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Kindertagespflege
LOGO KiTP © Amt 57 Kindertagespflege

Offenbach am Main, 12.01.16 Auf Wunsch und Vorschlag der Tagespflegepersonen hat die Verwaltung in Zusammenarbeit mit zwölf Tagespflegepersonen, ein Handbuch für Offenbacher Tagespflegepersonen erstellt. Es umfasst Verwaltungsregeln, Regelungen zur Pflegeerlaubnis, zur Vergütung, zu den Elternbeiträgen, zu Steuern und Versicherungen sowie Hinweise zur Finanzierung, Rechtliches, Materialien zur pädagogischen Praxis und Informationen über Fortbildung und Schulungsverpflichtungen. Das Handbuch wird an dem Termin morgen den Tagespflegepersonen wie auch der Öffentlichkeit vorgestellt. Allen Eingeladenen wird ein Exemplar des Handbuches überreicht.

„Wir haben darüber hinaus eine Reihe von Änderungen vorbereitet, die die Satzung über die Betreuung von Tagespflegekindern, die Erhebung von Kostenbeiträgen und die Gewährung einer laufenden Geldleistung für den Öffentlichen Träger der Jugendhilfe Stadt Offenbach am Main betreffen“, berichtet Jugendamtsleiter Hermann Dorenburg. Die Satzungsänderungen sollen zeitnah nach dem 13. Januar den zuständigen Gremien zum Beschluss vorgelegt werden und betreffen rechtlich-formelle Klarstellungen, Verwaltungsvereinfachungen und Regelungen zur Qualität der Tagespflege im Sinne des Kindeswohls. Betroffene werden über dieses Vorhaben ebenfalls im Ostpol informiert, verspricht Dorenburg. „Wir wollen den Tagespflegepersonen die Gelegenheit geben, Nachfragen zu stellen und auf eventuelle Probleme, die mit den Veränderungen auftreten können, hinzuweisen.“

Daten zur Entwicklung der Tagespflege in Offenbach

  • 2002: Verlagerung der Administration der Tagespflege zum Eigenbetrieb Kindertagesstätten. Ziele: Verwaltungsvereinfachung durch synergetische Effekte, Qualitätsentwicklung gemeinsam mit dem Bereich Kindertagesstätten. Zentrale Steuerung des Platzausbaus
  • Bis 2005 wurden in 27 Tagespflegestellen 40 bis 55 Kinder betreut. Im Sachgebiet war eine Pädagogin mit einer halben Stelle für die Vermittlung, Vertragsbearbeitung und Beratung der 27 Tagespflegepersonen verantwortlich.
  • Ab Dezember 2006 begann der Ausbau der Tagespflege und führte zu einem stetigen Anstieg der Tagespflegestellen verbunden mit einer kontinuierlichen Steigerung von Betreuungsplätzen.
  • Im Dezember 2009 wurden in 80 Tagespflegestellen 320 Kinder betreut. In einer Pflegestelle können zeitgleich bis zu 5 Kinder aufgenommen werden. Der Anstieg stand auch mit dem Kinderfördergesetz im Zusammenhang, welches die Gleichstellung der Tagespflege mit der institutionellen Kinderbetreuung festlegt. Außerdem wurde die Grundausbildung der Tagespflegepersonen von ursprünglich 25 bzw. max. 45 Stunden auf 65 Stunden angehoben.
  • Der weitere Ausbau ab Ende 2009 erfolgte mit Fördermitteln aus dem Aktionsprogramm zum quantitativen und qualitativen Ausbau der Tagespflege – ein Programm finanziert aus ESF- und Bundesmitteln. Das Aktionsprogramm umfasste drei Förderjahre und endete im März 2012. In diesem Zeitraum wurden auf der Grundlage eines neuen Curriculums – entwickelt vom Deutschen Jugendinstitut – in vier Kursen 47 Tagespflegepersonen ausgebildet. Diese Grundausbildung umfasste 160 Stunden und war Voraussetzung zur Teilnahme am Aktionsprogramm.
  • In 2013 wurden bereits in zirka 100 Pflegestellen 440 Kinder betreut.

Aktueller Stand (2016)

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine Wartelisten in der Tagespflege. Die Nachfrage kann vollständig befriedigt werden. Eine Tagespflegeperson kann bis zu 5 Kinder gleichzeitig betreuen und erhält pro Kind und Stunde 4,50 Euro inklusive der Landesförderung unabhängig vom Alter der Kinder. Die meisten Kinder werden 35 bis 45 Stunden pro Woche in der Zeit von 7.30 bis 16.30 Uhr betreut. Zurzeit benötigen aufgrund ihrer beruflichen Situation 46 Familien für ihre Kinder eine Betreuung in den sogenannten Randzeiten, das heißt in der Zeit von 5 bis 7.30 Uhr, nach 16.30 Uhr bis 23 Uhr oder auch mal am Wochenende. Randzeiten werden zusätzlich vergütet.

Der weitaus größere Anteil von Kindern in der Tagespflege ist jünger als drei Jahre, aber es werden auch Kinder im Kindergartenalter von Tagesmüttern betreut. Zum Teil werden diese auch von ihren „Tagesmüttern“ in der Kindertagesstätte abgeholt, wenn die Eltern erst in den späten Abendstunden von der Arbeit kommen.

Die Anzahl der Kinder in Tagespflege schwankt stark. Insbesondere durch den Ausbau der Krippenplätze in Offenbach, ist die Nachfrage nach Tagespflegeplätzen in den vergangenen beiden Jahre zurückgegangen. Derzeit werden 216 Kinder im Alter von ein bis drei Jahren betreut und 84 Kinder, die älter sind als drei Jahre. Darunter sind vereinzelt auch Schulkinder.

Auch wenn die Anzahl der Pflegestellen in der Tagespflege zur Zeit stagniert, ist seit der Teilnahme am Aktionsprogramm 2009 eine stetige Weiterentwicklung der fachlichen Qualität erreicht worden, so Dorenburg.

  • Die Erteilung einer Pflegeerlaubnis für Tagespflegepersonen ist seit 2009 immer an eine Grundqualifizierung von 160 Stunden gekoppelt. Dadurch ist ein erweitertes Knowhow in pädagogischen Basisfragen gegeben.
  • Das Sachgebiet wurde seit 2006 nach und nach personell erweitert und umfasst derzeit zwei pädagogische Fachberaterstellen und eine halbe Stelle für die Verwaltung. Die pädagogischen Mitarbeiter sind sowohl für die fachliche Beratung und Begleitung (unter anderem durch regelmäßige Hausbesuche) der Tagespflegepersonen als auch für die fachliche Weiterentwicklung durch Organisation von Fortbildungen und Supervision zuständig. Die Überprüfung und Kontrolle der Pflegestellen gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben. Regelmäßige Sprechstunden dienen der Vermittlung von Pflegeplätzen wie der Berechnung der Pflegesätze. Der Verwaltungskraft obliegen die Kostenberechnung und das Vertragswesen. Insbesondere durch die personelle Erweiterung der Fachberatung konnte die fachliche Begleitung der Tagespflegepersonen vor allem durch die Hausbesuche engmaschiger erfolgen.
  • Auch die Erstellung eines eigenen Fortbildungsprogramms mit 13 Fortbildungen zu Themen wie Elternberatung, Sprachförderung, Umgang mit Kindern, die sich auffällig verhalten, Spaß und Freude an Musik, interkulturelle Kompetenzen, kindgerechte Raumgestaltung sowie eine verpflichtende regelmäßige Schulung zur Kindeswohlgefährdung wurde möglich.
  • Fünf Kitas erklärten sich bereit, als sogenannte Qualitätsinsel die Tagespflegepersonen in ihrer fachlichen Entwicklung regelmäßig zu begleiten. 1 x monatlich werden dort in der Regel durch die Leiterin der Kindertagesstätte Arbeitstreffen organisiert und moderiert. Diese Arbeitstreffen bieten den Tagespflegepersonen die Möglichkeit des Fachaustausches, der Reflexion des Alltags, dem Kennenlernen und Erproben von Spielmaterialien, Fingerspielen und Liedern. Sie dienen außerdem der Entwicklung eines Vertretungssystems und der Vernetzung. Das Angebot der sogenannten Qualitätsinseln wird von den Tagespflegepersonen gut angenommen und regelmäßig genutzt.
  • Neben der eher praktisch angelegten Reflexion der täglichen Arbeit in den Pflegestellen, nutzen viele Tagespflegepersonen außerdem das Angebot der Supervision. Eine Beratungsform in Gruppen, die primär der Selbstreflexion des eigenen Verhaltens dient und von externen Fachleuten geleitet wird. Derzeit nutzen zirka 45 Tagespflegpersonen in vier Gruppen dieses Angebot.
  • Nach Beendigung der Grundqualifizierung neuer Tagespflegepersonen im Zuge des Aktionsprogramms wurde Ende 2012 mit der Nachqualifizierung aller TPP auf 160 Stunden begonnen. Die Fortbildungen werden von der Volkshochschule Offenbach durchgeführt, mit der eine sehr enge Kooperation besteht. In insgesamt vier Kursen wurden 54 Tagespflegepersonen nachqualifiziert. Der jüngste Kurs endet im April dieses Jahres.
  • In einem sich nahtlos an die Nachqualifizierung anschließenden Reflexionskurs wird das in der Fortbildung Gelernte weiter vertieft und mit der Alltagserfahrung verknüpft. Dieses Seminar umfasst zehn zweistündige Abendtermine und ist einmal monatlich angesetzt. In enger Kooperation zwischen den Fachberatern der Tagespflege und der VHS werden die Kurse vor- und nachbereitet. Vhs, Jugendamt und Eigenbetreib Kindertagesstätten arbeiten in der Qualifizierung der Tagespflegepersonen sehr konstruktiv und eng zusammen.
  • Im Jugendhilfeausschuss wurde eine Satzung für die Tagespflege verabschiedet, in der die Regularien für den Tagespflegebereich festgeschrieben sind. Dazu gehört auch die Verpflichtung der Tagespflegepersonen, sich weiter zu qualifizieren und jährlich mindestens 40 Stunden Fortbildung in relevanten Fachthemen nachzuweisen. Gelder für Fortbildung und Supervision werden zu diesem Zweck bereitgestellt.
  • Gemeinsam mit einer Gruppe von Tagespflegepersonen wurde in einem fast zweijährigen Prozess ein Praxishandbuch für die Tagespflege entwickelt. In diesem Nachschlagewerk sind sämtliche Formulare aus dem Bereich Verwaltung zu finden (zum Beispiel Abrechnungsformulare, Anträge jeglicher Art etc.) sowie Unterstützungsmaterial für den pädagogischen Alltag (Beobachtungsbögen, Fragebögen für die Eltern usw.). Pädagogische Grundfragen sowie Festlegungen konkreter Regelungen für den praktischen Alltag (zum Beispiel Umgang mit kranken Kindern, Abgrenzung von schwer zu erfüllenden Wünschen der Eltern etc.) werden behandelt und Fragen der Grundhaltungen beantwortet Da es sich um eine lose Blattsammlung handelt, kann dieses Handbuch stetig aktualisiert und erweitert werden.