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In Offenbach gibt es ein Angebot für alle, die sich an der frischen Luft fit halten wollen. Der Offenbacher Bewegungsparcours befindet sich im Park des Seniorentreffs Emil-Renk-Haus, Gersprenzweg 24. Der Offenbacher Publizist Lothar R. Braun hat ihn getestet und kommt zu dem Schluss: Für diese anregende Erfahrung ist man nie zu alt.

Freihändig kriege ich das Gleichgewicht nicht hin auf der Schwebenden Plattform. Nicht beim ersten Mal. Die Plattform ist kaum größer als eine Fußmatte und beginnt schon zu schwingen, wenn man sie nur scharf anguckt. Und dann soll man auf ihr auch noch ein Bein anheben! Was man dabei empfindet, kann bei einem Erdbeben nicht anders sein. Aber es gibt Haltegriffe, an die ich mich klammern kann. Der Übung schaut eh keiner zu. Überlaufen ist der „Bewegungsparcours Tempelsee“ nicht, den die meisten freilich als „Seniorenparcours“ bezeichnen.

Also noch einmal. Und dann abermals. Sieh an, es geht ja! Zuerst ein wenig, dann ein bisschen mehr. Man darf halt nicht zu früh aufgeben, wenn man das satte „Ich kann das“-Gefühl genießen will. Jetzt jedenfalls wünsche ich mir ein Publikum, das Beifall spendet.

Bewegungspark für Senioren am Emil-Renk-Haus
© Bernd Georg

Sechs Geräte fordern im Tempelsee-Park am Gersprenzweg dazu auf, die Beweglichkeit der Gelenke und die Ausdauer der Muskeln sowohl zu erproben wie zu stärken. Ein kleines Fitness-Center unter Bäumen ist das, gleich hinter dem Seniorentreff „Emil-Renk-Haus“.

Eines der Geräte tritt wie ein Spielzeug für Kinder auf: eine senkrechte Scheibe, vor Kopf und Brust zu drehen, einfach so. Ein Klacks, so scheint es. Erst allmählich wird das Ding zu einem Gegner, der besiegt werden will. Dabei besiegt man ja nicht das Gerät, sondern die Last der Jahre. Es ist ein lustvoller Triumph. Und keiner ist zu alt, ihn genießen zu können.

Tausende üben regelmäßig in Wald und Flur das Nordic Walking, bei dem die Beine und die durch Stöcke verlängerten Arme im gleichen Takt schwingen. In Tempelsee lässt sich eine Erfindung bestaunen, die es erlaubt, ohne Fortbewegung nordisch zu walken. Das gestattet sozusagen den ortsfesten Spaziergang – jederzeit dicht an der Omnibus-Haltestelle und gleichwohl in frischer Luft. Wer das für unsportlich hält, der gehe hin und übe. Senioren lockt der Parcours in Tempelsee mit einer Bequemlichkeits-Offerte. Für Liegestützen, zum Beispiel, muss sich hier keiner auf den Waldboden werfen wie ein Rekrut auf den Kasernenhof. Hier findet man ein Gerät, das die Liegestütze zur Stehstütze mit leichter Körperneigung werden lässt. Dabei wird allerdings empfohlen, nach vierwöchigem Training die Neigung zu senken und nach sechs Wochen ein weiteres Mal. Wenn dabei geschnauft wird, verstummen respektvoll die Vögel im Geäst und die Eichhörnchen verneigen sich. Denn sie halten für Leistung, was für unsereinen reines Vergnügen ist.

Bewegungspark für Senioren am Emil-Renk-Haus
© Bernd Georg
"Kostet das hier was?“ fragt ein Weißhaariger, der sein Fahrrad angehalten hat. Nein, das kostet nix. Die Geräte hat eine private Stiftung für Altenhilfe spendiert. Zur Nutzung seien sie freigegeben von 6 bis 20 Uhr, sagt eine Hinweistafel. Es ist jedoch nicht bekannt, dass zu anderen Zeiten mal jemand vom Platz gewiesen wurde. Hier bist du frei, hier kannst du dich ausleben. Auf einer Spielwiese wird nichts verlangt, aber vieles ermöglicht, auch die Lust. Wo steht denn geschrieben, dass nur Kinder einen Spielplatz benötigen