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Maindeich: Blick von der Friedhofstraße Richtung Innenstadt
© georg-foto.de, offenbach
Was passiert, wenn sich bei einem Hochwasser die Rumpenheimer Mainfähre losreißt und gegen den Deich am Isenburger Schloss knallt? Diese und andere mögliche Gefährdungsereignisse galt es bei den Planungen für die Ertüchtigung der Main-Winterdeiche im Zuständigkeitsbereich der Stadt Offenbach zu berücksichtigen. Dass der Maindeich im Bereich zwischen Carl-Ulrich-Brücke und Friedhofstraße mindestens sanierungsbedürftig, aber auch erhöht werden muss, ist seit 2006 bekannt. Bereits 2011 wurde hierzu ein Grundsatzbeschluss gefasst, der auch eine Deichabsenkung in Höhe des Schlosses vorsieht. Diese soll den Blick auf das Renaissanceschloss vom Main und umgekehrt von der Schloßstraße aufs Wasser ermöglichen.
Visualisierung der Deichabsenkung im Bereich des Isenburger Schlosses
Visualisierung der Deichabsenkung im Bereich des Isenburger Schlosses © Stadt Offenbach
Auf dieser Grundlage hat das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) daraufhin ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Viele technische Details mussten seither geklärt werden: In enger Abstimmung mit dem Ingenieurbüro IPR-Consult und dem RP hat das Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement technische Speziallösungen erarbeitet, die Hochwasserschutz und weitestgehenden Baumerhalt auf dem Maindeich miteinander vereinen. Zudem wurde ein Alarm- und Einsatzplan für den Hochwasserfall erarbeitet, der die verantwortlichen Katastrophenschutzeinheiten koordiniert.

Dass die Mainfähre bis zur Kollision mit dem innerstädtischen Deich bereits ein paar Mainbögen absolviert hätte, steht außer Frage. Trotzdem ist es genau diese Annahme, die der RP den Planern zur Auflage gemacht hat. Denn der Wucht eines solchen Aufpralls würden die mobilen Schutzelemente, die an der Deichabsenkung zum Einsatz kommen müssen, im schlimmsten Fall nicht standhalten. Die Lösung: „Sechs sogenannte Opferdalben im Bereich des Isenburger Schlosses sollen die kinetische Energie aufnehmen und die Fähre, die sich in dem angenommenen Fall zu einem Geschoss entwickelt hätte, abbremsen,“ erläutert Markus Eichberger, Leiter des Amtes für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement, den vom Magistrat erweiterten Grundsatzbeschluss. Hinter den jeweils 1,70 Meter hohen und zirka einen Meter breiten Dalben haben die Planer zum Schutz der Innenstadt einen mobilen Hochwasserschutz aus zwei Meter hohen Metallplatten vorgesehen. Diese sind beim ESO eingelagert und werden bei einer Gefahrenlage in den vorgesehenen Halterungen verankert. Stadtgestalterisch sei dies eine gute Lösung, meint Eichberger und für die Gestaltung der Dalben gebe es auch bereits Ideen, ergänzt Oberbürgermeister Horst Schneider.

Baumbestand erhalten

Der Aufprall war nicht die einzige Nuss, die die Planer zu knacken hatten, schließlich gilt es, den Maindeich unter weitestgehendem Erhalt des Baumbestands zu sanieren. 251 Bäume säumen den Weg auf dem Maindeich aktuell, 253 werden es nach Beendigung der Ertüchtigungsarbeiten wieder sein. „Um Fällungen kommen wir aber nicht herum“, erklärt Eichberger, „132 werden im Laufe der Arbeiten gefällt werden müssen. Dafür sind 134 Neupflanzungen geplant. Weitere werden im Laufe der Zeit ersetzt werden müssen, da sie ihren Lebenszyklus erreicht haben.“ Eine komplette Sanierung des Deichweges und der zur Mainstraße gewandten Deichwand sei aber aufgrund des gewünschten Baumerhalts nicht umzusetzen. „Diese Maßnahmen können wir nur abschnittsweise umsetzen, um die bestehenden Wurzeln der Bäume nicht zu beschädigen.“

Eine weitere Herausforderung stellten unterschiedliche Bodenschichten und Untergründe aus wasserdurchlässigen beziehungsweise wasserundurchlässigen Schichten dar. Hier half ein eigens erstellten mathematisches Grundwasserströmungsmodell, grundwasserhydraulische Fragen zu beantworten und Basisdaten für die Entwicklung eines Spundwand-Systems zu liefern, das über die gesamte Deichlänge zwischen Carl-Ulrich-Brücke und Alessa-Gelände entlang der Mainstraße den Hochwasserschutz übernehmen wird. „Den Hochwasserschutz übernimmt künftig die Spundwand. Der Deich ist technisch dann nicht mehr notwendig“, so Eichberger, „er gehört aber zum Stadtbild.“ 

Waren die Planer 2011 noch von Sanierungskosten in Höhe von 12,1 Millionen Euro ausgegangen, erhöhen Dalbensytem und die Verankerungen im Boden die Kosten auf 13,8 Millionen. Die Stadtverordneten haben dem Beschluss Ende November zugestimmt. Sofern das Regierungspräsidium Darmstadt keine weitere Beteiligungsrunde vorgibt, kann Ende 2018 mit der Sanierung des Maindeichs begonnen werden. Eichberger geht von einer Bauzeit von 2 bis 3 Jahren aus.

Offenbach am Main, 09.11.2016