Sprungmarken
Suche
Suche

Gruppenfoto
© georg-foto.de
In zahlreichen Branchen wie dem Handel, in Dienstleistungsunternehmen von IT bis Marketing, in Produktionsbetrieben, Unternehmen des Gesundheitswesens, Wohlfahrtsverbänden, Unternehmen der kommunale Daseinsvorsorge bis zu Behörden des Landes und des Bundes wird nach Ansicht der Kommunalen Frauenbeauftragten Karin Dörr Herausragendes für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beziehungsweise für die Pflege der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getan.
Aus diesem Grund hat die Stadt Offenbach erstmals die Auszeichnung „Familienfreundliches Unternehmen 2017“ verliehen.

In Anwesenheit von rund 90 Repräsentantinnen und Repräsentanten von Unternehmen, Behörden, aus der Kommunalpolitik, von Personalverantwortlichen, Betriebs- und Personalrätinnen sowie Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten überreichte Oberbürgermeister Horst Schneider heute 15 Unternehmen und einem Verbund von fünf Landesbehörden die Urkunden. Die Auszeichnung erhielten:

Kleinunternehmen bis 50 Beschäftigte:

  • HBS Steuerberatungsgesellschaft mbH
  • Hammann Lederwaren
  • Kitzinger Blumen
  • Ortho-Klinik Rhein-Main
  • Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Offenbach – Stadt e.V.

Mittlere Unternehmen bis 250 Beschäftigte:

  • ADACOR Hosting GmbH (IT Service)
  • Codema International GmbH (Ingenieurbüro)
  • Taste! food & beverage communication GmbH (Marketing und Kommunikation)
  • Schwanen Apotheke Offenbach
  • Saint-Gobain Building Distribution Deutschland GmbH (Baufachhandel)
  • Alfred Clouth Lackfabrik
  • Werkstätten Hainbachtal gGmbH

Großunternehmen mit 250 und mehr Beschäftigten:

  • EVO Energieversorgung Offenbach AG
  • SOH Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe
  • Deutscher Wetterdienst

Kooperationsverbund Behörden Offenbach:

  • Polizeipräsidium Südosthessen, Amtsgericht Offenbach, Finanzämter Offenbach am Main I und II und Staatsanwaltschaft Darmstadt, Zweigstelle Offenbach

Die ausgezeichneten Unternehmen, so Karin Dörr, engagierten sich in herausragender Weise für die Vereinbarkeit, insbesondere mit folgenden Angeboten: Sie unterstützen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit mit individuellen Arbeitszeitmodellen, oft mit der Möglichkeit vom Home Office aus zu arbeiten. „Dadurch wird oftmals eine Berufstätigkeit in Vollzeit, also ein auskömmliches Arbeits-Einkommen ermöglicht, anstatt Frauen – wie es leider immer noch der Fall ist – ins berufliche Abseits oder in Minijobs ohne soziale Absicherung abzudrängen.“

Eines der ausgezeichneten Unternehmen bezuschusst die Kinderbetreuungskosten von Beschäftigten, andere ermuntern gerade Väter, Elternzeit zu nehmen. Kinder können in vielen Firmen und Behörden bei kurzfristigen Betreuungsnotständen mit an den Arbeitsplatz gebracht werden – dort, wo ein Eltern-Kind-Büro zur Verfügung steht. Mehrere Firmen sind durch den Kauf von Belegrechten in Kitas engagiert dabei, einen Kitaplatz zu vermitteln, andere vermitteln für den Nachwuchs der Beschäftigten die Teilnahme an Ferienspielaktionen oder organisieren Kinderbetreuung an Brückentagen in der Behörde. Zur Unterstützung pflegender Angehöriger geben einige Unternehmen ein Pflegehandbuch heraus. Führungspositionen können vielerorts auch in Teilzeit ausgeübt werden. Einige der Unternehmen und Behörden bieten die Berufsausbildung auch in Teilzeitform an.

Eine siebenköpfige Jury aus Arbeitsagentur Offenbach, MainArbeit, Gewerkschaft Verdi, Netzwerk Frauen für Offenbach, dem Bildungsträger Lernwerkstatt Offenbach und der Kommunalen Frauenbeauftragten hatte unter Vorsitz des Oberbürgermeisters im Mai entschieden, das gezeigte Engagement durch die Prämierung einer großen Anzahl von Unternehmen und eines Behördenverbunds zu honorieren.

Oberbürgermeister Schneider betonte anlässlich der Verleihung der Urkunden die Bedeutung familienfreundlicher Unternehmen für die Stadt Offenbach und warum die Stadt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beziehungsweise Pflege öffentlichkeitswirksam unterstützt. „Mit der heutigen Preisverleihung steht die Verantwortung von Arbeitgebern im Mittelpunkt. Sie soll Ansporn sein für weitere Unternehmen, die Vereinbarkeit von Beruf und Arbeit, insbesondere bei Frauen, zu fördern.“ Er betonte, dass es neben organisatorischen Lösungen darum gehe, eine zeitgemäße Unternehmenskultur zu etablieren, bei der die Führungskräfte die Vereinbarkeit vorleben. „Besonders auch berufstätige Männer benötigen ein Signal, dass Elternzeit zu nehmen oder pflegebedürftige Eltern zu pflegen innerhalb eines Unternehmens zur Normalität gehört.“

Die Stadt Offenbach, so Schneider, werde durch diese Unternehmenskultur zu einer lebenswerteren Community. Er ermunterte die Firmenchefinnen und Chefs, in ihren Anstrengungen fortzufahren: „Insgesamt beschäftigen Sie bereits jetzt mehr als 5.000 Beschäftigte, die potentiell durch die verbesserte Vereinbarkeitssituation in Ihren Unternehmen profitieren.“ Am Arbeitsort Offenbach gehen derzeit rund 46.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ihrer Arbeit nach (Quelle Bundesagentur für Arbeit, Stand Juni 2016). Damit die guten Beispiele von weiteren Unternehmen aufgegriffen werden, erarbeitet die Kommunale Frauenbeauftragte gerade eine entsprechende Offenbacher Unternehmensbroschüre, die im September erscheinen soll.

Die Referentin und Impulsgeberin des Tages, Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe von der Justus-Liebig-Universität Gießen, die als Sachverständige am 2. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung beteiligt war, betonte, dass Familienfreundlichkeit ein Erfolgsfaktor für Unternehmen sei. Sie hob hervor, dass viele Arbeitgeber die Bedeutung der „Vereinbarkeitsfrage“ für die Gewinnung und Bindung von Fachkräften an die Unternehmen erkannt hätten. Es sei ein großer Fortschritt, die Sorge um Kinder, pflegebedürftige Angehörige und um die eigene Gesundheit der Beschäftigten betrieblich aktiv zu stützen.

Die Auszeichnung familienfreundlicher Unternehmen ist eingebettet in die städtische Initiative „1. Offenbacher Aktionsplans für die neue Vereinbarkeit von Beruf & Familie bzw. Pflege“. Der Aktionsplan wird federführend von der Kommunalen Frauenbeauftragten Karin Dörr unter Beteiligung von Offenbacher Unternehmen und Trägern der Berufsbildung aufgestellt. Damit wird die „Europäische Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene“ umgesetzt, der Offenbach 2016 beigetreten ist.

Offenbach am Main, 28. August 2017