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Gruppenbild mit Horst Schneider, Karin Dörr und Peter Schneider
Auf dem Foto (Stadt Offenbach) sind zu sehen (v.l.n.r.): Oberbürgermeister Horst Schneider, die Kommunale Frauenbeauftragte, Karin Dörr, und Bürgermeister Peter Schneider. © Stadt Offenbach

Die Stadt Offenbach engagiert sich seit langem für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in der Kommune. Am 29. Januar 2016 tritt sie offiziell der „Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene“ bei und wird bis Ende 2017 einen Maßnahmenplan zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit, Fürsorgetätigkeiten, beruflicher Weiterbildung und Lebenswelt vorlegen. Oberbürgermeister Horst Schneider und Bürgermeister Peter Schneider unterzeichneten die Charta in der Volkshochschule Offenbach.

Die Europäische Gleichstellungscharta wurde bereits 2006 vom Rat der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) entwickelt. Sie soll die Umsetzung der Europäischen Strategie zur Gleichstellung von Frauen und Männern flankieren, indem in den Kommunen mit allen Akteurinnen und Akteuren aus Politik, Verwaltung und Stadt- beziehungsweise Zivilgesellschaft eine gleichstellungspolitische Zielbestimmung ausgehandelt und Maßnahmen beschlossen werden. Damit wird die Charta, in Deutschland von rund 40 Kommunen unterzeichnet, ein strategisches Instrument, um breit gefächert gleichstellungspolitische Akteurs-Gruppen einzubinden, die bisher weniger im Fokus standen.

Arbeits- und Zeitrahmen:

Der Magistrat der Stadt Offenbach setzt mit der Unterzeichnung der EU-Charta einen Stadtverordnetenbeschluss dieser Legislaturperiode um. Damit verpflichtet sich die Kommune, sukzessive gleichstellungspolitische Ziele aufzustellen und systematisch umzusetzen. Für Offenbach wurden fünf vordringliche Handlungsfelder benannt:

 

  1. Erwerbstätigkeit und Existenzsicherung
  2. Gesellschaftliche und politische Teilhabe von Frauen und Männern
  3. Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Pflege
  4. Gute Bildung und qualitativ sowie quantitativ angemessene Kinderbetreuungsmöglichkeiten
  5. Prävention und Schutz vor häuslicher und sexualisierter Gewalt

Der Unterzeichnung am 29. Januar schließt sich eine zweijährige Analyse- und Konzeptionsphase unter Federführung der Leiterin des Frauenbüros, Karin Dörr, an. Dazu gehören die Durchführung einer Ist-Analyse, die Mitwirkung in laufenden kommunalen Beteiligungsverfahren sowie die Entwicklung eines Konzeptes für die Öffentlichkeitsarbeit unter Einbeziehung des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit sowie der SOH-Unternehmenskommunikation und weiterer relevanter Akteure (Weiterbildungsträger, Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Unternehmen, Gewerkschaften, bürgerschaftliche Initiativen). Begleitet werden soll die Arbeit durch einen Beirat aus Vertreter/innen der MainArbeit, der Agentur für Arbeit, der Volkshochschule, der IHK und des Ausländerbeirats.

Kommunale Schwerpunktsetzung:

„Die Arbeitslosenquote von Frauen betrug Ende September 2015 in der Stadt Offenbach 11,7 Prozent, während sie in ganz Hessen bei nur 5,3 Prozent lag[1], verbunden mit einer hohen Geburtenquote[2]. Daher wird dem Handlungsfeld Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit, Fürsorgetätigkeiten, Weiterbildung und Lebenswelt oberste Priorität eingeräumt[3]“, teilte Oberbürgermeister Horst Schneider bei der Unterzeichnung der EU-Charta mit. Dabei sollen die jeweiligen Bedarfe der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Familienformen in Offenbach sorgfältig in den Blick genommen werden. „Bei der Entwicklung von familienfreundlichen Lösungen erwarte ich von den Offenbacher Betrieben, ihren beurlaubten Beschäftigten beziehungsweise Berufsrückkehrerinnen auf dem hiesigen Arbeitsmarkt als Fachkräfte-Potenzial eine Chance in ihren Unternehmen zu geben.“

Für die Arbeitsmarktpolitik in Offenbach hält es Dr. Felix Schwenke als Sozial- und Integrationsdezernent für erforderlich, die Maßnahmen der Arbeitsmarktintegration für Frauen auszubauen. „Programme wie Berufseinsteigerinnen in die Altenpflege (BeA+) der INBAS GmbH belegen, dass es von Erfolg gekrönt wird, besonders frauengerechte Berufsqualifizierungen aufzulegen, die beispielsweise auch Frauen bis 50 Jahren eine berufliche Perspektive und eigenständige Existenzsicherung erschließen“, so Schwenke. „Als Pendant dazu, nämlich als Maßnahme für den gewerblich-technischen Bereich, hat das Frauenbüro mit der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe (SOH) und der Feuerwehr Offenbach sehr erfolgreich Frauen für gewerblich-technische Tätigkeiten qualifiziert und in existenzsichernde Arbeitsverhältnisse integriert. Die Erfolgsstrategien der betriebsnahen Qualifizierung von Frauen auf dem Offenbacher Arbeitsmarkt wollen wir systematisch vermarkten und ausbauen und uns keinesfalls mit der hohen Erwerbslosenquote von Offenbachs weiblicher Bevölkerung abfinden.“

Im Zuge von Recherchetätigkeiten und der Mitwirkung in Gremien werden Problembereiche im Detail identifiziert und konkrete gleichstellungspolitische Lösungsvorschläge entwickelt. Dabei geht es um die Definition von Unterzielen und die Konzeption von erfolgsversprechenden familienfreundlichen Teilprojekten unter Berücksichtigung der Interessen der verschiedenen Akteurs-Gruppen. „Angestrebt wird einerseits die Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Frauen und gleichzeitig für Männer der Abbau von Hindernissen, um ihre Beteiligung an Familienaufgaben durch strukturelle Maßnahmen zu ermöglichen“, formuliert Bürgermeister Peter Schneider die Zielsetzung.

 

Folgende Ansätze sind für die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Stadt Offenbach besonders aktuell:

  • Gute Praxis in Unternehmen: Die Stadt Offenbach engagiert sich seit vielen Jahren in unterschiedlichen Projekten und Arbeitskontexten für Gleichstellung in den Betrieben und unterstützt die Familienfreundlichkeit von Unternehmen. Beispielhaft können dafür Aktivitäten zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Pflege genannt werden sowie das von der Europäischen Union geförderte langjährige berufliche Weiterbildungsprojekt „Frauen-Stärken-Offenbach“ für ihre berufliche Gleichstellung in gewerblich-technischen Arbeitsfeldern sowie die Unterstützung von Allein-erziehenden durch lokale Arbeitsmarktstrategien und lokale Netzwerke.
  • Sozialräumliches Konzept: Verfolgt wird ein methodischer Ansatz, der quartiers-bezogene Verbesserungen in den Blick nimmt. Angestrebt wird, innerhalb der aktuell laufenden Erarbeitung des Handlungskonzeptes für die Offenbacher südliche Innenstadt im Rahmen des Projektes HEGISS II verstärkt das Augenmerk auf förderliche Rahmenbedingungen für geschlechtergerechtes Leben und Arbeiten zu richten. Dabei soll zum einen die Gestaltung des öffentlichen Raumes, zum Beispiel die Verbesserung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum bewusst für Frauen und Männer erreicht werden, insbesondere durch Identifikation und Abbau von sogenannten Angsträumen sowie die systematische Förderung guter Nachbarschaften. Zum anderen geht es auch um die Situation kleiner Unternehmen und Start Ups beziehungsweise von deren Mitarbeiter/innen mit Blick auf Qualifikationen und auf strukturelle Verbesserungen für eine gelingende „Work-Life-Balance.

 

Ressourcen für die Arbeit an dem Aktionsplan für 2016 und 2017

Im Etat des Frauenbüros sind für das Jahr 2016 Sachmittel i. H. v. 10.000 € und für 2017 i. H. v. 7000 € vorgesehen für

  • Recherche bzw. Untersuchungen
  • Mitwirkung an Beteiligungsprozessen
  • Durchführung von Workshops
  • Konzept- und Maßnahmenentwicklung
  • Öffentlichkeitsarbeit                                                                

[1] Vgl. Statistischer Vierteljahrsbericht der Stadt Offenbach III/2015, Seite 4. Zudem waren Frauen stärker als Männer von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen (Frauen und Männer am Arbeits- und Ausbildungsmarkt Agentur für Arbeit Offenbach, Bericht 2015, Seite 7).

[2] 2014 wuchs die Offenbacher Bevölkerung um 2 040 Personen auf 127 825 (Statistischer Vierteljahresbericht IV/2014, Seite 11).

[3] So suchte 2014 jede dritte Frau im Rechtskreis SGB III eine Teilzeitbeschäftigung (Frauen und Männer am Arbeits- und Ausbildungsmarkt Agentur für Arbeit Offenbach, Bericht 2015, Seite 7).

1. Februar 2016