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Der Grünring am Buchhügel
Der Grünring am Buchhügel © Stadt Offenbach/Gregor Hontscha
Grünflächen oder Verkehrswege schaffen – diese Frage stellten sich schon vor Jahrzehnten politisch Verantwortliche sowie Stadtplaner in Offenbach. 1987 trafen die Stadtverordneten dann eine Entscheidung, die aus heutiger Sicht – in Zeiten des Klimawandels und des veränderten Anspruchs der Bevölkerung an die Lebensqualität in einer Stadt – wegweisend war: Das höchste politische Organ der Stadt stimmte für die Schaffung eines Grünrings durch Offenbach.

Die Entscheidung wird vielen nicht leicht gefallen sein, galt es doch abzuwägen zwischen dem Konzept einer Grünringentwicklung und einer geplanten Südumgehung zwischen der Bieberer Straße und der Sprendlinger Landstraße. Verkehr versus Naherholung. Doch zu jener Zeit hatte sich bereits der Eindruck gefestigt, dass der Offenbacher Weg einer autogerechten Stadt beispielsweise mit Zweiten Ebenen für die Fußgänger, die das frühere Bild der Innenstadt prägten, nicht mehr tragbar war. Wenig später wurden die Betonbrücken abgerissen und die Stadtplaner wandelten sukzessive die geplante Trasse der Südumgehung in ein Rad- und Fußwegenetz um, das heute eine wichtige klimatische Funktion einnimmt und der Stadtbevölkerung Naherholung ermöglicht.

1976 wurden die Weichen für die Umsetzung gestellt

Bereits 1976 wurden die Weichen für die Umsetzung des Offenbacher Grünrings gestellt. Durch das ausführliche Freiflächenkonzept des Planungsbüros Grebe wurde schon damals das Potenzial der Offenbacher Freiflächen erkannt und die Entwicklung eines durchgehenden Grünzuges als verbindendes Element zwischen den separierten Grünflächen der Stadt in Betracht gezogen. Ziel der Stadt Offenbach war es, einen positiveren Ersteindruck der Stadt zu schaffen. Weg von dem altindustriellen Charakter der autogerechten Stadt hin zu einer grünen Infrastruktur. Auch die Bezeichnung Offenbachs als Stadt zwischen Fluss und Wald war zusehends unglaubwürdiger geworden und hatte den Handlungsdruck auf die Stadt erhöht, um dieses Image aufrechtzuerhalten. So wurde der Gedanke eines umfassenden Grünrings durch Offenbach 1984 in einem Flächennutzungsplan festgesetzt.

Bis 1998 wurde ein vielschichtiger Maßnahmenplan ausgearbeitet und die Umsetzung in drei Realisierungsstufen eingeteilt. 1999 wurde in einem ersten Teilabschnitt ein neuer drei Meter breiter Weg gebaut. Zusätzlich wurden an mehreren Standorten landschaftspflegerische Maßnahmen wie Baumpflanzungen und Mauerbegrünungen vorgenommen und hierdurch das Erscheinungsbild deutlich verbessert.

Zahlreiche Flächen für Freizeit und Erholung

Heute ist der Grünring ein großzügiges durchgehendes Landschaftsband, das die in Richtung Main verlaufenden Talräume und wichtige stadtnahe Parkanlagen und Freiräume miteinander verbindet. Er umschließt im Westen, Süden und Osten den engeren, dichtbebauten Bereich der Offenbacher Kernstadt von Main zum Main. Dieses landschaftliche Verbindungselement ist von großen Teilen der Stadt aus direkt erreichbar und bietet den Offenbacherinnen und Offenbachern zahlreiche Flächen für Freizeit- und Erholungsaktivitäten. Die lückenlose Fuß- und Radwegerschließung stellt eine attraktive Wander-, Lauf- und Radfahrstrecke dar, und bietet im Routennetz des Regionalparks Rhein-Main eine reizvolle Verbindung in die umgebende Landschaft.

Das gemeinsame Interesse des Regionalparks Rhein-Main mit der Stadt Offenbach, die Freiflächen der Regionen miteinander zu verknüpfen und erlebbare Landschaftsräume zu schaffen, veranlasste im weiteren zeitlichen Verlauf die beiden Parteien zu einer Zusammenarbeit. Um das Vorhaben langfristig zu sichern, erwies es sich als sinnvoll, den Grünring dem Regionalpark anzugliedern. Im Jahr 2000 wurde deshalb eine Vereinbarung zwischen der Stadt Offenbach und dem damaligen Umlandverband Frankfurt getroffen: Der Grünring vom Main zum Main wurde offizieller Bestandteil des Regionalparks.

Beschilderung des Grünrings
Beschilderung des Grünrings © Stadt Offenbach/Gregor Hontscha

Regionalpark: Einheitliches Orientierungssystem und Logo

Im Jahr 2001 beschloss die Stadtverordnetenversammlung den 2. Realisierungsabschnitt, das heißt den Ausbau des Talwegs Buchhügel. Es wurde ein insgesamt 810 Meter langer und drei Meter breiter Rad- und Gehweg am Talgrund des Buchhügels in Ost-West-Richtung gebaut und somit eine durchgängige Verbindung zwischen Rheinstraße und Amerikawald geschaffen. So bindet die neue Regionalparkroute im Westen in der Nähe der Senefelderstraße und im Osten in der Nähe des Hainbachs den Talweg Buchhügel ein.

Um den Regionalpark im gesamten Rhein-Main-Gebiet als durchgängig wiedererkennbare Landschaft darzustellen, wurden ein einheitliches Orientierungssystem und ein typisches Logo erarbeitet, das auch den Grünring einbezog. Die gemeinsame Beschilderung vom Regionalpark Rhein-Main und dem Grünring verstärkt die Zusammengehörigkeit der beiden Projekte. Die Beschilderung besteht im Wesentlichen aus Info-Stelen, die eine schematische Darstellung des Gebietes abbilden und zusätzliche Standort-Informationen bieten.

Bis zum 3. Realisierungsabschnitt klaffte noch eine letzte große Lücke im Grünring im Bereich Senefelderstraße/Waldstraße/Hainbach. Dort verlief die Route bisher provisorisch auf dem nahe gelegenen Industriebahnweg. Seit Herbst 2008 verläuft nun zwischen Senefelderstraße und Hainbachtal eine eigene Fuß- und Radwegeverbindung. Da das Umfeld durch höhere Wohngebäude und gewerbliche Nutzungen gekennzeichnet ist, wurde der Bereich in erheblichem Umfang entsiegelt und begrünt. Das Projekt umfasste rund 9.000 Quadratmeter neu angelegte Grünflächen mit rund 50 neu gepflanzten Bäumen und die Entsiegelung von 1.750 Quadratmetern Asphaltflächen. Um zu signalisieren, dass der Grünring die vom Verkehr geprägte Waldstraße quert, wurde durch Baumpflanzungen und eine platzartige Aufweitung ein starkes Grünvolumen entwickelt. Die neuen Grünflächen wurden durch einen zirka 700 Meter langen neuen Weg erschlossen.

Wetterpark-Besucherzentrum
Besucherzentrum am Wetterpark © Stadt Offenbach

Wetterpark ist zentrales Ausflusgziel

Ein zentrales Ausflugsziel entlang des Grünrings stellt bis heute der Wetterpark Offenbach dar. 2004 beschlossen die Stadtverordneten, einen Wetterpfad auf dem Buchhügel als wichtigen Bestandteil der regionalen Identität des Rhein-Main-Gebiets zu errichten. Das Gemeinschaftsprojekt der Stadt Offenbach, des hier ansässigen Deutschen Wetterdienstes sowie des Planungsverbandes Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main ging 2005 an den Start. Auf 20.000 Quadratmetern vermittelt der Lehr- und Erlebnispfad an verschiedenen Stationen das Zusammenspiel von Sonne, Luft und Wasser. Wetterphänomene werden allgemein verständlich wissenschaftlich erklärt.

Mit der Errichtung des Besucherzentrums im Sommer 2014 werden diese Wetterphänomene zusätzlich sinnlich erfahr gemacht. Nicht nur junge Besucher haben ihre Freude daran, in einer Wassersäule einen Tornado zu entfachen, einen ganz persönlichen Regenbogen zum Leuchten zu bringen, Landschaften virtuell zu gestalten, per Fön Windgeschwindigkeiten zu imitieren oder Wetterstimmungen wie Sturm oder Gewitter visuell und mit Geräuschkulissen zu erzeugen. Seither haben sich der Wetterpark und sein Besucherzentrum zum Publikumsmagneten und zur wichtigsten Sehenswürdigkeit Offenbachs entwickelt: Jährlich kommen rund 40.000 Besucherinnen und Besucher aus ganz Deutschland, aber auch Besuchergruppen aus allen Teilen der Welt nach Offenbach, um im Wetterpark Station zu machen.

07. August 2017