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Hochwasser
Wenn die Temperaturen den Schnee in höheren Lagen schmelzen lassen, sind Hochwasser nicht ungewöhnlich. Der Offenbacher Damm würde einem Jahrhunderthochwasser allerdings nicht standhalten und muss daher ertüchtigt werden. © Stadt Offenbach

Der Weg für den Ausbau der Main-Winterdeiche ist geebnet: Der Bescheid zum Planfeststellungsbeschluss vom Regierungspräsidium Darmstadt war am 25. Juni 2020 bei der Stadt eingegangen. Nach der öffentlichen Auslegung vom 25. August bis zum 8. September 2020 folgte eine vierwöchige Frist, innerhalb derer keine Klagen oder Einwände erhoben wurden. Somit hat der Bescheid Rechtskraft erlangt. Wie Bau- und Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß mitteilte, kann das Vorhaben zur Verbesserung des Hochwasserschutzes in Offenbach nun weiter vorangetrieben und umgesetzt werden. „Nach Jahren der Planung und Umplanungen wurde am Ende eine überzeugende Variante für den Ausbau erarbeitet, die alle Anforderungen an den Hochwasserschutz erfüllt und gleichzeitig wichtige städtebauliche Interessen vereint. Für diesen Entwurf haben wir nun den rechtlichen Rahmen zur Umsetzung erhalten und das ist eine sehr gute Nachricht für Offenbach und den Schutz der Bevölkerung vor künftigem Hochwasser“, sagte Weiß.

Das Projekt zur Sanierung und zum Ausbau der Maindeiche setzt sich aus verschiedenen Planungs- und Bauphasen zusammen. Bis der Planfeststellungsbeschluss erfolgen konnte, wurden zunächst die Vorplanung, später dann die Entwurfs- und Genehmigungsplanung ausgearbeitet. Erst jetzt, mit der endgültigen Planfeststellung, kann mit der detaillierten Ausführungsplanung begonnen werden. Dafür muss im ersten Schritt die Planungsleistung entsprechend der öffentlichen Vergaberichtlinien ausgeschrieben und vergeben werden. Aufgrund des großen Umfangs der Planungsleistungen ist dafür eine europaweite Ausschreibung erforderlich, deren formalen Abläufe mehrere Monate in Anspruch nehmen. Es ist vorgesehen, den Auftrag für die Planungsleistungen und die spätere Bauüberwachung im Frühjahr 2021 zu vergeben. Im Anschluss folgen die Ausführungsplanung und die Vorbereitung für die Vergabe der Bauleistungen – der letzte Schritt vor dem Baubeginn. Für diese beiden Schritte wird mit einer Dauer von etwa sechs bis sieben Monaten gerechnet. Auch für die Vergabe der Bauarbeiten ist eine europaweite Vergabe notwendig. Die Stadt strebt an, den Bauauftrag noch Ende 2021 zu erteilen. Die eigentlichen Arbeiten sollen dann, sofern es die Witterung zulässt, im März 2022 beginnen.

Weitere Informationen zur Bauausführung:

Aus historischen Gründen gibt es in Offenbach Deichabschnitte, für die das Regierungspräsidium Darmstadt zuständig ist, und Abschnitte, für die die Stadt selbst zuständig ist. Um diese geht es bei dem jetzt umzusetzenden Vorhaben. Das Projekt besteht aus drei Abschnitten: Der rund 1.800 Meter lange Abschnitt in der Innenstadt zwischen Carl-Ulrich-Brücke und dem Innovationscampus, ein etwa 550 Meter langer Abschnitt in der Ortslage von Rumpenheim bis auf Höhe des Schlosses sowie ein 160 Meter langer Abschnitt in Rumpenheim an der Gemarkungsgrenze zu Mühlheim.

Insbesondere durch den Bau des Deichabschnitts in der Innenstadt wird es deutliche Auswirkungen auf den Straßenverkehr geben. Wann welcher Deichabschnitt an die Reihe kommt und wie der Verkehr umgeleitet werden soll, wird unter Berücksichtigung anderer Baumaßnahmen in der Innenstadt (zum Beispiel der Umbau des Marktplatzes) in den nächsten Planungsphasen ausgearbeitet. Im Herbst 2024 sollen alle Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Vorgabe des Landes Hessen war, den Deich für ein 200-jährliches Hochwasser – also ein Hochwasser in einer Höhe, die statistisch alle 200 Jahre vorkommt – zu ertüchtigen. Dazu muss der Deich um bis zu 50 Zentimeter erhöht werden. Um eine ausreichende Standsicherheit erreichen zu können, wird auf der gesamten Länge eine Spundwand in den Deich eingedrückt. Diese reicht bis zu zehn Meter in den Untergrund.

Deichmaßnahmen in der Innenstadt:

Der bestehende Durchlass an der Schloßstraße wird zurückgebaut. Dafür entsteht ein neues für Fußgänger und Radfahrer durchlässiges Bauwerk. Damit die Verbindung der Stadt zum Mainufer gestärkt und der Durchgang offener und freundlicher wird, soll dieser von derzeit 5,50 Meter auf rund 15 Meter verbreitert werden. Außerdem wird die lichte Durchgangshöhe von 2,20 m auf 2,50 Meter erhöht. Im westlichen Brückenwiderlager wird eine öffentliche Toilette integriert. Wie auch jetzt wird es möglich sein, an dieser Stelle über eine Treppe auf den Deich zu gelangen. Außerdem wird eine barrierefreie Rampe angelegt. Der Kulturwaggon, der sich in diesem Abschnitt befindet, bleibt erhalten.

Im Bereich der Einmündung der Herrnstraße wird der Deich um rund einen Meter abgesenkt. Dadurch wird ein Blickfenster zwischen Innenstadt und Main geöffnet und es wird in Zukunft für Fußgänger und Fahrradfahrer möglich sein, den Deich aus der Herrnstraße kommend in Richtung Mainufer zu queren. Um auf den Deich zu gelangen, wird eine Treppenanlage mit Rampen angelegt. Die Rampen werden barrierefrei hergestellt, um die Nutzung auch für Rollstuhlfahrer und Radfahrer zu ermöglichen. Durch diese Maßnahmen wird die Aufenthaltsqualität im Mainvorland erhöht und die Anbindung des Mainuferradwegs an die Innenstadt verbessert. Der Hochwasserschutz wird im Bereich der Deichabsenkung durch eine mobile Schutzwand sichergestellt.

Die Planung und die Bauarbeiten werden durch einen Baumgutachter begleitet. Der Schutz der verbleibenden Bäume einschließlich deren Wurzeln hat höchste Priorität. Es können jedoch nicht alle Bäume auf dem Deich erhalten werden. Durch die Arbeiten müssen von den derzeit 250 Bäumen auf dem Deich 135 Bäume gefällt werden. Diese werden zum Abschluss der Baumaßnahme durch neue Bäume ersetzt. Die neuen Baumquartiere entstehen nach den neuesten Richtlinien für Pflanzarbeiten. Jeder Baum erhält mindestens zwölf Kubikmeter Wurzelraum – und damit deutlich mehr als bislang – für eine gute Wachstumsentwicklung. Außerdem werden auf etwa 5.000 Quadratmetern Fläche neue Sträucher gepflanzt.

Planungen für Rumpenheim:

In der Ortslage Rumpenheim muss vor die bestehende, historische Hochwasserschutzmauer eine Stahlspundwand eingesetzt werden, um den Hochwasserschutz gewährleisten zu können. Diese wird mit Sandsteinen verkleidet. Im Bereich der Gaststätte „Zum Schiffchen“ wird aus Denkmalschutzgründen auf die Spundwand verzichtet und das Mauerwerk aus Naturstein stattdessen mit Ankerstäben stabilisiert. Außerdem wird die fehlende Schutzhöhe im Bereich von Rumpenheim durch eine zirka 50 Zentimeter hohe, mobile Schutzwand ergänzt.

Das Feldwegestück an der Gemarkungsgrenze zu Mühlheim wird analog zu dem Abschnitt, der bereits durch das Regierungspräsidium saniert wurde, um 30 Zentimeter angehoben und mit Betonpflaster belegt. Bei diesem Abschnitt handelt es sich um einen klassischen Erddeich, hier wird nicht mit Spundwänden gearbeitet.

Offenbach am Main, 16. November 2020