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Maindeichpromenade mit Parkbank mit Blick auf dem Main
© Offenbach am Main / georg-foto.de
Der Maindeich zwischen Carl-Ulrich-Brücke und Friedhofstraße muss saniert und erhöht werden – das ist schon lange bekannt. Vor acht Jahren hat das Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement den ersten Plan zur Maindeichsanierung dem Regierungspräsidium (RP) Darmstadt vorgelegt. Vor einem Jahr lehnte der Regierungspräsident die damals geplante Deichabsenkung in Höhe des Schlosses aus Sicherheitsgründen ab.

„Was lange währt, wird endlich gut. Diese Weisheit trifft auf die Sanierung des Maindeichs zu“, sagt Paul-Gerhard Weiß bei der Vorstellung der neuen Projektplanung für die Ertüchtigung der Main-Winterdeiche. Es sei nicht einfach gewesen, die teilweise unterschiedlichen Interessen der Bürgerinnen und Bürger und die objektiven Anforderungen an Sicherheit sowie Praktikabilität unter einen Hut zu bringen, so der Baudezernent. Gleichzeitig müsse die Sanierung auch bezahlbar bleiben. Er hält die neue Planung, die sowohl den Wunsch berücksichtigt, die Innenstadt und den Main optisch näher zusammenzubringen als auch den Sicherheitsvorgaben des Hochwasserschutzes Rechnung trägt, für gelungen. Die Vorlage sei schon im Vorfeld breit abgestimmt worden. Ende August soll das Stadtparlament über den Projektbeschluss und die geänderten Planfeststellungsunterlagen abstimmen, danach werden die Unterlagen dem Regierungspräsidium vorgelegt.

Die stellvertretende Amtsleiterin Sigrid Pietzsch erinnert an die intensive Bürgerbeteiligung, die dem Erstellen der Planfeststellungsunterlagen 2011 vorausgegangen war. Die damals geplante Deichabsenkung bei der Schloßstraße sollte dem Wunsch der Bürger Rechnung tragen, den Blick auf das Renaissanceschloss vom Main und umgekehrt von der Schloßstraße auf das Wasser zu ermöglichen. Nachdem das Stadtplanungsamt dem RP die Planfeststellungsunterlagen vorgelegt hatte, verstrichen weitere fünf Jahre für Untersuchungen und Gutachten zur Grundwasserhydrologie, die das RP beanstandet hatte.

Nachdem im Oktober 2017 der zweite Erörterungstermin zum Planfeststellungsverfahren war, erhielten die Planer im April 2018 den Bescheid vom RP, der die geplante Deichabsenkung im Bereich Schloßstraße ablehnte. Der Grund: Es gäbe zu viele Risiken, die im nicht gänzlich auszuschließenden Fall, dass sie alle zusammenkommen, zur Katastrophe führen würden. Wenn beim sogenannten 200-jährlichen Hochwasser auch noch Starkregen auftrete, würde es zu einer Überschwemmung der Mainstraße kommen, die den Aufbau der mobilen Schutzwand verhindern würde. In diesem Fall müssten mehrere Tausend Anwohner evakuiert werden. „Grundsätzlich hätten wir die Sanierung des Maindeiches bis auf die Deichabsenkung an der Schloßstraße umsetzen können“, erinnert sich Pietzsch. Die Stadt wollte aber die Sanierung als Ganzes angehen und beantragte im September 2018 beim RP einen zeitlichen Aufschub, um die Planung zu überarbeiten.

Barrierefreie Zugänge und freie Sicht zum Main

Das Deichtor an der Schloßstraße soll neu gebaut und der Durchgang von derzeit 5,50 auf 15 Meter verbreitert und von aktuell 2,20 auf 2,50 Meter erhöht werden. Zudem soll der Zugang zur Deichpromenade, der derzeit nur über zwei Treppen möglich ist, künftig auf einer Seite auch über eine barrierefreie Rampe möglich sein. Unter dem Treppenaufgang soll eine öffentliche Toilettenanlage gebaut werden. Für den Fall von Hochwasser wird eine mobile Staumauer vor dem Deichtoreingang auf Seiten der Mainstraße vorgesehen. 

Kombination aus Treppe und Rampe am Atzelsbergplatz in Frankfurt
Am Atzelsbergplatz in Frankfurt wurde eine Kombination aus Treppe und Rampe verwirklicht. © Stadt Offenbach

Die neue Planung sieht auch eine neue Lösung für den Mainzugang auf Höhe der Herrnstraße vor. Auch dafür hatten sich Bürger und die Lokale Agenda eine bessere Zugänglichkeit zum Main gewünscht. Hier soll die steile Treppe einer barrierefreien Kombi-Lösung aus Treppe und Rampe weichen. „Das Bauwerk wird 65 Zentimeter hoch sein, sodass man gut drüber schauen kann“, erklärt Pietzsch. Zugleich sei es eine Schwelle gegen Hochwasser und ein mobiler Dammschutz könne einfach aufgebaut werden. „Die neue Planung berücksichtigt nicht nur die Sicherheit, sie verbessert die Verbindung für Fußgänger und Radfahrer, erhöht die Aufenthaltsqualität und ist barrierefrei“, fasst die stellvertretende Amtsleiterin zusammen.

Kosten und zeitlicher Ablauf

Obwohl die neu geplanten Maßnahmen günstiger sind, schätzt das Amt die Sanierungskosten höher als vor sieben Jahren. Das erklärt Pietzsch mit dem Anstieg der Baupreise, den steigendenden Neben- und Deponiekosten. Insgesamt rechnet das Stadtplanungsamt mit Kosten von fast 19 Millionen Euro und damit rund 6,7 Millionen Euro mehr als bei der Vorlage von 2012. „Die gute Nachricht ist aber, dass heute nicht nur 40 Prozent der förderfähigen Kosten gefördert werden, sondern mindestens 80 Prozent“ weiß die Stadtplanerin. Aus diesem Grund steige der städtische Anteil an den Kosten nur geringfügig von knapp 8,6 auf rund 8,7 Millionen Euro. Enthalten sind in dem Betrag auch der Abriss der maroden Sandsteinstützmauer des innerstädtischen Deichabschnitts und der Betonneubau mit Sandsteinverkleidung, der mit 1,8 Millionen angesetzt ist.

Ende August soll der Stadtverordnetenbeschluss zum Planfeststellungsverfahren und Projektbeschluss erfolgen und die Planfeststellungsunterlagen beim RP eingereicht werden. Im Herbst möchte das Stadtplanungsamt die Bürger in einer Informationsveranstaltung über den aktuellen Stand der Deichsanierung informieren. Da die Pläne im Vorfeld schon mit dem RP abgestimmt wurden, rechnet das Amt mit einer schnellen Zustimmung des RP bis Ende dieses Jahres, sodass danach die Ausschreibung erfolgen kann. Aktuell rechnet das Stadtplanungsamt mit einem Baubeginn im Frühjahr 2021 und einer Bauzeit von drei Jahren.

9. August 2019