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Die Stadt Offenbach am Main widerspricht der öffentlichen Darstellung, sie habe es im Zusammenhang mit Rissen an privaten Gebäuden an Unterstützung für die Hauseigentümer und Transparenz fehlen lassen: „Das genaue Gegenteil ist richtig. Weil uns das Problem zunehmend beschäftigt, hat die Stadtverwaltung mit erheblichem Aufwand, Einsatz und externer Expertise ein transparentes und fachlich abgesichertes Prüfschema zur Ursachenfeststellung entwickelt. Am wiederholt vorgetragenen Vorwurf, sie klammere sich dogmatisch selbst dann an Bäume, wenn diese für Gebäudeschäden verantwortlich sind, ist nichts dran,“ stellt Bau- und Umweltdezernent Paul-Gerhard Weiß klar.
Zu den während langer trockener Hitzeperioden in ganz Offenbach häufiger aufgetretenen Rissen an Gebäuden hat die Stadt Offenbach unter Federführung des Bau- und Umweltdezernats bereits 2019 ein Projekt in Gang gesetzt mit Beteiligung unterschiedlicher Fachämter und des ESO. Damit wurde für alle Hausbesitzer ein standardisiertes Prüfverfahren entwickelt und wichtige Grundlagen zusammengetragen, um kostensparend und zielgerichtet die möglichen Ursachen für Häuserrisse zu erforschen. Dazu informiert die Stadt in Kürze bei einer Pressekonferenz und legt einen Leitfaden vor.

Im Rahmen des Pilotprojekts wurden drei Grundstücke in der Krafftstraße umfangreich untersucht. Eigentümern in der Straße war angeboten worden, auf Kosten der Stadt die möglichen Ursachen für Risse durch Untersuchungen festzustellen. Zugrunde lag die Vermutung der Hauseigentümer, dort vorhandene Straßenbäume könnten eine Ursache sein. Ziel der Stadt war es, sowohl ein zielführendes Vorgehen für Hausbesitzer im Falle von Gebäuderissen zu entwickeln, als auch größtmögliche Transparenz ins Verfahren zu bringen.

„Eine Kommune ist nicht verpflichtet, für private Eigentümer die Ursachenforschung für Schäden an deren Gebäuden zu betreiben. Die Stadt hätte lediglich die Rolle der Bäume am Geschehen überprüfen lassen müssen. Wir haben das aber in diesem Fall auf eigene Kosten angeboten, um exemplarisch alle Schritte zu gehen. Gleichzeitig ist daraus ein Leitfaden für andere Hauseigentümer entstanden. Leider haben das Angebot nur zwei der Eigentümer angenommen – die anderen haben dies abgelehnt bzw. gar nicht geantwortet“, erläutert Baudezernent Paul-Gerhard Weiß.

Um alle möglichen Ursachen zu erkunden, wurden Gutachten verschiedener Fachrichtungen in Auftrag gegeben, unter anderem zur Bauphysik und Statik, zu Baugrund und Boden, zum Zustand der Hausanschlüsse sowie zur Baumphysiologie.

„Alle Gutachten, bezogen auf den öffentlichen Raum, legen wir, wie immer kommuniziert natürlich offen. Bei den Gutachten zu privaten Grundstücken und Gebäuden verbietet es der Datenschutz, dass wir diese veröffentlichen. Sie enthalten zum Beispiel Fotos vom Inneren der Häuser und Aussagen zu den privaten Gebäuden, mit deren Veröffentlichung wir uns strafbar machen würden. Deshalb stellen wir diese kostenlos den Eigentümern der Grundstücke zur Verfügung – sie können dann frei entscheiden, was mit ihren geschützten Daten passiert“, so Weiß.

Die letzten Arbeiten bei der Zusammenstellung aller Informationen laufen, und ein Treffen mit den Hauseigentümern der untersuchten Häuser ist für den 12. Oktober vereinbart worden. Dort werden die Ergebnisse der Untersuchungen vorgestellt. Einen Tag später sind die Medien eingeladen, um das ganze Projekt für alle Offenbacherinnen und Offenbacher vorzustellen.

„Das ist alles schon seit Wochen geplant – wir haben kein Interesse, etwas geheim zu halten. Es wurde sehr viel Energie, Zeit und die Arbeit vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dieses Projekt investiert“. Die Gutachten der beiden untersuchten Grundstücke werden jetzt vorab von Eigentümern angefordert, die nicht bereit waren, an dem Projekt mitzuwirken, und Untersuchungen auf ihrem Grundstück abgelehnt haben.

Eigentümer aus der Krafftstraße haben öffentlich behauptet, die Stadt halte ein Bodengutachten seit Januar 2020 zurück. Diese Behauptung ist falsch. Das Bodengutachten wurde vom Gutachter erst im Juli abschließend fertiggestellt, vorher konnte es folglich nicht zur Verfügung gestellt werden. Bereits im Februar wurden jedoch einige Eigentümer aufgefordert, sich wegen des Zustands ihres Gebäudes kurzfristig mit dem Gebäudesachverständigen in Verbindung zu setzen. Das wurde jedoch nicht wahrgenommen.

Baumfällung löst Problem der Eigentümer nicht

Unter den von Eigentümern der Krafftstraße bei der Stadt eingereichten Unterlagen ist kein Beweis enthalten, dass die Bäume in Zusammenhang mit den Rissen an Häusern stehen. Es gibt Unterlagen von Firmen, die ohne entsprechende Untersuchungen diese Behauptung aufstellen. Anders als öffentlich von einigen Eigentümern behauptet, befinden sich bei den Unterlagen auch keine geologischen Gutachten, die sich auf den Baumbestand der Krafftstraße beziehen.

In einem offenen Brief fordert ein Eigentümer die umgehende Fällung der Bäume. Wie von Anfang an kommuniziert, macht dies nur Sinn, wenn die Bäume ursächlich an der Bodenschrumpfung beteiligt sind. Genau dies hat das Pilotprojekt untersucht. Entsprechende Ergebnisse werden auf der Pressekonferenz vorgestellt. „Wenn jetzt erneut unabhängig von den Ergebnissen gründlicher empirischer Untersuchungen die Fällung der Bäume gefordert wird, hat dies keine fachliche Grundlage. Eine schnelle Fällung auf Verdacht hätte selbst bei einer Beteiligung der Bäume am Geschehen kurzfristig keine Auswirkungen auf das Schrumpfungsverhalten des Bodens“, erläutert Weiß. Ton nimmt nur schwer wieder Wasser auf, und auch dann vergrößert sich das Volumen nicht auf die vorherige Menge. Deshalb sei man gut beraten, die Ergebnisse der in Kürze vorliegenden umfangreichen Untersuchung abzuwarten und zu berücksichtigen.

Mit dem jetzt abgeschlossenen Verfahren hat die Stadt Offenbach allen Offenbacherinnen und Offenbachern einen Weg erschlossen, wie sie mit ihren privaten Häusern und dort auftretenden Rissen umgehen können. Dabei wird auch erläutert, wie wichtig es ist, verschiedene Fachbüros zu konsultieren und damit die wichtigen Informationen zu erhalten. Alle Erkenntnisse aus dem Projekt werden demnächst auf www.offenbach.de veröffentlicht und auch im Baubüro ausgelegt.

Zeitskala

Ende Februar 2019:
Gemeinsame Entscheidung beteiligter Ämter und ESO für ein Pilotprojekt.

Februar 2019:
Information der Öffentlichkeit

12.Juli 2019:
Magistratsbeschluss zur Freigabe der Mittel

25.07.2019:
Beauftragung Baum- und Bodengutachten

August 2019:
Information der Öffentlichkeit

Juli bis September 2019:
Suche nach Freiwilligen unter Eigentümern für Grundstücksuntersuchungen, erste Zustimmung Anfang September 2019

25.09.2019:
Auftrag Gebäudesachverständiger mit Beweissicherung

Oktober bis Dezember 2019:
Beweissicherung Gebäude, Freimessung durch Kampfmittelräumdienst, Bodenschurf mit Saugbagger zur pF-Wert-Bestimmung (Wasserverfügbarkeit für Bäume) sowie Bodenproben auf Bodenzusammensetzung, Wassergehalt, Schrumpfmaß, Korngrößenverteilung, Nährstoffe, Blattuntersuchungen

Februar 2020:
Befahrung der Hausanschlüsse
Überprüfung der Trinkwasserleitung

Februar bis Juli 2020:
Ausarbeitung der Gutachten, die teilweise aufeinander aufbauen.

Mai 2020:
Erweiterungsauftrag an den Gebäudesachverständigen für die  abschließende Bewertung der Schadursache aus den Teilgutachten der verschiedenen Fachgebiete.

Juli bis August 2020:
Herstellung Flyer und Broschüren für Bürgerinnen und Bürger

September 2020:
Eingang von Gutachten, die nach Prüfung noch unvollständig waren.

September 2020:
Einladung an Eigentümer Krafftstraße zur Vorstellung der Ergebnisse der Untersuchungen am 12. Oktober

Oktober 2020:
Pressekonferenz und Vorstellung Ergebnisse

Oktober bis November 2020:
Einpflegen der Informationen in Internetseite

 

Offenbach am Main, 2. Oktober 2020