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Bürgermeister Peter Freier (rechts im Bild) mit Anton Fröhlich.
Bürgermeister Peter Freier (rechts im Bild) mit Anton Fröhlich. © Stadt Offenbach / georg-foto.de
Seit 1982 engagiert Anton Fröhlich sich für PRO RETINA Deutschland e.V., eine Selbsthilfegruppe von Menschen mit Netzhautdegenerationen, deren Mitglieder nicht nur die Krankheit bewältigen und selbstbestimmt leben, sondern auch die medizinische Forschung in diesem Bereich fördern wollen. Seit 1989 ist er außerdem in der Behinderten-Sportgemeinschaft Offenbach 1953 e.V. (BSG) aktiv, die auch Sport für Blinde und Sehbehinderte anbietet. Für sein Engagement hat er nun die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland und den Sportehrenbrief der Stadt Offenbach am Main erhalten. Beide Auszeichnungen wurden am Donnerstag, 8. August, von Bürgermeister Peter Freier im Stadtverordneten-Sitzungssaal im Offenbacher Rathaus überreicht.

Zu seinem Eherenamt gekommen ist Anton Fröhlich aus Liebe: 1962 hat er auf einer Kerb am Nassen Dreieck in Offenbach seine zukünftige Ehefrau Ingrid kennengelernt, die schon seit ihrer Schulzeit sehbehindert ist. Zwei Jahre später haben die beiden geheiratet. Als sich die Sehkraft von Ingrid Fröhlich 1982 verschlechterte, traten beide der Vereinigung Retinitis Pigmentosa, dem heutigen Pro RETINA Deutschland e.V., bei. 1985 gründete Anton Fröhlich die Regionalgruppe „Stadt und Kreis Offenbach“ und war bis 2018 ihr Vorsitzender. 

Stammtische für Betroffene und Info-Veranstaltungen

In dieser Funktion organisierte er monatliche Stammtische sowie Informationsveranstaltungen mit Ärzten, Wissenschaftlern und Optikern auf Veranstaltungen von Selbsthilfegruppen und an Krankenhäusern. Gemeinsam organisiert das Ehepaar regelmäßig Telefonaktionen, die Betroffenen den Austausch mit Ärzten, Optikern und Psychologen ermöglichen. Außerdem informiert Anton Fröhlich Sehbehinderte und Blinde telefonisch oder im persönlichen Gespräch. Er unterstützt sie bei bürokratischen Angelegenheiten und berät sie zu beruflichen Perspektiven.

Sehbehinderungen und Erblindung sind in Deutschland keine Seltenheit: Rund sieben Millionen Menschen sind von der altersabhängigen Makula-Degeneration (ADM), einer bestimmten Form der Netzhautdegeneration, betroffen. Mit seinem Engagement bei PRO RETINA hat Anton Fröhlich Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt und Gelder, die durch die Spendenaktionen des Vereins eingenommen wurden, konnten in die Forschung fließen. 

Kegel-Meisterschaften und Tandem-Touren

Mit nur einem Ehrenamt hat Anton Fröhlich sich allerdings nicht zufriedengegeben. Seit 30 Jahren ist er bei der BSG aktiv, die für ihre Fachkompetenz im Bereich des Blindensports weit über die Grenzen Offenbachs hinaus bekannt ist. Seit 2002 ist er der erste Vorsitzende des Vereins. Die Blindengruppe der BSG ist bei Kegel-Turnieren stets vorne dabei. Sowohl der Hessische als auch der Deutsche Meister kommen aus den Reihen des Vereins. An diesem Erfolg ist Anton fröhlich nicht unbeteiligt: Bei Meisterschaften hebt er die Kugeln auf und gibt den Sportlern hinweise dazu, wie sie die Kugel platzieren sollen.

Gemeinsam mit dem Tandemclub Offenbach – für Blinde, Sehbehinderte und ihre Freunde e.V. veranstaltet die BSG regelmäßige Touren, die Anton fröhlich mitorganisiert. Seit 1992 findet alle zwei Jahre eine Europa-Tandem-Tour statt, bei der eine europäische Hauptstadt besucht wird. 2008 führte die Tour nach Rom und da durfte auch ein Besuch beim Papst nicht fehlen. Anton Fröhlich war nicht nur als Tandem-Pilot dabei, sondern auch Teil des Organisations-Teams.

Seit weit über dreißig Jahren unterstützt Anton Fröhlich immer da, wo Sehbehinderte nicht mehr weiterwissen oder Hilfe brauchen. Bei all dem Engagement ist es schon vorgekommen, dass er seine Frau während einer Tandem-Tour nach einer Pause vergessen hat und alleine losgeradelt ist. Den Verlust hat er aber schnell bemerkt und Ingrid Fröhlich trägt es mit Fassung und Humor.

9. August 2019