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Die Stadt Offenbach fördert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Im Aktionsplan 2018/19 hat das Frauenbüro mit unterschiedlichen Kooperationspartnern Maßnahmen erarbeitet, die dazu beitragen sollen, die Statuten der Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene umzusetzen. Über die Umsetzung des Aktionsplans berichtet das Frauenbüro nun in einer Broschüre, die unter anderem im Internetportal der Stadt veröffentlicht wurde.
Nach Angaben von Karin Dörr, Kommunale Frauenbeauftragte und Leiterin des Frauenbüros, zielt der Aktionsplan darauf ab, die Lebensqualität und den Zusammenhalt der Menschen in Offenbach durch mehr Gleichberechtigung und Teilhabe an Erwerbsmöglichkeiten, Weiterbildung und sozialer Absicherung zu verbessern. „Mit den Zielen und Maßnahmen des Aktionsplans hat die Politik einen Orientierungs- und Handlungsrahmen beschlossen, der beides ermöglichen soll: Arbeiten und eine Familie führen“, so Dörr.

Zusätzliche Ressourcen zur Umsetzung des Aktionsplans

Die Frauenbeauftragte lobt, dass die Kommunalpolitik dem Frauenbüro zusätzliche Ressourcen bereitgestellt hat, damit es erste Ziele des Aktionsplans schon während des Erstellungsprozesses umsetzen konnte. „So haben wir die Initiative Teilzeitausbildung bereits 2017 starten können, die Auszeichnung für familienfreundliche Unternehmen schon zweimal verleihen und ein Netzwerk aufgebaut, das auf neuen Wegen Familien bei der Vereinbarkeit mit ihrem Job unterstützt“, sagt Dörr.

Teil des Netzwerkes sind Unternehmen, Kammern, Arbeitsmarkt-Institutionen, Bildungsträger und städtische Ämter. „Diese hervorragende Zusammenarbeit ist uns gelungen, weil wir den Beteiligungsprozess mit professioneller Begleitung, auf Augenhöhe, mit Transparenz und gegenseitiger Wertschätzung aufgesetzt und gelebt haben.“

Oberbürgermeister Schwenke lobt Zusammenarbeit

Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke unterstützt die Initiativen und Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung in Offenbach: „Die Stadt Offenbach hat sich mit dem 2016 erfolgten Beitritt zur Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern zu einer strategischen Neuausrichtung der kommunalen Gleichstellungspolitik verpflichtet. Zur Umsetzung unserer Ziele ist der nun vorgelegte neue Aktionsplan ein weiterer wichtiger Meilenstein.“

Schwenke lobt die Zusammenarbeit des Frauenbüros mit dem Netzwerk aus Unternehmen, Ämtern, Kammern, Wohlfahrtsverbänden und zivilgesellschaftlichen Gruppen. „Die Umsetzung des Aktionsplans stand aufgrund der von vielen Schultern zu tragenden Maßnahmen auf einer soliden Basis.“

In insgesamt drei Handlungsfeldern beschreibt der Aktionsplan die umgesetzten Maßnahmen 2018/19:

Handlungsfeld 1: Familienfreundliche Praxis in Unternehmen

Frauen und Männer gleichberechtigt auf der Arbeit zu fördern und zu unterstützen, ist Karin Dörr ein besonderes Anliegen: „Die Stadt ist als Arbeitgeber bereits seit vielen Jahren ein gutes Vorbild, durch flexible Arbeitszeitmodelle, die Möglichkeit Elternzeit zu nehmen und die Vorgabe, Frauen bei geeigneter Qualifikation bevorzugt einzustellen. Ganz neu sind betriebseigene Kitaplätze, die es Müttern und Vätern in der Verwaltung ermöglicht, frühzeitig wieder in den Beruf zurückzukehren.“

Im Netzwerk mit den beteiligten Partnern setzt sich Dörr dafür ein, dass auch Privatunternehmen die Chancengleichheit von Frauen und Männern im Erwerbsleben ermöglichen.

Um familienbewusste Personalpolitik zu fördern, bietet das Frauenbüro immer wieder Fortbildungsveranstaltungen an. Seit 2018 informiert die Stadt auf ihrer Website über die Aktivitäten auf betrieblicher Ebene. Zudem versendet das Frauenbüro einen thematischen Newsletter auch gezielt an interessierte Unternehmen. 

Handlungsfeld 2: Eigenständige Existenzsicherung durch frühe Wiedereingliederung

Insbesondere die Lebensqualität von Müttern wird oftmals davon bestimmt, dass sie wegen der Geburt von Kindern ihre berufliche Karriere unterbrechen. „Frauen einen frühen beruflichen Wiedereinstieg zu ermöglichen, ist daher eine Frage der Existenzsicherung“, so Dörr. „Die berufliche Tätigkeit ist aber auch von großer Bedeutung für die Versorgungsansprüche von Frauen im Alter.“ Das Frauenbüro setzt sich deshalb gemeinsam mit anderen Akteuren in der Stadt für die Förderung der eigenständigen Existenzsicherung von Menschen mit Familienverantwortung ein. „Dazu haben wir aufeinander abgestimmte Maßnahmen für unterschiedliche Zielgruppen entwickelt.“ Im Netzwerk „Weitblick“ werden deshalb Frauen und Männer bei ihrem Comeback in den Beruf unterstützt. Die Volkshochschule Offenbach hat zusammen mit der Agentur für Arbeit, dem Frauenbüro und der kommunalen Weiterbildungsberatungsstelle „webb“ eine Veranstaltungsreihe konzipiert, die dabei hilft, Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten zu finden und Hinweise zur Altersvorsorge vermittelt.

Ein erfolgreicher Wiedereinstieg kann aber auch durch betriebliche Personalentwicklung unterstützt werden. Die Offenbacher Stadtverwaltung beispielsweise regelt die Wiedereingliederung durch eine 2018 eingeführte neue Vorgehensweise mit verpflichtenden Personalgesprächen vor dem Eintritt in die Familienphase sowie unmittelbar vor der Rückkehr ins Berufsleben. Ein anderes Beispiel ist die Möglichkeit des Quereinstiegs in die Ausbildung als Erzieherin. Diese Möglichkeit hat die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte seit 2018 für den Eigenbetrieb Kindertagesstätten Offenbach mit der Agentur für Arbeit bereits für zwei Ausbildungsgruppen erfolgreich organisiert.

Auch die Teilzeitausbildung für Menschen mit Familienverantwortung ist ein wichtiger Baustein im Aktionsplan. Offenbacher Unternehmen und Beschäftigte informiert das Frauenbüro in einer Broschüre über Rahmenbedingungen, Umsetzungsmöglichkeiten und Ansprechpartner. Hierzu hat sich eine Interessensgemeinschaft Teilzeitausbildung unter der Organisation der Agentur für Arbeit und der MainArbeit gegründet. Eingebunden sind die verschiedenen Kammern, Unternehmen und Berufsbildungsträger, um gemäß dem Bedarf mehr Teilzeitausbildungsstellen anbieten zu können. „Auf Messen zur Berufsorientierung wie der goFit wird über positive Erfahrungen mit dem Konzept der Teilzeitausbildung berichtet“, sagt Dörr. „Immer mehr Unternehmen weisen bereits in ihren Stellenangeboten auf diese Möglichkeit hin.“ Mit der Vergabe der Auszeichnung für familienfreundliche Unternehmen 2017 und 2019 hat die Stadt auch Unternehmen gewürdigt, die sich in diesem Feld engagieren.

Handlungsfeld 3: Unterstützung von Familien bei der Alltagsorganisation

Um auf dem enger werdenden Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu bleiben, müssen Arbeitgeber die umworbenen Fachkräfte mit innovativen und attraktiven Angeboten auf sich aufmerksam machen. Dazu gehören auch Angebote für die Organisation des Alltags daheim. Angebote für Familien über Frühe Hilfen, Elternschule, Bildungsberatung und zielgruppenspezifische Maßnahmen, zum Beispiel für Alleinerziehende, werden von der Stadt in einem jährlich überarbeiteten Familienwegweiser aufgelistet. „Gleichwohl sind viele der bestehenden Angebote bei einem großen Teil der Bevölkerung als auch bei professionellen Trägern nicht umfassend bekannt“, bedauert Karin Dörr. Um den Zugang zu vielen Angeboten zu erleichtern, wäre es aus ihrer Sicht sehr hilfreich, einen zentralen Ort in der Stadt als Anlaufstelle einzurichten. Bislang gibt es nur speziell zugeschnittene und dezentrale Angebote, unter anderem in den Stadtteilbüros, im Mehrgenerationenhaus KJK Sandgasse sowie in Familienzentren. Abhilfe könnte ein neuer Offenbacher Familienservice leisten. Dort könnten künftig stärker Familien ohne manifeste soziale Probleme, aber auch mit wenig finanziellen Spielräumen, sowie neu zuziehende Familien angesprochen werden.

Für die Entwicklung eines Konzeptes hatte der damalige Oberbürgermeister Horst Schneider Ende 2017 einen Sonderauftrag vergeben: Die beteiligten Leitungskräfte aus Jugendamt, Volkshochschule, Agentur für Arbeit, MainArbeit und die Kommunale Frauenbeauftragte haben dieses Konzept im Juni 2019 vorgelegt und empfohlen, diese Servicestelle im Rahmen von Maßnahmen zur Belebung der Offenbacher Innenstadt zu realisieren. „Mit der Servicestelle gäbe es in Zukunft für alle Familien, Eltern und Kinder einen Grund mehr geben, in die Offenbacher Innenstadt zu kommen. Weil sie hier gebündelt verschiedene Dienstleistungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, eine Spielfläche, Beratungsangebote und mehr vorfinden“, so Dörr.

Die Anlaufstelle soll, sofern es hierfür einen politischen Beschluss gibt, umfangreiche Informationen und Beratung anbieten, eine Lotsenfunktion zur kontinuierlichen Ermittlung der Bedarfe von Offenbacher Familien einnehmen, die soziale Integration von Neubürgern fördern, mit Spielmöglichkeiten ein Treffpunkt für Eltern und Kinder werden und mit Informationen rund um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie einen Mehrwert für die ansässigen Unternehmen schaffen. „Familienfreundlichkeit kann damit ein Standortfaktor für den Wirtschaftsstandort Offenbach werden“, sind die Frauenbeauftragte und Oberbürgermeister Schwenke überzeugt.

Die Broschüre „Umsetzung des Aktionsplans Gleichstellung 2018/19“ ist in gedruckter Form im Frauenbüro erhältlich.