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Mit zahlreichen Maßnahmen hat die Stadt Offenbach in den vergangenen Jahren das Mainufer aufgewertet. Das einst vorrangig wirtschaftlich genutzte Ufer bietet heute Raum für die unterschiedlichsten Freizeitaktivitäten, insbesondere in den Sommerferien. Im Interview spricht Marion Rüber-Steins, Referatskoordinatorin im Bereich Stadtentwicklung und Städtebau im Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement über umgesetzte Maßnahmen und Ideen für die Zukunft. Das Interview ist in einer Zeitungsbeilage erschienen, die in den vergangenen Wochen an zahlreiche Haushalte in Offenbach, Fechenheim, Mühlheim und Hanau verteilt wurde.
Erholung am Hafen2 mit Blick Richtung Kaiserlei-Brücke.
Erholung am Hafen2 mit Blick Richtung Kaiserlei-Brücke. © Jessica Schäfer

Welche Rolle spielt der Main für die Offenbacher Stadtplanung?

Naherholung ist das, was die Menschen heute am Fluss suchen. Früher wurde der Main vor allem als Verkehrsweg betrachtet und mit dem Wasser gewirtschaftet. So verlief im Mainvorgelände noch bis vor wenigen Jahren die Trasse der Industriebahn und es gab kaum Aufenthaltsqualität. Das ist heute anders. Wir wollen das Mainband insgesamt als durchgängigen Grünraum von Frankfurt bis Mühlheim in vielen kleinen Schritten entwickeln, so wie es jetzt erstmals im Masterplan Offenbach dokumentiert ist. Daran arbeiten wir schon seit etlichen Jahren, etwa mit dem Neubau des Radweges zwischen Bürgel und Rumpenheim oder dem Kulturgleis und dem Mainuferpark. Dabei wollen wir die Stadt zum Fluss hin öffnen.

Stadt und Fluss trennt der Deich – wird er verschwinden?

Für den innerstädtischen Deich stehen noch Sanierungsmaßnahmen an. Dabei möchten wir eine Öffnung von der Schlossstraße zum Wasser mit einem Einschnitt in den Deich schaffen. Möglich wäre das durch den Einbau von Halterungen für mobile Schutzwände, die dann nur bei Hochwasser eingesetzt werden. Von der Stadt aus würden die Menschen den Fluss wieder stärker als Lebensader wahrnehmen und vom Main aus könnten die Besucher so mehr von der Stadt sehen als nur Hinweisschilder – unter anderem das repräsentative Schloss. Um Stadt und Fluss wieder näher zusammenzurücken haben wir bereits in der Herrnstraße und der Schlossstraße Fußgängerbereiche neu gestaltet und Grünflächen geschaffen. Vorher war die Schlossstraße zum Main hin wenig attraktiv – viel breiter und „autolastiger“.

Warum wird der Deich saniert?

Seit einiger Zeit gelten neue Vorgaben für die Deiche, sie müssen jetzt auf das statistisch höchste Hochwasser in 200 Jahren ausgelegt sein. Das Land Hessen hat bereits begonnen, die Deiche bei Bürgel zu verstärken. Hier hat Offenbach mit erheblichen finanziellen Mitteln dafür gesorgt, dass die geplante rein funktionale Spundwand eine Sandstein-Verkleidung erhielt – und damit die frühere Optik wieder hergestellt ist. Im Zuge der innerstädtischen Deichsanierung – für die Offenbach zuständig ist – wird es auch wieder gestalterische Aufwertungen der Deichmauer selbst sowie Pflanzungen auf Deichkrone und im Mainvorgelände geben.

Könnte der Parkplatz am Mainufer nicht auch mehr Grün vertragen?

Ja, auf jeden Fall. Aber eine reine Parkplatzbegrünung durch Bäume kann es nicht sein: Bäume dürfen in Überschwemmungszonen nur vereinzelt und parallel zum Ufer gepflanzt werden, weil sich bei Hochwasser Gegenstände daran verfangen und das Wasser noch höher aufstauen können. Wir haben schon lange die Vision, den Parkplatz durch Naherholungsangebote zu ersetzen. Aber das ist ein klassischer Interessenskonflikt: Die Parkplätze werden von der lokalen Wirtschaft als überlebenswichtig angesehen. Dennoch wollen wir in diesem Jahr einen kleinen Umbau vornehmen: Radler und Fußgänger teilen sich bisher einen Weg – das wollen wir trennen. Neben dem Fußgängerweg direkt am Main ist eine Grünfläche vorgesehen. Zwischen der Grünfläche und dem Parkplatz verläuft dann der Radweg. Dafür fallen ein einige Parkplätze weg.

Wird es künftig auch gastronomische Angebote am Main in der Nähe der Innenstadt geben?

Das wäre schön. Es ist aber in Überschwemmungsgebieten komplexer so etwas baulich zu realisieren, weil auch die Infrastruktur zum Beispiel für Toiletten jenseits des Deiches geschaffen werden muss. Das vernünftig und in den richtigen Dimensionen hinzubekommen ist schwierig.

Marion Rüber-Steins
Marion Rüber-Steins © Stadt Offenbach

Was geschieht mit dem Alessa-Gelände am Main?

Das Gelände soll wie im Masterplan beschrieben Gewerbegebiet bleiben und künftig stadtverträgliche Industrie beheimaten. Hin zum Main ist es unser Ziel, den Kuhmühlgraben wieder in sein altes Bett hinein zu bringen – derzeit wird er durch ein Rohr um das Allessa-Grundstück herumgeleitet. Das Kuhmühltal soll wieder naturnah und erlebbar werden mit einem Rad- und Fußweg neben dem Graben. Wenn in vielen Jahren die nächste Deichsanierung ansteht, könnte darüber nachgedacht werden, Teile des Kuhmühltals als Retentionsflächen zu gestalten – und den Deich entsprechend zu verlegen. Langfristig möchte Offenbach quer durch das Alessa-Gelände ein Innovationsband von der Offenbacher Straße zur Mühlheimer Straße entwickeln – mit einem grünen Saum in Verlängerung des bestehenden Anlagenrings. Direkt am Main gibt es eine Engstelle vor dem Kuhmühltal. Hier wollen wir mehr Platz für Radweg und Grünflächen schaffen. Das wird schwierig, ist aber unser Planungsziel.

Wie könnte die Entwicklung finanziert werden?

Auf jeden Fall brauchen wir Zuschüsse Dritter, um die teilweise aufwändigen Maßnahmen umzusetzen. Beispielsweise hat Offenbach beim Land Hessen einen Antrag gestellt, damit wir in das Programm Stadt-Umbau aufgenommen werden. Wird das genehmigt, haben wir 15 Jahre Zeit, Projekte zu planen und dafür jeweils Fördermittel für zwei Drittel der Projektkosten von Land und Bund zu bekommen. Ein Drittel der Kosten muss Offenbach dann noch aufbringen. Dafür brauchen wir ein integriertes Handlungskonzept und natürlich müssen die Projekte durch die normalen Planverfahren gehen.

Gibt es weitere Pläne zur Renaturierung?

In den beiden Mainbögen bei uns in Bürgel und gegenüber in Fechenheim ist jeweils vorgesehen, Altarme des Mains wieder auszugraben und naturnah zu gestalten. Von der Offenbacher Innenstadt könnte dann eine Fußgängerbrücke auf die Fechenheimer Seite führen. Das wäre eine schöne Sache, weil das in Verbindung mit dem Arthur-von-Weinberg-Steg für Offenbacher und Fechenheimer auch die Möglichkeit für einen attraktiven Rundweg entlang beider Ufer bietet. Das Vorgelände in Höhe der Schlossstraße ist allerdings sehr schmal. Deshalb ist die Brücke nach Fechenheim auch ein sehr anspruchsvolles Projekt.

Welche Projekte des „Mainbandes“ sind schon angegangen worden seit 2005?

Unter anderem wurden die Gleisanlagen am Hafen abgebaut, die früher etwa dort verliefen, wo heute der Radweg vor dem Mathildenviertel verläuft und noch früher der Hafen der Stadt lag. Wir haben versucht, durch Pflanzungen und Kunst an diese industrielle Vergangenheit des Ufers zu erinnern und konnten auch die Tankschifflöschstelle aus den 60er Jahren erhalten– dafür habe ich zwei Jahre gekämpft. Im Architektursommer im Jahr 2015 wurde der Radweg in Teilen neu gestaltet. Westlich vom MTW sind auch schon Rad- und Fußweg erneuert – da fehlt jetzt noch ein kleines Stück vor dem Radweg über den Main. Wenn das große Projekt Umbau des Kaiserlei-Kreisels startet, soll in der Folge hier auch noch der Anschluss zum Goethering gestaltet werden. Geplant sind mehr grüne Achsen Richtung Main. Der Goethering soll mit mehr Grün als Teil des Anlagenrings wahrnehmbar sein und bis zum Mainufer fortgesetzt werden. Zusätzlich werden am Nordring noch die Parkplätze geordnet, Bäume gepflanzt und die Straße bis zum MTW-Gebäude verschönert.

Was ist für den im Masterplan genannten Park am Nordkap vorgesehen?

Da hier von der alten Teerfabrik tief im Boden Altlasten vorhanden sind, darf hier nicht gebaut werden. Wir würden das gerne als Sport- und Freizeitfläche entwickeln, zum Beispiel. mit einem Skaterpark und Sport- und Spielangebote vor allem für Menschen aus dem Nordend. Gut wäre es, wenn das Gewerbe drum herum sich passenden Themen widmen würde. Ich könnte mir zum Beispiel eine Boulder-Halle vorstellen.

28.07.2016