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Frau vor dem Schriftzug "believe in yourself"
© Alexas Fotos / Pixabay
Das Frauenbüro der Stadt Offenbach, die Lernwerkstatt Offenbach, die Mädchen-Etage, die Song Moo Kampfkunstschule für Mädchen und Frauen, die AG Mädchenarbeit, der IB Südwest, und beide Offenbacher Museen - das Haus der Stadtgeschichte und das Klingspor Museum - haben jungen Frauen und Mädchen mit einer Workshop-Reihe zum Thema Freiheit besondere Aufmerksamkeit verschafft.

Entstanden sind starke Statements, erarbeitet von starken Mädchen und jungen Frauen in Offenbach.

Gleiches Geld für gleiche Arbeit!

Ich will Toleranz!

Ich möchte selbst über meinen Körper entscheiden!

Erziehung ist Arbeit!

Ich möchte selbst entscheiden, was ich in meiner Freizeit machen möchte.

Du bist gut so, wie du bist.

„Die Museumspädagoginnen haben unseren Teilnehmerinnen Zugang zu Erfahrungen von Jugendlichen in der NS-Zeit ermöglicht. So wurden die Mädchen angeregt, über ihre eigenen Freiheiten, Einschränkungen und Rollen-Grenzen nachzudenken und dieser Reflexion künstlerisch Ausdruck zu verleihen“, resümiert Stephanie Taibi, die Mädchen aus ihrer Kampfkunstschule für den Workshop interessiert und sie begleitet hat.

„Alle Teilnehmerinnen der Lernwerkstatt Offenbach haben davon profitiert. Die beiden Museen hatten sie noch nie besucht. Mit dem Workshop, den das Frauenbüro bezuschusst hat, haben sie dort Zugang gefunden. Sie haben erlebt, dass politisch-kulturelle Bildung mit dem eigenen Leben zu tun hat und Spaß machen kann“, bedankt sich Lioba Janßen aus der Geschäftsführung der Lernwerkstatt bei den Macherinnen der Workshops.

Zum Internationalen Mädchentag 2019 haben sich insgesamt 21 junge Frauen und Mädchen unter Anleitung der Museumspädagoginnen Rebekka Kremershof und Dr. Dorothee Ader in den Offenbacher Museen Haus der Stadtgeschichte und Klingspor Museum mit diesen Fragen beschäftigt und dazu auch einen Blick in die Vergangenheit gewagt. Der Blick führte in eine Zeit, in der es um die Freiheit in Deutschland nicht gut bestellt war, und zu der jungen Frau Gretel Maraldo, die in Offenbach aussichtslos für den Erhalt ihrer persönlichen Freiheiten gekämpft hat.  

Gretel Maralo, geb. Mitze, wurde am 28. März 1923 in Offenbach geboren. Als junge Frau engagierte sie sich im nationalsozialistischen Deutschland bei einer oppositionellen Jugendgruppe, die zu den „Edelweißpiraten“ gehörte und sich in Offenbach die „Schlangenbande“ nannte. Diese Jugendlichen wollten sich nicht der Militarisierung der gesamten Jugend in Deutschland unterordnen und sich weiter auf ihre Weise kleiden und ihre Freizeit verbringen. Auch sprachen sie sich deutlich gegen die Kriegspläne der Nazis aus.

Im Januar 1944 wurde Gretel Maraldo zusammen mit anderen verhaftet und mit der Begründung „Verbrechen gegen § 4 Volksschädlingsverordnung“ eingesperrt, im Juni aber wieder entlassen. Am 6. Januar 1945 versuchte sie mit vier weiteren Jugendlichen in die Schweiz zu kommen, wurde aber nach zwei Tagen in Villingen festgenommen und kam in das Gefängnis in Bensheim.

Am 24. März sollte sie, wie ihre Mitgefangenen, erschossen werden. Auf dem Weg zum Kirchberg bei Bensheim versuchte sie zusammen mit einem russischen Mitgefangenen zu fliehen. Bei diesem Fluchtversuch wurde Gretel Maraldo erschossen, drei Tage vor der Befreiung und vier Tage vor ihrem 22. Geburtstag.

Angeregt durch Gretel Maraldos Geschichte und die noch recht jungen individuellen Freiheitsrechte in Deutschland wurden an den beiden Aktionstagen von 21 Mädchen und Frauen 21 Wünsche, Forderungen und Statements formuliert und im Stadtraum Offenbach verteilt. Statements, die den unbedingten Willen der jungen Generation Frauen offenbart, sich emanzipiert in die Gesellschaft einzubringen. Es ist eine starke Generation mit Bewusstsein über ihre Kraft und ihre Rechte, und es ist eine Generation, die sich noch nicht gleichberechtigt fühlt. „Auch Männer sollen sich um ihre Kinder kümmern, damit Frauen arbeiten gehen können“, findet beispielsweise eine Teilnehmerin aus der Lernwerkstatt, die als junge alleinerziehende Mutter Schwierigkeiten hatte, einen Ausbildungsbetrieb zu finden, der sie in Teilzeit beschäftigt.

Die Postkarten als Ausdruck der Girl-Power im öffentlichen Raum eignen sich zum Weitergeben, Verschicken und Verschenken und konnten mit der finanziellen Unterstützung des Offenbacher Frauenbüros realisiert werden. Die Postkartenserie ist im Klingspor Museum und im Frauenbüro passend zur Weihnachtszeit kostenfrei erhältlich.

 

Weitere Informationen:     

Quelle für das Schicksal von Gretel Maraldo: Frauen prägen Offenbach – auf Spurensuche durch drei Jahrhunderte, 2016. Erhältlich im Haus der Stadtgeschichte und in Offenbacher Buchhandlungen.

5. Dezember 2019