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Frauen
© criene / photocase.de
Einmal pro Legislaturperiode gibt das Frauenbüro gemeinsam mit dem Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration eine Statistik unter dem Titel „Frauen in Offenbach – Arbeitsmarkt, Bildung, Politik“ heraus. Nun ist die vierte Auflage (Stand Juli 2017) des Flyers erschienen, überwiegend mit Zahlen aus 2016. Beginnend mit der ersten Auflage (2004) kann somit verglichen und nachvollzogen werden, wie sich seither der Anteil der Frauen an der Bevölkerung und bei den Geburten, am Arbeitsmarkt und als Erwerbslose, beim Bezug staatlicher Transferleistungen (Grundsicherung), am Elterngeldbezug, bei Schulabschlüssen und als Studierende an der Hochschule für Gestaltung, als Mandatsträgerinnen in der Stadtverordnetenversammlung und im Ausländerbeirat sowie in den Aufsichtsräten beim Stadtkonzern zahlenmäßig und im Vergleich zum männlichen Teil der Bevölkerung darstellen.
Einige Erkenntnisse über die Partizipation von Frauen am gesellschaftlichen und Arbeitsleben sind besonders hervorzuheben. So ist in der wachsenden Stadt Offenbach der Anteil von Frauen von Dezember 2003 (118.073 Einwohner/innen, darunter 59.856 Frauen) bis Dezember 2016 (133.827 Einwohner/innen, darunter 66.086 Frauen) von 51 auf 49,4 Prozent gefallen. Die Geburtensteigerung in Offenbach ist deutlich sichtbar: Im Jahr 1999 wurden 1.186 Kinder geboren, im Jahr 2016 waren es mit 1.569 genau 383 Kinder mehr, die zur Welt gebracht wurden; zuletzt lag der Mädchenanteil an den Geburten bei 49,6 Prozent und somit knapp über dem weiblichen Bevölkerungsanteil von 49,4 Prozent.

Beim Elterngeldbezug stieg der Anteil der Väter, die Elterngeld beantragten, von 17,9 Prozent 2012 auf 21,1 Prozent im Jahr 2014 (neuere Daten des Statistischen Bundesamtes lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor). Offenbach befindet sich bundesweit unter den Schlusslichtern beim Elterngeldbezug von Vätern. Bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wird unterschieden zwischen Beschäftigten am Arbeitsort Offenbach und Beschäftigten am Wohnort Offenbach. Am stärksten ist der Frauenanteil am Arbeitsort Offenbach gestiegen, von 42,2 Prozent (2001) auf 45,3 Prozent (2016). Dabei sank die absolute Zahl der Beschäftigten beiderlei Geschlechts am Arbeitsort um 2.820 Personen. Die Quote der arbeitslosen Frauen lag 2004 vor der Einführung von „Hartz IV“ bei 40,1 Prozent und liegt im Jahr 2016 bei 50,3 Prozent. Der Frauenanteil am gesamten Sozialhilfebezug lag 2004 bei 55,9 Prozent, heute liegt der Frauenanteil beim SGB-II-Bezug bei 53,4 Prozent und somit um 4 Prozentpunkte über ihrem aktuellen Bevölkerungsanteil.

Der Mädchenanteil an den Offenbacher Hauptschulen liegt aktuell bei 39,1 Prozent. Im Vergleich dazu fällt negativ ins Gewicht, dass bei den Schulentlassenen des Jahrgangs 2015/16 ohne Hauptschulabschluss Mädchen überproportional betroffen waren, nämlich mit 44,8 Prozent Anteil an denjenigen, die ohne Abschluss die Schule beendet haben. 2004 waren 34 Prozent der Stadtverordneten weiblich, zwölf Jahre später sind es 38 Prozent. Frauen sind nach wie vor in der Politik beziehungsweise im Parlament weit unterhalb ihres Anteils von 49,4 Prozent an der Bevölkerung vertreten und somit unterrepräsentiert. Die 71 Mandate werden aktuell von 44 Männern und 27 Frauen wahrgenommen. Der Spitzenwert von 39,4 Prozent Frauenanteil aus dem Jahr 2012 konnte nicht gehalten werden. In den Aufsichtsräten fällt die Unterrepräsentanz noch gravierender ins Gewicht, hier sind nur 20,3 Prozent der Sitze mit Frauen besetzt. Der Ausländerbeirat besteht aus 25 Personen, davon 9 Frauen beziehungsweise 36 Prozent der Sitze – zum Vergleich: 2012 waren es 34 Prozent Frauen.

Aus Sicht der Kommunalen Frauenbeauftragten Karin Dörr weist die statistische Übersicht deutlich auf verschiedene Handlungsbedarfe in Sachen Gleichstellung hin: 1) Der Zugang zum Arbeitsmarkt muss für Frauen weiter und konsequent verbessert werden, insbesondere durch  Maßnahmen zum beruflichen Wiedereinstieg nach Eltern- und Pflegezeit. Genauso muss die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf der betrieblichen Ebene unterstützt werden. 2) Väter müssen dabei unterstützt werden, ihren gleichberechtigten Anteil an der unbezahlten Familienarbeit zu übernehmen, damit steigen auch die Chancen für Frauen hinsichtlich ihrer eigenständigen Existenzsicherung. 3) Mädchen an Hauptschulen benötigen eine gezielte Unterstützung, um den Schulabschluss zu erreichen, genauso wie Jungen und basierend auf einer differenzierten Problemanalyse. 4) Noch immer sind zu wenige Frauen in der Kommunalpolitik vertreten – gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil besteht noch eine Lücke von mehr als 10 Prozent der Mandate, zum Beispiel in der Stadtverordnetenversammlung.

Die vier Ausgaben des Statistik-Flyers sind zu finden unter www.offenbach.de/statistik .

Gedruckte Exemplare können im Frauenbüro (Rathaus, Berliner Straße 100, 63065 Offenbach) sowie telefonisch unter 069 8065-2010 bestellt werden.

Offenbach am Main, 9. August 2017