Sprungmarken
Suche
Suche

Um demokratische Grundwerte zu stärken und gegen politische sowie religiöse Radikalisierung vorzugehen, hat das Bundesfamilienministerium das Programm „Demokratie leben!“ gestartet. Es fördert bundesweit lokale „Partnerschaften für Demokratie“. Die Stadt Offenbach beteiligt sich an dem Programm und wird die bis 2019 zur Verfügung gestellten Fördermittel in Höhe von bis zu 340.000 Euro einsetzen, um die Präventionsarbeit im Bereich religiös motivierter Extremismus auszubauen. Hierfür hat sie als Projektpartner den Arbeiterwohlfahrt (AWO) Kreisverband Offenbach-Land gefunden.

Auf der Magistratspressekonferenz am 1. September erläuterte Ordnungsdezernent und Bürgermeister Peter Schneider: „Die Beteiligung am Bundesprogramm ,Demokratie leben‘ ist ein weiterer Baustein in der Offenbacher Präventionsarbeit.“ Um Fehlentwicklungen und Fehlverhalten – gerade von Jugendlichen – präventiv zu begegnen, gibt es bereits die Lenkungsgruppe Prävention in Offenbach. In diese sind die hauptamtlichen Magistratsmitglieder, das Ordnungsamt, der Polizeipräsident, die Staatsanwaltschaft, der Ausländerbeirat, das Schulamt, das Jugendamt, der Amtsgerichtsleiter sowie der Verein Sicheres Offenbach vertreten. „In der Lenkungsgruppe geht es vor allem darum, sich über verschiedene Entwicklungen auszutauschen und zu prüfen, welche Bedarfe es gibt, um Fehlentwicklungen entgegen zu wirken.“

Um die Präventionsarbeit nun auch insbesondere im religiös geprägten extremistischen Umfeld zu verstärken, hat das Ordnungsamt gezielt nach einem Programm gesucht, das dafür Mittel zur Verfügung stellt, ergänzte Frank Weber, stellvertretender Leiter des Ordnungsamts: „Wir wollen diesen Extremismus entzaubern, denn im Rhein-Main-Gebiet gibt es eine starke Szene von religiösen Extremisten und eine hohe Anzahl an potenziell anfälligen Jugendlichen."

Präventionsarbeit an Schulen fördern und Multiplikatoren schulen

Das Fördergeld soll unter anderem für die Präventionsarbeit an Schulen sowie für Informations- und Beratungsangebote für Lehrkräfte und Sozialarbeiter eingesetzt werden. Die bewilligten Mittel werden laut den Leitlinien zum Bundesprogramm an einen sozialen Träger weitergeleitet, der eine Koordinierungs- und Fachstelle einzurichten hat. Darüber hinaus müssen ein Begleitausschuss, der aus Verwaltungsangestellten und Vertretern der Zivilgesellschaft wie Vereine und Verbände besteht, und ein Jugendforum eingerichtet werden. Für die Projektträgerschaft hatten sich im August drei Vereine beworben. Den Zuschlag hat der AWO Kreisverband Offenbach-Land erhalten, die bereits Erfahrungen mit dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ hat. Die AWO hat im Kreis Offenbach sowie in den Kreiskommunen Langen und Dietzenbach insgesamt drei Koordinierungs- und Fachstellen eingerichtet, berichtete der Geschäftsführer der AWO Offenbach-Land, Dirk Hartmann. Seit Ende 2014 begleitet die AWO somit im Bundesprogramm diverse Projekte im Kreis.

Sarah Hohmann, AWO Kreisverband Offenbach-Land: "Menschen auf Augenhöhe erreichen"

„Wir wollen die Menschen auf Augenhöhe erreichen, daher sind niedrigschwellige Angebote wichtig“, erklärte Sarah Hohmann, AWO-Bereichsleiterin für Migration und Projekte. Umgesetzt wurden Theaterprojekte an Schulen zu den Themen Vielfalt und Diskriminierungserfahrungen. In Langen durften Jugendliche journalistische Grundbausteine erlernen. Sie seien zum Landtag gefahren, haben Interviews geführt und sich mit Politik auseinandergesetzt. Die Aufgabe der Koordinierungs- und Fachstelle sei es, so Hohmann, vor allem Partner zu finden, die geeignete Projekte umsetzen können, aber auch Multiplikatoren darüber zu informieren, wie Radikalisierung funktioniere und wie sie potenzielle Gefährdungslagen erkennen können. Welche Projekte realisiert werden, entscheide die Koordinierungs- und Fachstelle zusammen mit dem Begleitausschuss.

2. September 2016