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Luftbild vom Innovationscam,pus in Offenbach
Der Innovationscampus von oben. Das Areal reicht vom Mainufer bis zur Mühlheimer Straße und grenzt im Westen an das Mathildenviertel und im Osten an die Kettelerstraße in Bürgel. © A. Häsler
Der Magistrat der Stadt Offenbach hat die Stadtwerke-Unternehmensgruppe (SOH) mit dem Erwerb, der Entwicklung und Vermarktung des ehemaligen Clariant-Geländes beauftragt. Der Stadtverordnetenbeschluss dazu steht noch aus.
Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke
Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke © lemnitzer fotogafie

Innovationscampus: zentraler Baustein der Wirtschaftspolitik

Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke erklärt: „Der Erwerb und die Entwicklung des ehemaligen Chemiestandortes in kommunaler Federführung ist ein zentraler Baustein der wirtschaftspolitischen Strategie der Stadt. Mir war es schon lange vor der aktuellen Corona-Krise wichtig, dass wir bei der Ansiedlung von Unternehmen auf möglichst viele unterschiedliche Branchen setzen. Mit dem Erwerb des 36 Hektar großen Geländes von der Firma Clariant, welches wir ab sofort Innovationscampus nennen, haben wir hierfür eine hervorragende Grundlage geschaffen. Dies wurde durch enge Kooperation mit den Magistratskollegen möglich.“ Mit großer Vorfreude auf das Projekt betont Schwenke weiter: „Bis zur Fertigstellung wird es lange dauern – aber jetzt geht es los! Ich bedanke mich ausdrücklich bei Clariant und deren Geschäftsführer Herrn Oliver Kinkel dafür, dass wir nach harten aber fairen Verhandlungen eine juristische Auseinandersetzung vermieden haben und einen für alle Seiten fairen Preis gefunden haben.“

Zudem betont der Oberbürgermeister noch einmal eindringlich: „Ständig wird versucht, den Preis mit einem einzigen Wort zu beschreiben. Das ist in so einem komplexen Fall schwer. Es handelt sich weder für die Stadt noch für Clariant um ein „Schäppchen“ oder um eine „Verrücktheit“ (nach dem Motto die Stadt wäre zu blöd, die Altlastenrisiken zu kennen). Der Preis ist für alle Beteiligten eine „Mischkalkulation“. Er bildet für alle Partner die Risiken und Chancen von juristischen Prozessen, Zeitverlusten und Altlastenrisiken verantwortungsvoll ab.“

Daniela Matha, Geschäftsführerin der OPG
Daniela Matha wird operative Geschäftsführerin der INNO. © Ulrike Hölzinger-Deuscher

Neue städtische Gesellschaft gegründet

Die Stadt, so OB Schwenke, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der SOH ist, nehme hiermit ihre Gestaltungsmöglichkeiten selbst in die Hand, indem sie „aus eigener wirtschaftlicher Kraft und mit eigener Kompetenz unabhängig von privaten Dritten“ die größte zusammenhängende innerstädtische Entwicklungsfläche der Region für eine gewerbliche Nutzung erwerbe und reaktiviere.
Weil diese Aufgabenstellung, zu der auch die Erschließung, die Parzellierung und der Verkauf der Flächen zählt, inhaltlich wie auch wirtschaftlich komplex ist, wird innerhalb der SOH-Gruppe eine neue Gesellschaft gegründet, die INNO Innovationscampus GmbH & Co. KG. Die Geschäftsführung wird durch die OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH wahrgenommen.

Zu Geschäftsführern des neuen Unternehmens werden für den operativen Bereich und als Sprecherin OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha und für den kaufmännischen Bereich SOH-Chef Peter Walther bestellt. Die INNO Gesellschaft wird kein eigenes Personal erhalten, sondern wie zuvor schon die Mainviertel Offenbach bei der Erschließung, Entwicklung und Vermarktung des Hafens die Schwestergesellschaft OPG mit den operativen Dienstleistungsaufgaben beauftragen.

„Die SOH GmbH wird die INNO mit den nötigen finanziellen Mitteln zur Zahlung des Kaufpreises in Höhe von 6,95 Millionen Euro sowie mit weiteren drei Millionen Euro Liquiditätsmitteln als Stammkapital ausstatten. Ferner gibt die Stadt Offenbach eine Patronatserklärung als Bestandteil des Kaufvertrages ab, um das wirtschaftliche Risiko der SOH zu reduzieren und zugleich die Vereinbarung mit der Clariant AG hinsichtlich der Freistellung des Altlastenrisikos abzusichern. Enthalten ist auch die Option, dass sich zu einem späteren Zeitpunkt gegebenenfalls auch Dritte an der INNO beteiligen können – sei es um zusätzliche Marktkompetenz zu gewinnen oder das wirtschaftliche Risiko für die Stadt zu mindern“, erklärt der an den Verhandlungen beteiligte Stadtkämmerer und Bürgermeister Peter Freier die finanzielle Abwicklung des Geschäfts.

Bürgermeister Peter Freier
Bürgermeister Peter Freier © Stadt Offenbach

Das Beste für die Menschen in Offenbach

Für Freier ist die Übertragung dieser Aufgabe an die Stadtwerke-Unternehmensgruppe Ausdruck des Vertrauens der städtischen Entscheider sowohl in die wirtschaftliche Potenz und das fachliche Know-how der SOH und ihrer Immobilienunternehmen als auch in die „be one“-Strategie der Stadt und der SOH-Unternehmensgruppe. Ziel von „be one“ ist es unter anderem, die Stadt als Gestalter und die Stadtwerke-Gruppe als Dienstleister, der den politischen Willen kompetent umsetzt, enger zusammenwachsen zu lassen, um mit einem Höchstmaß an Effektivität gemeinsam das Beste für die Menschen in Offenbach zu erreichen.

Stadtkämmerer Freier wies aber auch darauf hin, dass gerade die Altlastensituation ein wirtschaftliches Risiko für die Gesellschaft beinhaltet. „Es wird ständige Aufgabe der Projektverantwortlichen sein, dieses Risiko für alle Beteiligten so gering wie möglich zu halten. Die bei der Hafen-Entwicklung erworbene Kompetenz gerade im Bereich der Boden- und Grundwassersanierung sowie die Tatsache, dass mehrere Fachgutachten vorliegen, gibt die Zuversicht, dass dies auch bei der Entwicklung des Clariant-Areals gelingt.“

Porträtfoto von Stadtrat Paul-Gerhard Weiß
Stadtrat Paul-Gerhard Weiß © by Daniel Lisbona

Entwicklungszeitraum: mind. ein Jahrzehnt

Auch Stadtplanungsdezernent Paul-Gerhard Weiß hält es für einen enormen Vorteil, dass die Stadt die Entwicklung des Areals eigenständig steuern kann. „Offenbach kann sich dadurch als Gewerbestandort diversifiziert aufstellen und unterschiedliche Nutzungen anbieten. Wie beim Hafen wird die Realisierung mindestens ein Jahrzehnt brauchen. Deshalb ist es wichtig, dass die Stadt hier maßgeblichen Einfluss hat.“

Der Stadtrat sieht es als eine „historische Aufgabe“ an, den ehemaligen Chemiestandort zu einem zukunftsweisenden Gewerbegebiet zu entwickeln und darin wie im Masterplan vorgesehen einen Innovationscampus als Schnittstelle von Lehre und Wirtschaft, innovativen Gründern und zukunftsorientierten Nutzern zu integrieren. Paul-Gerhard Weiß: „Wo früher eine sehr hohe Wertschöpfung für die Stadt bestand, wird auch in Zukunft wieder eine Wertschöpfung in Form von Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätzen möglich sein.“

Foto von SOH-Geschäftsführer Peter Walther
SOH-Geschäftsführer Peter Walther übernimmt den kaufmännischen Bereich der INNO. © Bernd Georg

SOH: Große Chance & Herausforderung

SOH-Geschäftsführer Peter Walther: „Die Entwicklung dieser Gewerbefläche ist eine große Herausforderung und zugleich eine große Chance für die Stadtwerke-Gruppe. Die Wiederbelebung des ehemaligen Industriestandortes wird für die Stadt perspektivisch prägend sein. Die Entwicklung des Clariant-Areals mit dem Titel „Innovationscampus“ schließe jetzt lückenlos an die erfolgreiche Revitalisierung des Hafens an.

Oberbürgermeister Schwenke unterstreicht: „Die Stadtwerke Unternehmensgruppe verfügt mit ihrer Gesellschaft OPG auch über das notwendige Know-how für diese Aufgabe.“ Die OPG unter der Geschäftsführung von Daniela Matha sei für die vorbildliche Entwicklung des Hafens vielfach und auch international ausgezeichnet worden. „Auf diese Reputation und diese fachliche Kompetenz greifen wir nun zurück.“

„Wir freuen uns auf diese spannende neue Aufgabe und danken der Politik für das in uns gesetzte Vertrauen“, sagt OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha. Das Clariant-Gelände sei „die größte Entwicklungsfläche Offenbachs und städtebaulich das Top-Projekt gleich nach dem Kaiserlei-Gebiet“.

Entwicklungs- und Vermarktungskonzept beauftragt

Sowie der Grundstückskaufvertrag zwischen der neuen INNO Gesellschaft und Clariant unterschrieben ist, gibt es viel zu tun. Schwenke hat als Wirtschaftsförderungsdezernent die Erarbeitung eines Entwicklungs- und Vermarktungskonzeptes beauftragt. „Außerdem steht in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium die Entwicklung eines Altlastensanierungskonzepts oder auch die Beantragung von Fördermitteln an“, so Planungsdezernent Weiß.

Schwenke hat zudem beauftragt, dass es eine ganz enge Abstimmung zwischen Wirtschaftsförderung und INNO GmbH geben soll: „Dazu gehört als erstes, die Planungen zum Designpark zu berücksichtigen. An diesem arbeiten wir in enger Abstimmung mit der Hochschule für Gestaltung, der IHK und der Landesgesellschaft Hessen Trade and Invest. Und es gehört natürlich ebenfalls dazu, wie schon beim Hafen darüber nachzudenken, ob Zwischennutzungen möglich sind, um auch dieses völlig abgeschlossene Industrieareal in Teilen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“

„Zusammen mit dem Stadtplanungsamt, das bereits eine Machbarkeitsstudie für eine Umgehungsstraße beauftragt hat, gilt es auch, die verkehrliche Erschließung zu klären“, ergänzt Stadtrat Weiß.
Der Zeitplan, so Daniela Matha, sei noch offen: „Die Vorbereitungen für die Entwicklung des Standorts werden aber sicherlich mindestens drei bis fünf Jahre benötigen.“

2. April 2020