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Gruppenfoto mit den Beteiligten an der Ausstellung
v.l.n.r.: Stadträtin Marianne Hermann, Mareike Imhold von Partnerschaft für Demokratie, Bianca Limburg, Volontärin am Haus der Stadtgeschichte, Katja M.Schneider, Kuratorin am HdS, Anjali Pujari, Leiterin des Stadtarchivs, vordere Reihe: Karin Dörr, kommunale Frauenbeauftragte der Stadt Offenbach und Molly Klinger , Mitarbeiterin im HdS mit der Publikation „Frauen prägen Offenbach“ © Stadt Offenbach
Ausstellung und Veranstaltungsreihe (bis 14.10.2018) im Haus der Stadtgeschichte widmete sich dem Kampf um Gleichberechtigung

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

So steht es seit der Wiedervereinigung im überarbeiteten Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und auch beinahe zwanzig Jahre nach dessen Verabschiedung gibt es eklatante gesellschaftliche und ökonomische Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern: „So sind die Bruttostundenlöhne von Frauen um durchschnittlich 21 Prozent niedriger als die von Männern, sind nur 22 Prozent der Hochschulprofessoren und 31 Prozent der Bundestagsabgeordneten weiblich, sind Mütter, insbesondere Alleinerziehende stärker von Armut bedroht, als Männer,“ zählt Karin Dörr, die Initiatorin des Ausstellungsprojektes und Kommunale Frauenbeauftragte einige Fakten als Beleg für bestehende Benachteiligungen auf. Trotzdem: Es gibt auch Erfolge zu verbuchen, seit sich Frauen wie die viele kleine Schritte, seit sich Frauen wie die Offenbacherin Margarete Steinhäuser Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts für Wahlrecht, Lohngleichheit und gegen Gewalt gegen Frauen einsetzten.

Zu denen, die gesetzliche Änderungen durchgesetzt haben zählen die vier Protagonistinnen der Ausstellung: Frieda Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel gelten als „Mütter“ des Grundgesetzes, sie waren die einzigen vier Frauen, die dem Parlamentarischen Rat der Bundesrepublik aus insgesamt 65 stimmberechtigten Abgeordneten angehörten und die Verankerung der Gleichberechtigung 1949 im Grundgesetz gegen viele Widerstände durchsetzen konnten.

Mit einer Wanderausstellung erinnert das Bundesministerium für Familie, Senioren und Frauen seit dem 60. Geburtstag des Grundgesetzes an die vier Parlamentarierinnen. Diese ist bis zum 14. Oktober im Haus der Stadtgeschichte zu sehen, in einem gemeinsamen Begleitprogramm erinnern das Frauenbüro der Stadt, die Partnerschaft für Demokratie sowie die Gleichstellungskommission der Stadt auch an 100 Jahre Frauenwahlrecht.

Den Vorkämpferinnen Respekt zollen

1919 durften Frauen in Deutschland erstmals wählen, die Ausübung des aktiven und passiven Frauenwahlrechts wurde Frauen in der Türkei in den Jahren 1930 und 1934 zugestanden,  Frankreich folgte 1944, Bulgarien Ungarn und Slowenien 1945 und die Schweiz erst 1971. „Dass Frauen heute mitreden und mitbestimmen können ist bei weitem keine Selbstverständlichkeit,“ erläutert Marianne Hermann, Stadträtin und Vorsitzende der Gleichstellungskommission: „Ausstellung und Veranstaltungsprogramm sind eine Einladung an alle Frauen und Männer, sich auseinanderzusetzen.“ Denn noch immer gibt es Widerstände, wenn es um Gleichberechtigung geht. „Aber man muss sich erstmal bewusst werden, dass es die Ungleichheiten überhaupt noch gibt“, ergänzt Katja M. Schneider, Kuratorin am Haus der Stadtgeschichte: „Wir wollen erinnern und sensibilisieren“.

Mit dem Projekt „Frauenrechte und Teilhabechancen im gesellschaftlichen Umbruch“ ist die Partnerschaft für Demokratie am Programm beteiligt. Mareike Imhold koordiniert das Projekt und ist überzeugt, „dass kulturelle Teilhabe der Schlüssel zur sozialen Inklusion ist“. Deshalb hat sie Multiplikatorinnen mit Migrationshintergrund eingeladen und geschult, damit diese in deutscher, türkischer, kurdischer und arabischer Sprache durch die Ausstellung führen können. „Gemeinsam werden wir uns mit den Frauenrechten in der deutschen Geschichte, in der Schweiz, aber auch in der türkischen und kurdischen Geschichte befassen.“

Damit möglichst viele Frauen teilnehmen können, hat das Haus der Stadtgeschichte eine Kinderbetreuung organisiert. Diese ist, so wie das gesamte Programm, kostenlos. Lediglich für die Filmvorführung im Cinemaxx Kino Center am kommenden Mittwoch müssen Karten erworben werden. Dann läuft um 18.30 Uhr „Die göttliche Ordnung“, die Komödie befasst sich mit dem Kampf der Schweizerinnen um das Frauenwahlrecht.

Elisabeth-Selbert-Steg
Der Elisabeth-Selbert-Steg spannt sich über das Offenbacher Hafenbecken und erinnert an eine der Mütter des Grundgesetzes. Die streitbare Juristin formulierte den Gleichheitsgrundsatz und setzte diesen Grundgesetzartikel durch. © Stadt Offenbach

6. September 2018