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Der Marktplatz um 1888, links im Bild sieht man die Stände der Marktleute
Der Marktplatz um 1888, links im Bild sieht man die Stände der Marktleute © Stadtarchiv Haus der Stadtgeschichte
Über 300 Jahre ist er alt – der Marktplatz in Offenbach. Und wie der Name erahnen lässt und auf dem historischen Bild zu sehen ist, wurde dort früher der Markt gehalten. Heute heißt er immer noch Marktplatz, obwohl der Wochenmarkt schon seit über 100 Jahren auf dem Wilhelmsplatz stattfindet. Der Marktplatz hat viel erlebt: Einst ratterte die "Knochemiel" über ihn, ein Uhrtürmchen hat er beherbergt, er wurde zerbombt und wiederaufgebaut und immer wieder umgebaut.

Als der Markt noch auf dem Marktplatz gehalten wurde

Noch bevor der Marktplatz als Platz angelegt war und seinen Namen erhielt, standen bereits 1693 Häuser dort. Seine Entstehung wird auf den Zuzug der Hugenotten und die damit verbundene Ausdehnung der Stadt im Jahr 1702 zurückgeführt. Damals lag er allerdings noch außerhalb der Stadtmauer des historischen Offenbachs. Erst 1732 wurden die südlich der alten Stadtmauer gelegenen Straßen (Marktstraße, Frankfurter Straße) mit einer neuen Stadtmauer (Höhe Geleitsstraße) in das Stadtgebiet einbezogen. Reste der alten Stadtmauer sind zum Teil noch in Hinterhöfen der Glockengasse zu sehen.

Die ersten Wochenmärkte fanden 1703 auf dem Marktplatz statt. In einer Ausgabe der Offenbach Post aus dem Jahr 1983 beschrieb eine Alt-Offenbacherin, wie sie den alten Markt erlebt hatte. Damals fuhren noch keine Autos auf den Straßen, nur die Straßenbahn, die „Knochemiel“, ratterte über den Marktplatz. Zu den Markttagen kamen die „Owweräder Gärtnersleut“ und breiteten ihr Gemüse auf großen Sacktüchern auf den Boden aus. Auf einem Hocker sitzend warteten sie auf Kundschaft. Die Marktleute benutzten damals  noch keine Waagen, sondern maßen das Gemüse in kleinen Körbchen, die etwa 20 Zentimeter groß waren und einen kleinen Rand hatten. Zu kaufen gab es auf den Markt neben Obst und Gemüse auch „dorschene“ und „netdorschene“, ausgereiften und weniger ausgereiften, Handkäs, Schmierkäs und Eier. Schon um 1900 fanden die Markttage am Dienstag, Freitag und Samstag statt.

Das alte Rathaus "die Mehlwaage"

Der Marktplatz hatte aber nicht nur wegen des Wochenmarkts eine besondere Bedeutung, sondern auch weil dort das alte Rathaus stand. Neben dem Gasthaus „zum güldenen Adler“, das an der Ecke des Marktplatzes und der Frankfurter Straße war, wurde am 9. August 1725 der Grundstein zur „Mehlwaage“ gelegt. Dieses Ereignis wurde auf dem „Stein zur Mehlwaage“ eingemeißelt, der bis zur Zerstörung des Heimatmuseums 1943 dort ausgestellt war. Er trug folgende Inschrift: „Offenbacher Gerichtssiegel. 1725 den 9. August, ward hier der erste Stein zur Melwaag eingelegt, hiernechst Graf Wolfgang Ernst zur milden Gnad bewegt, daß die Gemeinde darf ein Rathhaus drüber bauen. Gott gebe Glück dazu. (etc.)“ Ein Bild des alten Rathauses ist nicht erhalten geblieben. 1859 wurde das alte Rathaus abgerissen, zu dem Zeitpunkt hatte der amtierende Bürgermeister die sogenannte Bürgermeisterei bereits in die ehemalige isenburgische Hofhaltung, ins Stadthaus am Aliceplatz verlegt.

Offenbachs Straßenbahn "die Knochemiel"

1884 erhielt Offenbach seine erste Straßenbahn. Sie fuhr vom Mathildenplatz zwischen Offenbach und Frankfurt bis zur Alten Brücke in Sachsenhausen. Die kleinen Wagen hatten keine Federung und ihre Räder ratterten auf den Spuren. Die Offenbacher nannten sie spöttisch die „Knochemiel“. Betrieben wurde sie bis 1905 von einer privaten Gesellschaft, der Frankfurt-Offenbacher Trambahn-Gesellschaft. Den für den Betrieb erforderlichen Strom erzeugten Dampfmaschinen am Oberräder Buchrainweg. Erst 1905 kaufte die Stadt Offenbach den im Großherzogtum Hessen gelegenen Abschnitt, Frankfurt erwarb den auf seinem Gebiet liegenden Teil. Beide Städte erweiterten die Straßenbahn-Spur von einem Meter auf die Regelspur von 1,43 Meter.

Treffpunkt für Verliebte - die "Zwiwwel"

1885 stiftete der Offenbacher Schützenverein der Stadt eine Uhr, die sogenannte „Zwiwwel“. Sie wurde zum Wahrzeichen des Marktplatzes. Wer durch die Große Marktstraße zum Markt schlenderte, lief direkt auf das Uhrtürmchen mit der Zwiebelspitze, daher die „Zwiwwel“, zu. Die Stadtverwaltung ließ sie 1927 abmontieren und im Schwimmbad an der Hafenspitze aufstellen. Der Marktplatz musste verbreitert werden, um mehr  Raum zu haben für  die Schienen der Straßenbahnlinie 27, die damals bis etwa zur Höhe des heutigen Odenwaldrings führte.

Zehn Jahre später verbannte man das Uhrtürmchen auch von der Hafenspitze, die Uhr wurde verschrottet. Geblieben ist die Erinnerung an das ehemalige Wahrzeichen und bei einigen der Wunsch nach Wiederbelebung. Aus diesem Grund befassten sich die Stadtverordneten noch 1970 und 1983 mit dem Vorschlag, auf dem Alten Markt wieder ein Uhrtürmchen aufzustellen. Aber daraus wurde nichts, ein Uhrturm passte nicht in die Pläne für die moderne Umgestaltung des Marktplatzes.

Der Marktplatz – immer wieder im Fokus von Umbauten

Der Marktplatz hat sich über die vergangenen sechs Jahrzehnte stark verändert. Bis in die 60-er Jahren standen dort hohe Geschäftshäuser, die in der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert entstanden sind. Allerdings waren die Häuserfronten der Bauten an der Westseite des Offenbacher Marktplatzes im zweiten Weltkrieg zerstört worden. Die Eigentümer hatten die Häuser nur so weit hergerichtet, dass der Verkauf zumindest im Erdgeschoss möglich war.

Die unansehnlichen Häuser im Zentrum waren der Stadtverwaltung ein Dorn im Auge, sie bemühte sich bereits in den 1950-er Jahren darum, die Eigentümer zu Neubauten zu bewegen. Ende der 60-er Jahre war es dann so weit. Der Marktplatz erhielt ein neues, modernes „Gesicht“ mit dem Neubau mehrerer Gebäude auf der Ost- und Westseite des Marktplatzes. Die Stadt erweiterte auch die Fahrbahn, verlegte eine Bushaltestelle und baute Haltebuchten für Busse, damit die Autos an den haltenden Bussen vorbeifahren konnten. Entstanden sind damals neben den Fußgängerzonen Frankfurter Straße und Große Marktstraße auch die Fußgängerflächen am Marktplatz mit Werbevitrinen, Bänken und Grünstreifen, in dem sechs Platanen gepflanzt wurden. Zudem verschwand die Straßenbahn aus der Stadtmitte. Ziel des damaligen Umbaus war es, ein Zentrum des Einkaufs und der Begegnung zu schaffen. Die Umgestaltung zog sich bis 1970 und galt mit der Aufstellung des Brunnens von Ottomar Gassenmeyer im Jahr 1971 als beendet.

Die 1970-er Jahre bis heute

Heute ist ein Teil von ihr noch am City Center zu sehen – die sogenannte zweite Ebene entstand Stück für Stück zwischen 1967 und 1974. Die Stadtverordneten wollten damit dem Handel neue Geschäftsflächen erschließen. Über Betonbrücken sollten die Kunden die Ladengeschäfte in den oberen Geschossen erreichen. Doch diese bleiben aus. Von Anfang an litten die Geschäfte an mangelndem Publikumsverkehr. Während die Fußgängerebene in den sechziger Jahren als städtebaulicher Wurf und große Errungenschaft galt, wurde sie 20 Jahre später nur noch als ästhetische Zumutung empfunden. Die Abrissarbeiten erfolgten schließlich im Herbst 2004.

Eine größere Änderung erfuhr der Marktplatz durch die Verlegung des Busbahnhofs an die Kreuzung Schloßstraße und Berliner Straße Ende der 1970-er Jahre. Dieser wiederum musste 1988 vor dem Bau der S-Bahn weichen, die 1996 eröffnet wurde. Im Jahr darauf nahm die Stadt wieder Geld in die Hand, um den Marktplatz umzugestalten. Sie ließ die Bushaltestelle näher zur S-Bahn-Station verlegen, den Gehweg auf der östlichen Seite verbreitern, neue Platten zwischen S-Bahn-Haltestelle und Frankfurter Straße legen sowie neue Leuchten und Bänke anbringen.

Auch heute soll der Eingang zur City attraktiver gestaltet werden. Vorgesehen ist eine optisch zusammenhängende Geh- und Fahrfläche zu schaffen, die durch drei Zentimeter hohe Rundborde abgeteilt wird. Insgesamt sollen die Gehwege breiter und die Fahrbahn dementsprechend enger werden. Die einheitliche Gestaltung der Wege, neue Lampen und Bänke sowie mehr Bäume sollen die Menschen zum Flanieren einladen.

Historie - in Stichpunkten

1702 wurde der Marktplatz vor den Toren Offenbachs angelegt

Bis 1903 fand der Wochenmarkt hier statt (der jetzt auf dem Wilhelmsplatz stattfindet)

Seit dem 19. Jahrhundert war der Marktplatz der Verkehrsknotenpunkt der Offenbacher Innenstadt.

Seit dem 20. Jahrhundert ist der Marktplatz eine wichtige Einkaufsstraße.

In den 1940-er Jahren wurden große Teile der angrenzenden Häuser und Straßen durch den Krieg beschädigt.

Während der 1950-er und 1960-er Jahre erfolgte der Wiederaufbau im Sinne des Leitbildes der autogerechten Stadt. Die zweite Ebene wurde errichtet, um den Fußgänger- vom Autoverkehr zu trennen.

1969 wurde der Straßenbahnbetrieb eingestellt, der Marktplatz wurde somit "gleisfrei.

1979 entstand an der Ecke Martplatz/Berliner Straße ein zentraler Busbahnhof. 1988 wurde dieser bereits wieder aufgegeben.

1996 eröffnete die S-Bahnverbindung Frankfurt-Hanau mit der Station "Marktplatz".

2004 wurden große Teile der zweiten Ebene abgerissen.