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Porträtfoto von Karin Dörr
© Stadt Offenbach
Nach 36 Berufsjahren bei der Stadt Offenbach, davon 31 Jahre im Frauenbüro und seit 15 Jahren als dessen Leiterin, hat Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke die Kommunale Frauenbeauftragte Karin Dörr in einer Feierstunde in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Neben Freunden waren auch zahlreiche Wegbegleiterinnen und -begleiter am Mittwoch, 25. Juni, in die Aula der vhs gekommen.

„Karin Dörr überzeugte für ihre Inhalte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern durch ihre Persönlichkeit. Wer mit Karin Dörr ins Gespräch kam, bekam einfach Lust, sich die von ihr vorgetragenen Anliegen auch zu seinen eigenen Anliegen zu machen,“ brachte der Oberbürgermeister die Arbeitsweise und das erfolgreiche Wirken der Kommunalen Frauenbeauftragten auf den Punkt und hob vor allem die gemeinsame Arbeit für die medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung, die den Betroffenen in Offenbach seit 2014 angeboten wird, hervor.

Ihre berufliche Laufbahn bei der Stadt Offenbach begann die Wahl-Frankfurterin 1984 als Sozialarbeiterin in der Beratungsstelle Club 32 des Jugendamtes, wo sie Mädchen in schwierigen Lebenslagen bei der Berufswahl unterstützte. 1989 übernahm sie die neugeschaffene Position der Internen Frauenbeauftragten und setzte in dieser Funktion den ersten „Frauenförderplan“ für die Rathaus-Beschäftigten um. Während dieser Zeit ebnete sie durch interne Mentoring-Programme Wege für Frauen in Führungspositionen, kämpfte für flexiblere Arbeitszeiten und eine bessere Bezahlung von Frauen sowie gegen Sexismus am Arbeitsplatz.
Mit der Bestellung zur Kommunalen Frauenbeauftragten konnte sie ab 2005 die Frauen- und Gleichstellungspolitik für die Bürgerinnen und Bürger weiter vorantreiben und setzte sich als Leiterin des Frauenbüros erfolgreich für den Ausbau der städtischen Hilfssysteme bei Gewalt gegen Frauen und Gewalt in den Familien ein: So verfügt Offenbach heute neben dem Frauenhaus als wichtiger und stark nachgefragter Frauen- und Kinderschutzeinrichtung über Beratungsangebote für Täter bei der Caritas, eine Beratungsstelle bei sexuellem Kindesmissbrauch bei pro familia und bietet im Sana Klinikum und im Ketteler Krankenhaus eine Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung an.

Als Sternstunde ihrer beruflichen Laufbahn bezeichnet Karin Dörr das Projekt „Frauen-Stärken-Offenbach“, mit dem sie die Frauenförderung in gewerblich-technischen Unternehmen der Offenbacher Wirtschaft vorantrieb und damit Busfahrerinnen, Hausmeisterinnen und Brandmeisterinnen erfolgreich in Arbeitsstellen bei den Stadtwerken und bei der Berufsfeuerwehr vermitteln konnte. 

Darüber hinaus rückte Karin Dörr in Publikationen wie „Frauen prägen Offenbach“ (ISBN-Nr.: 978-3-931799-10-6) weibliche Persönlichkeiten der Stadt wieder stärker ins Bewusstsein und sogar ins Stadtbild: So nutzte die Kommission des Stadtparlamentes die im Buch gegebenen Impulse für die Benennung von Straßen und Plätzen, wie zuletzt der Elisabeth-Selbert-Steg im Hafenviertel.
Eine „Agentin des Wandels“ im besten Sinne, denn mit zahlreichen Aktionen gab Dörr den Belangen von Frauen und vor allem auch Mädchen eine Bühne und Beachtung. So setzte sie mit dem „Ampel-Mädchen“ am Fuß- und Radübergang Berliner Straße/ Herrnstraße zusammen mit engagierten Pädagoginnen aus Jugendamt und freien Verbänden ein sichtbares Zeichen für den weiblichen Teil der Bevölkerung. Auch den Beitritt der Stadt zur Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene nutzte sie, um mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen ein Netzwerk für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu knüpfen.

„Ohne Frauen ist kein Staat zu machen, das haben schon unsere Vorkämpferinnen für die Emanzipation von Frauen vertreten und es bewahrheitet sich jeden Tag. Für die Gleichberechtigung von Frauen zu arbeiten bedeutet, die Demokratie zu stärken und Menschen für das Gemeinwesen zu interessieren, sie aktiv an die ihre Stadt zu binden. Mit meiner Arbeit wollte ich erreichen, dass Frauen mit ihrem Gestaltungs- und Machtanspruch im Beruf und in der Politik sowie in der ehrenamtlichen Arbeit ernstgenommen werden und Erfolg haben. Das habe ich geschafft. Ich bin sehr stolz, mit meiner Arbeit für Frauen mehr Wertschätzung, öffentliche Aufmerksamkeit und Auszeichnung erreicht zu haben. Nun freue ich mich darauf, aus der ersten Reihe abzutreten und die Verantwortung übergeben zu können.“ Karin Dörr übergibt am 30. Juni die Leitung des Frauenbüros an ihre Nachfolgerin, die 40-jährige Soziologin Dr. Inga Halwachs und freut sich auf mehr Zeit für Singen und Tanzen, Lesen und Schreiben.

26. Juni 2020