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Spielendes Kind
© speednik / photocase.de
Am 8.Mai im Staatsanzeiger Hessen veröffentlicht und keinen Monat später als neue Satzung in Offenbach umgesetzt: Rechtzeitig zum Start des neuen Kindergartenjahres im August ist der Kindergartenbesuch für sechs Stunden pro Tag beitragsfrei, sind Betriebskostenzuschüsse und Beitragsordnung neu geregelt und werden Eltern finanziell entlastet. Ab 1. August ist die Betreuung von Kindern ab dem vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt für sechs Stunden pro Tag kostenlos, jede weitere Stunde kostet 22,60 Euro im Monat beziehungsweise 56,50 Euro für einen Ganztagsplatz mit 8,5 Stunden. Den Löwenanteil von 135,60 Euro beziehungsweise 1.627,20 Euro pro Kind und Jahr übernimmt das Land Hessen beziehungsweise die Stadt Offenbach, die die Landesmittel direkt an die Einrichtungen des EKO und der freien Träger weiterreicht. Die Kosten für Krabbelstube und Hortbetreuung bleiben davon übrigens unberührt.

Kostenfreie Kitas für alle

Daher wurde die „Richtlinie über Betriebskostenzuschüsse für Kinder zur Förderung in Tageseinrichtungen“ sowie die Beitragsordnung vom Mai 2014 in den vergangenen Wochen überarbeitet und durch die „Satzung über Betriebskostenzuschüsse zur Förderung von Träger der Jugendhilfe und Elternbeiträge in der Stadt Offenbach“ ersetzt. „Die Satzung bietet eine bessere Grundlage für alle Anbieter“, so Bürgermeister Peter Schneider, „und die Überarbeitung der Richtlinie stand ohnehin an.“ Bereits berücksichtigt wurden jetzt Inflation und Preissteigerungen mit einer Dynamisierung von 2 Prozent.

Er lobt die Initiative des Landes zur Entlastung der Eltern insbesondere im Ballungsgebiet Rhein-Main. Immerhin gab es Kommunen, die sich eine Befreiung bereits leisten konnten, jetzt gibt es für Eltern in Hessen kaum einen Grund, ihren Nachwuchs nicht in den Kindergarten zu schicken. Zumal vor allem Kinder mit Migrationshintergrund von der Betreuung profitieren und damit ein wichtiger Beitrag zu Integration geleistet wird. „Damit haben diese Kinder auch nachweislich bessere Startbedingungen in der Schule.“

Betreuung bis zu 12 Stunden pro Tag

Ebenfalls angepasst wurden die Betreuungszeiten in den vom Eigenbetrieb Kindertagesstätten Offenbach (EKO) geführten Einrichtungen. Diese konnten bisher Betreuungszeiten von 9 Stunden pro Tag anbieten, sind es jetzt 10 beziehungsweise 12 Stunden. „Wir reagieren damit auf den erhöhten Bedarf nach mehr Flexibilität seitens der Eltern“, erklärt EKO-Betriebsleiterin Claudia Kaufmann-Reis. Ab August sollen mindestens zwei Kitas eine Frühbetreuung ab 6 Uhr morgens und zwei weitere eine Spätbetreuung bis 22 Uhr anbieten können. Alle andern 26 Kitas sind wie gehabt von 7.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. „Was wir nicht wollen ist eine Drehtürkita, Kinder brauchen einen festen Rahmen und feste Bezugspersonen“, so Kaufmann-Reis weiter, deshalb ist beim EKO mit 10 Stunden Betreuung Schluss. Sie hofft, dass das Angebot der 12-stündigen Betreuung eine Ausnahme bleibt.

Arbeit in einem lebendigen Umfeld

Die Anpassung der Öffnungszeiten ist die eine Seite, die Besetzung der Arbeitsplätze die andere: Der Markt für qualifizierte Mitarbeiter ist leer, Kindergärten buhlen um pädagogische Fachkräfte und „bieten“, weiß Bürgermeister Schneider zu berichten, „auch schon mal einen Mercedes als Dienstwagen. Da können und wollen wir nicht mithalten.“ Denn immerhin gilt die Stadt Offenbach allgemein als guter Arbeitgeber mit Fortbildungsmaßnahmen und insbesondere beim EKO einem hohen Maß an Mitgestaltungsmöglichkeiten, wie Kaufmann-Reiß betont. Trotzdem sind aktuell zahlreiche Stellen vakant, in der bald eröffnenden neuen Kita in der Christian-Pless-Straße fehlt noch Personal, ebenso in der Hafenkita. „Die Situation ist und bleibt schwierig, deshalb können wir Plätze derzeit nur unter Vorbehalt zusagen.“

Offenbach am Main, 12. Juni 2018