebaulichen Vertrag im nächsten Jahr das Baurecht zu schaffen.

Wie Weiß weiterhin mitteilte, entstehen der Stadt keine Kosten bei der Entwicklung des Quartiers 4.0. Die ehemalige Bahntochter Aurelis hat das Gelände von der Deutschen Bahn erworben und wird es selbstständig erschließen und vermarkten. Auch die Altlastensanierung übernimmt Aurelis als Eigentümerin der Flächen. „Die Stadt profitiert dagegen von der Ansiedlung neuer Unternehmen durch neue Arbeitsplätze und Einnahmen aus der Gewerbesteuer“, so Weiß. Weiterhin ist die Erschließung des früheren Bahngeländes von großer Bedeutung für die Stadt, weil Aurelis dort eine Fläche für das geplante neue Gymnasium bereithält. „Auch für diesen dringend notwendigen Schulneubau erhalten wir mit dem avisierten Satzungsbeschluss im neuen Jahr das Baurecht.“

Für den geplanten sechszügigen Schulneubau, der bis 2024 stehen soll, hat die Stadt beim Regierungspräsidium Darmstadt in einem aufwändigen Verfahren eine Ausnahmegenehmigung erwirken müssen. Hintergrund ist das Fluglärmschutzgesetz: Das Quartier 4.0 liegt wie große Teile des Stadtgebiets in der sogenannten Tagschutzzone II des Frankfurter Flughafens, in der normalerweise keine neuen Schulen oder Kitas gebaut werden dürfen. „Für die Ausnahmegenehmigung hatten wir eine regelrechte Doktorarbeit aufstellen müssen, in der nachzuweisen war, dass es keine alternativen Standorte für die neue weiterführende Schule in Offenbach gibt.“ Angrenzend an das 1,4 Hektar große Schulareal wird im Osten des Entwicklungsgebiets eine 1,5 Hektar große öffentliche Grünfläche geschaffen, weiterhin ist ein öffentlicher Quartiersplatz vor der alten Güterhalle im Süden des Geländes geplant.

Der Bebauungsplan sieht ein innerstädtisches Quartier vor. Aus Lärmschutzgründen entstehen die für Gewerbe vorgesehenen Gebäude (drei- bis viergeschossig) im Norden des Areals, angrenzend an die bestehenden Gewerbeflächen an der Straße „In der Kalkwiese“. Die vier- bis fünfgeschossigen Wohngebäude werden in der Mitte des Bebauungsgebiets errichtet und beinhalten teilweise Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss. Ein Quartierszentrum mit einem siebengeschossigen Hochpunkt und gegebenenfalls Einzelhandel ist am Eingang des Geländes an der Unteren Grenzstraße vorgesehen. Die Erschließung erfolgt über eine von Aurelis zu errichtende Ringstraße. Der Projektentwickler plant, die Wohngebäude als erstes zu errichten, sodass die ersten Bewohner voraussichtlich 2023 einziehen können. Die Entwicklung der Gewerbeflächen erfolgt parallel im Zuge der vorgesehenen Vermarktung.

Offenbach am Main, 12. November 2019