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Das Foto zeigt Sara Gegnoso
Das Foto zeigt Sara Gegnoso, frischgebackene zahnmedizinische Fachangestellte, gefördert durch die MainArbeit. © MainArbeit / privat

Sara Gegnoso, 25 Jahre alt und Mutter von zwei Töchtern, hat in diesem Sommer ihre Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten erfolgreich abgeschlossen. Möglich wurde das durch eine Berufsausbildung in Teilzeit bei einer Offenbacher Zahnarztpraxis und die Förderung des kommunalen Jobcenters MainArbeit. Gegnoso hat nun einen festen, dauerhaften Arbeitsplatz und ist nicht mehr auf die finanzielle Unterstützung der MainArbeit angewiesen.

Vermittelt wurde dieses Ausbildungsverhältnis durch eine Beraterin der MainArbeit vor gut drei Jahren. Sara Gegnoso war bereits mit 18 Jahren zum ersten Mal Mutter geworden. Ein zweites Kind kam im Alter von 20 Jahren. Durch die Trennung von ihrem Partner und Vater des Kindes war sie erst einmal auf sich alleine gestellt. An eine Fortsetzung der als Jugendliche begonnen Berufsausbildung war nicht zu denken. Die MainArbeit musste mit Leistungen für den Lebensunterhalt für die Familie einspringen.

Durch die Beratung des Jobenters fand sich dann aber doch ein Weg aus der Sackgasse. Durch ein kooperatives Ausbildungsverhältnis in Teilzeit, hier 30 Stunden pro Woche, konnte die junge Mutter in drei Jahren den Beruf der zahnmedizinischen Fachangestellten erlernen. Die praktische Ausbildung im Betrieb wurde dabei durch die pädagogische Förderung und soziale Betreuung durch den Bildungsträger „Lernwerkstatt e. V.“ ergänzt. Das Teilzeitmodell machte es Gegnoso möglich, neben der Ausbildung die herausfordernden Aufgaben einer jungen, alleinerziehenden Mutter zu erfüllen. Die „Lernwerkstatt“ half, die damit oft verbundenen Alltagsprobleme zu lösen und den anspruchsvollen Lernstoff trotz reduzierter Lernzeit gut zu bewältigen. Ansonsten handelte es sich, wie MainArbeit-Vermittlerin Becker erläutert, um ein ganz normales Ausbildungsverhältnis im dualen System, wo sich die praktische Ausbildung im Betrieb mit dem Besuch der Berufsschule ergänzen. Nun ist Gegnoso stolz, fest im Berufsleben zu stehen: „Mir ist auch wichtig, dass meine Kinder erleben, dass ich mein Geld selbst verdiene und wir nicht länger auf staatliche Hilfe angewiesen sind.“

„Im Prinzip ist jedes Ausbildungsverhältnis auch in Teilzeit möglich,“ erklärt Becker. „Gerade für Alleinerziehende kann damit ein Weg eröffnet werden, Familienpflichten mit einer Berufsausbildung zu verbinden.“ Allerdings könne das Teilzeitmodell dazu führen, dass sich die Ausbildungszeit insgesamt verlängert, zum Beispiel auf 3,5 statt drei Jahre oder sogar noch etwas mehr. „Am Lernstoff sollen ja keine Abstriche gemacht werden. Ziel ist ein vollwertiger und qualifizierter Berufsabschluss.“ In vielen Fällen gelinge es aber, die Ausbildung trotz Teilzeit in der Regeldauer abzuschließen. Gute Beratung im Vorfeld, Hilfen bei der Kinderbetreuung und pädagogische Unterstützung im Ausbildungsverlauf seien dann sehr wichtig, um das Ausbildungsziel zu erreichen.

Régine Bozon, Teamleiterin in der MainArbeit, berichtet, dass das Jobcenter schon vor über zehn Jahren ein spezialisiertes Team mit Experten für die Unterstützung von Alleinerziehenden eingerichtet habe. Dazu gehöre auch ein „Familienservice“, der sich um die Organisation von Kinderbetreuung kümmere, bei der Suche nach einem Betreuungsplatz helfe und auch im konkreten Einzelfall berate, wie man die Betreuung und Erziehung der Kinder im Alltag mit den Pflichten aus einem Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis unter einen Hut bekommen könne: „Wir lassen Alleinerziehende nicht mit ihren Problemen allein. Durch eine intensive Beratung und Förderung schaffen wir es, dass Familie und Beruf keinen Gegensatz bilden, sondern gut vereinbar werden.“ In Zeiten von zunehmender Fachkräfteknappheit sei es auch aus Sicht der Wirtschaft immer wichtiger, alle Talentreserven zu mobilisieren. Dafür müsse man immer wieder auch neue Wege gehen, wie bei der Teilzeitausbildung und der Familienförderung der MainArbeit.

MainArbeit-Geschäftsführer Matthias Schulze-Böing berichtet, dass das Jobcenter im Jahr 2018 insgesamt 266 junge Menschen in ein Ausbildungsverhältnis vermittelt habe. 30 dieser Ausbildungsverhältnisse habe die MainArbeit finanziell gefördert. Zur Zeit würden 13 Ausbildungsverhältnisse in Teilzeit gefördert.

Bei der Integration von Alleinerziehenden in Erwerbsarbeit sei die MainArbeit, wie Schulze-Böing, erläutert, in den letzten Jahren recht erfolgreich gewesen. Die Integrationsquote lag 2018 mit knapp 25 Prozent deutlich höher als im hessischen Durchschnitt. Man habe sich jedes Jahr deutlich steigern können. Das „Prinzip kommunales Jobcenter“ funktioniere in Offenbach seit vielen Jahren gut: „Gerade bei der Förderung von Alleinerziehenden zeigt sich, dass es vorteilhaft ist, wenn die Kommune die Unterstützung von Arbeitsuchenden und die Arbeitsvermittlung organisiert. In sehr vielen Fällen geht es nicht nur um einen Arbeitsplatz, sondern auch um ganzheitliche Unterstützung – von der Kinderbetreuung über Wohnungsfragen bis hin zu psychosozialen Hilfestellungen. Dabei können die Kommunen mit ihren integrierten Diensten und lokalen Netzwerken Vorteile für die Bürgerinnen und Bürger ausspielen.“

30. August 2019