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Arbeitgeber können alle betrieblichen Ausbildungen auch als Teilzeit-Modell anbieten. Doch viele wissen gar nicht, dass auch mit einer Wochenarbeitszeit von 20 Stunden eine Ausbildung möglich ist. Das Frauenbüro der Stadt Offenbach hat daher mit einem Dialog-Forum und vielen Gesprächen einen umfassende Information zusammengetragen.

Der handliche Flyer zeigt Betrieben, wie eine Teilzeitausbildung funktioniert und an wen man sich wenden kann. Zum Beispiel kann die Anwesenheit im Betrieb reduziert werden, wenn zum Beispiel Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu betreuen sind. Bei den Kooperationspartnern werden Betriebe und Interessierte direkt beim zuständigen Sachbearbeiter beraten. Der Flyer listet alle Kontaktdaten auf.  

„Teilzeitausbildung ist gerade für junge Mütter wichtig, denn wenn das Kind aus dem Gröbsten raus ist, werden die Bewerberinnen für eine Ausbildung oft aus Altersgründen abgelehnt“, sagt Karin Dörr vom Frauenbüro. 

Deshalb sei es wichtig, die Ausbildung früh zu machen, auch wenn schon ein kleines Kind da ist.

Unternehmen können mit diesem Modell den eigenen Fachkräftebedarf sichern und ihre Familienfreundlichkeit demonstrieren. Statt neue Auszubildende einzuarbeiten, kann ein bestehendes Ausbildungsverhältnis umgewandelt werden in Teilzeit.

Teilzeitauszubildende erwerben so einen existenzsichernden Berufsabschluss. Gemeinsam mit ihrem Betrieb entscheiden sie über die individuelle Teilzeit-Variante. Die für die Ausbildung zuständigen Kammern legen dann die Gesamt-Dauer der Ausbildung fest.

Ziel der Stadt Offenbach ist es, Teilzeitausbildung bekannter zu machen. Die Berufsschulzeiten sollen mit den Kinderbetreuungszeiten besser abgestimmt werden. Alle Beteiligten von Arbeitgebern über Kammern, Berufsschulen, Bildungsträger, Jobcenter, Arbeitsagentur und Berater/innen können durch stärkere Zusammenarbeit zu mehr Teilzeitausbildungen beitragen. 

Rückblick

  1. Speziell für Offenbach beschloss die Stadtverordnetenversammlung  am 8. Dezember 2016 eine Initiative zur Teilzeitausbildung: Die Stadtverwaltung sowie alle städtische Eigenbetriebe und die Stadtwerke Offenbach Holding weisen bei der Ausschreibung ihrer Ausbildungsstellen auf diese Möglichkeit hin.
  2. Am 13. Februar 2017 veranstaltete die Stadt Offenbach ein Dialogforum Teilzeitausbildung mit 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus den Bereichen Arbeitsverwaltung, Personalmarketing, Berufsbildung und Bildungsplanung, Gleichstellung und Integration. Akteure aus Unternehmen, Bildungsträgern, Kommunalpolitik,  Öffentlicher Verwaltung, IHK und Staatlichem Schulamt diskutierten Fragen wie Planung und Förderung der Ausbildung, Beratungsbedarf  und Werbemaßnahmen.
  3. Das Frauenbüro realisierte in Folge dieser Veranstaltung in Kooperation mit der MainArbeit. Kommunales Jobcenter Offenbach, der Agentur für Arbeit in Offenbach sowie der IHK Offenbach am Main Stadt und Kreis den Informations-Flyer unter dem Titel „Teilzeitausbildung – wie geht das?“. Er erläutert Modalitäten und Rahmenbedingungen von Teilzeitausbildung und listet die für Offenbacher Auszubildende und Unternehmen zuständigen Personen auf.
  4. Im Rahmen der 2017 erstmals vergebenen Auszeichnung UFF für familienfreundliche Unternehmen in Offenbach wurden auch acht Unternehmen prämiert, die mit Teilzeit-ausbildung in ihrem Betrieb schon Erfahrung gemacht haben.
  5. Im Zeitraum von 2013 bis 2016 haben nach einer Auswertung des Frauenbüros bereits mehr als 100 Personen eine Teilzeitausbildung in Offenbach absolviert: in Kaufhäusern, Krankenhäusern, Schreinereien, Steuerberatungskanzleien, Friseursalons und Blumengeschäften und auch bei Unternehmen im öffentlichen Sektor. Angestrebte Berufe waren beispielweise Altenpflegerin; Fachverkäuferin; Floristin; Kauffrau/Kaufmann für Büromanagement, Einzelhandel, Gesundheitswesen oder Immobilienwirtschaft; Köchin; Mediendesignerin; (Zahn)medizinische Fachangestellte; Optikerin; Rechtsanwaltsfachangestellte; Tischlerin; Zerspannungsmechaniker.
  6. Unterstützt werden die Auszubildenden dabei von der MainArbeit beziehungsweise von beauftragten Bildungsträgern wie der Lernwerkstatt Offenbach und dem Berufsbildungswerk Südosthessen, die spezielle Begleitprogramme für diese Zielgruppe anbieten oder sogar die Lehrverträge abschließen. Angestrebt wird ein jährliches Controlling, an dem überprüft werden kann, ob sich die Zahl der Teilzeit-Azubis bzw. der dafür angebotenen Ausbildungsstellen in Offenbach durch die Werbekampagne erhöht.

Hintergrund

 „Teilzeitausbildung – wie geht das?“ ist eine Initiative im Rahmen des Aktionsplans zur „Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene“ in Offenbach am Main 2018 – 2020. Eine gelingende Vereinbarkeit von Beruf und Familie bedarf der strategischen Vernetzung von Aktivitäten verschiedener Akteurinnen und Akteure, dies soll durch den Aktionsplan unterstützt werden. Neben dem Engagement von Unternehmen im Hinblick auf eine bessere Work-Life-Balance ihrer Beschäftigten und der Weiterentwicklung einer familienorientierten Infrastruktur innerhalb der Kommune, ist es darüber hinaus notwendig, Familien bei ihrer alltäglichen Sorgearbeit zu unterstützen, z. B. durch die Bereitstellung von bezahlbaren haushaltsnahen Dienstleistungen und die Qualifizierung von Fachkräften für die entsprechenden Berufe im Rahmen der kommunalen Arbeitsmarktpolitik.

Nähere Informationen zur Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern in Offenbach und zur Teilzeitausbildung stehen unter www.offenbach.de/familienfreundlich/ im Internet. Die Kommunale Frauenbeauftragte Karin Dörr beantwortet unter 069 8065-2010 auch persönlich Fragen dazu.

21. September 2017