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In Offenbach benötigten über 2000 Menschen in 2017 eine gesetzliche Betreuung. Rund die Hälfte aller vom Gericht bestellten Betreuungen übernehmen nahe Angehörige. Berufsbetreuer kümmern sich um die geschäftlichen und rechtlichen Angelegenheiten von Menschen ab 18 Jahren und regeln diese, sofern diese selbst nicht in der Lage dazu sind.

Die Betreuungsbehörde der Stadt Offenbach sucht Interessierte, welche als Berufsbetreuer die geschäftlichen und rechtlichen Angelegenheiten von Menschen ab 18 Jahren regeln, sofern diese selbst nicht in der Lage dazu sind. „Wir sind auf der Suche nach interessierten Sozialpädagogen, Sozialarbeitern, Pädagogen, und Menschen aus medizinischen Berufen, welche die verantwortungsvolle Aufgabe eines Berufsbetreuers übernehmen“, erklärt Stephanie Ludwig von der Betreuungsbehörde. Neben der fachlichen Qualifikation bedarf es dafür auch Lebenserfahrung, Empathie und eine gute Portion Beharrlichkeit.

In Offenbach benötigten über 2000 Menschen in 2017 eine gesetzliche Betreuung. Rund die Hälfte aller vom Gericht bestellten Betreuungen übernehmen nahe Angehörige. „Es wäre schön, wenn möglichst viele Menschen eine Vorsorgevollmacht ausfüllen und selbst entscheiden, von wem sie betreut werden möchten“, erklärt Susanne Pletscher von der beim Sozialamt angesiedelten Betreuungsbehörde. Auch Eltern behinderter Kinder sollten sich mit dem Thema auseinandersetzen, denn sobald das Kind 18 Jahre wird, bestellt der Staat automatisch einen Betreuer. Die Betreuungsbehörde berät zu Vorsorgevollmachten und schreibt Stellungnahmen für das Betreuungsgericht.

Nicht immer findet sich innerhalb der Familie oder des Bekanntenkreises jedoch eine geeignete Person, welche eine rechtliche Betreuung übernehmen will oder kann. In 1,5 Prozent der Fälle übernimmt der Betreuungsverein Offenbach von der AWO die Aufgabe. Er berät auch ehrenamtliche Betreuer.

Doch in sehr vielen Fällen springen Berufsbetreuer ein. „Wir erhalten eine pauschale Fallvergütung zwischen 8,5 und 3,5  Stunden pro Monat, je nach Dauer der Betreuung und Vermögensstand des Betreuten. Die Höhe des  Vergütungssatzes hängt von der Ausbildung ab“, erzählt Berufsbetreuerin Petra Janßen. Der Satz variiert zwischen 27 und 44 Euro. Wer als Berufsbetreuer anfangen will, muss mindestens 11 Betreuungen übernehmen. „Davon können Sie aber nicht leben“, erläutert Pletscher. Im Schnitt sind die Berufsbetreuer für 30 bis 50 Menschen zuständig und trotzdem verpflichtet, den persönlichen Kontakt zu allen Betreuten zu pflegen.

Berufsbetreuer Rudolf Schachner reizt die Selbständigkeit und die Abwechslung an dieser Aufgabe. „Es sind keine großen Investitionen nötig. Man kann von zu Hause arbeiten oder eine Bürogemeinschaft gründen. Es ist spannend und jeden Tag anders. Man kann etwas bewirken.“ Berufsbetreuer müssen sich selbst versichern und einen Rechenschaftsbericht an die Betreuungsbehörde und das Amtsgericht senden.

Die derzeit für die Stadt Offenbach tätigen Betreuer stoßen an ihre Grenzen und können oft keine neuen Klienten annehmen. Dies liegt einerseits daran, dass langjährig in Offenbach tätige Betreuer in den Ruhestand gehen und es demgegenüber kaum „Nachwuchs“ gibt. Fachkräftemangel bei Sozialarbeitern und Sozialpädagogen und eine Vielzahl freier Stellen auf dem Markt führen zu weniger verfügbaren Kräften. Vor einigen Jahrzehnten war das noch genau umgekehrt.

Der Mangel an Nachwuchs hat auch zu einer „Überalterung“ des Berufsstandes geführt. Nach den aktuellen Mitgliederzahlen des Bundesverbandes der Berufsbetreuer BdB e.V. (Stichprobe von 6.570 Mitgliedern als natürliche Personen) werden bundesweit 51 Prozent der Berufsbetreuer/innen innerhalb der nächsten 12 Jahre die Rentenaltersgrenze erreicht haben, knapp 10 Prozent sind bereits jetzt schon über 65 Jahre alt. (Quelle: Umfrage zur Nachwuchsgewinnung, Betreuungsbüro Kutscher).

Diese Entwicklung ist inzwischen auch in Offenbach deutlich zu spüren. Deshalb sucht die Betreuungsbehörde neue Berufsbetreuer. Alle im Bereich der Stadt Offenbach tätigen gesetzlichen Betreuer werden durch das Amtsgericht Offenbach bestellt und bezahlt. „Zentrale Anforderungen sind Kenntnisse über psychologische Erkrankungen, Empathie, gute Nerven, Standfestigkeit und Lebenserfahrung“, so Pletscher.

Für Berufsbetreuer gibt es bundesweit, aber auch im Rhein-Main-Gebiet eine Vielzahl an Fortbildungen, sowohl zu rechtlichen Themen, aber auch fachlichen Themen wie der spezifischen Krankheitsbilder der zu Betreuenden. Zudem unterstützt die Betreuungsbehörde Berufsbetreuer bei der Ausübung ihrer Arbeit und steht mit Rat und Tipps zur Seite. Auch haben Berufsbetreuer die Möglichkeit sich dem Bundesverband der Berufsbetreuer (BdB) anzuschließen. Der BdB vertritt die Interessen der Betreuer und bietet den Mitgliedern Service in den Bereichen Rechtsberatung, EDV und Weiterbildung an.

Daten und Fakten

  • Seit dem 01.01.1992 gibt es das Betreuungsbehördengesetz. Die rechtliche Betreuung hat damit die wesentlich weitreichendere Vormundschaft abgelöst.
  • Nach Paragraph 8 Betreuungsbehördengesetz ist es Aufgabe der örtlichen Betreuungsbehörde, geeignete Betreuer zu gewinnen.
  • Grundlage für die Einrichtung einer Betreuung ist Paragraph 1896, Abs. 1 BGB:
    „Kann ein Volljähriger auf Grund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung seine Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht besorgen, so bestellt das Betreuungsgericht auf seinen Antrag oder von Amts wegen für ihn einen Betreuer (…)“.
  • Über 1,3 Millionen Menschen werden derzeit in Deutschland rechtlich betreut – ihnen stehen ca. 12.000 Berufsbetreuerinnen und -betreuer zur Seite. (Quelle: Bundesverband der Berufsbetreuer/innen)
  • Zum 31.12.2017 hatte Offenbach 111.943 Einwohner über 18 Jahren, davon standen über 2000 Personen unter Betreuung.
  • Etwa 50 Prozent der Betreuungen werden durch Berufsbetreuer geführt.
  • Die Betreuungen werden ehrenamtlich oder von Berufsbetreuern – vorwiegend aus dem pädagogischen, juristischen und medizinischen Bereich – geführt.
  • Berufsbetreuer arbeiten selbständig und rechnen pauschal mit dem Betreuungsgericht ab.
  • Interessenten sollten in der Lage sein, sowohl administrative Tätigkeiten auszuführen, als auch mit schwierigen und komplexen Situationen Lebenssituationen umzugehen.
  • Erfahrungen im Umgang mit Menschen mit psychischen Erkrankungen sind erforderlich.
  • In Offenbach arbeiten derzeit 80 Personen als Berufsbetreuer, wovon 13 Prozent das Rentenalter bereits erreicht haben und 33 Prozent zwischen 55 und 65 Jahren sind.
  • Informationen zum Einstieg als Berufsbetreuer gibt es bei der Betreuungsbehörde der Stadt Offenbach, Berliner Straße 60, 63065 Offenbach, Rufnummer 069 8065-2492, E-Mail: zeising-ludwigoffenbachde
  • Betreuungsverein Offenbach: https://awo-of-stadt.info/kreisverband-of/betreuungsverein.html