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Verleihung Sophie von Laroche Preis
Von links: Laudatorin Steffi Wetzel, Stadträtin Marianne Herrmann, Leiterin des Frauenbüros Dr. Inga Halwachs und Preisträgerin Antje Hagel. © Stadt Offenbach / georg-foto, offenbach
Die Stadt Offenbach am Main zeichnet Antje Hagel, Leiterin des Fanprojekts Offenbach, in Anerkennung und Würdigung ihres herausragenden Engagements für die Gleichstellung von Frauen und Mädchen sowie den Abbau von Stereotypen und gegen Sexismus, Rassismus und Diskriminierung im Fußball aus.

Die Auszeichnung, die dem Lebenswerk der Schriftstellerin Sophie von La Roche gewidmet ist, wird alle zwei Jahre verliehen und ist mit einem Preisgeld von 1.500 Euro dotiert. Die Preisverleihung fand am späten Freitagnachmittag in Corona bedingtem kleinen Kreis statt. Nach der Begrüßung durch die Stadträtin Marianne Herrmann und die Laudatio von Steffie Wetzel, Erzieherin und OFC-Fan aus Leidenschaft, überreichte Marianne Herrmann den Sophie von La Roche-Preis 2020 im Namen des Magistrats der Stadt Offenbach.

Als Antje Hagel, studierte Anthropologin und Politikwissenschaftlerin, 1994 das unabhängige Fan-Magazin der Offenbacher Kickers „ERWIN“ mitgründete, erhielt die Frauenfußball-Nationalmannschaft als Prämie für den Titelgewinn bei der Europameisterschaft (EM) 1989 noch Tafelgeschirr und ein Münzset als Prämie für den 4. Platz bei der Weltmeisterschaft (WM) 1991. Auch heute noch ist der Gender Gap bei den Prämien im Frauen- und Männerfußball eklatant. Als Siegprämie bei der Frauen-WM 2019 waren 75.000 Euro ausgelobt. Zum Vergleich: bei der WM der Männer 2018 hätte jeder Spieler 350.000 Euro für den Titelgewinn erhalten.

Auch wenn das Tafelgeschirr nur noch eine viel zitierte Anekdote ist, sind Frauen und Mädchen auf und neben dem Platz noch nicht gleichgestellt. Ungleichbehandlung und Diskriminierung zeigen sich nicht nur anhand von Prämien und Gehältern. Frauen erleben im Stadion auf dem Platz und in den Fankurven verschiedene Formen von Sexismus und sexualisierter Gewalt, diese reichen von Ausgrenzungen bis zu körperlichen Angriffen und sogar Übergriffen. „Die Arbeit Antje Hagels richtet sich gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, sexualisierte Gewalt, Homophobie, kurz -  gegen alle spürbaren Diskriminierungen im und um das Stadion und darüber hinaus“, lobt die Stadträtin Marianne Herrmann. Antje Hagel initiierte mit anderen weiblichen Fans das „Netzwerk gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt“, thematisierte „Sexismus im Stadion“ in Zeitungsartikeln und Ausstellungen und war maßgeblich an der Entwicklung eines Handlungskonzeptes gegen sexualisierte Gewalt im Zuschauerinnen- und Zuschauersport Fußball beteiligt.

Als Mitgründerin von „F_in – Netzwerk Frauen im Fußball“ ist sie Vorreiterin und Vorbild für gendersensible Fanarbeit in Offenbach, Hessen und darüber hinaus und rückt Frauen im Fußball immer wieder vom Seitenrand auf die Mittellinie, zum Beispiel durch die Ausstellung „Fan.Tastic Females – Football Her.Story“, die Frauen als Fans und Funktionäre im Fußball vorstellte und von Antje Hagel in Zusammenarbeit mit dem Amt für Kultur- und Sportmanagement und dem unabhängigen OFC-Fanmagazin Erwin im Jahr 2019 organisierte wurde.

"Antje Hagel hat eine positive Einstellung zum Fußball, für sie gehören Frauen und Mädchen ganz selbstverständlich als Teil des Systems dazu. Dabei hat sie den Fußballsport stets mit all seinen Facetten im Blick“, resümiert die Stadträtin Marianne Herrmann. Damit ist das Fanprojekt Offenbach und Antje Hagel als Leiterin preiswürdig, urteilte die Vergabejury zur Vergabe des Sophie von La Roche-Preises für die Gleichberechtigung von Frauen einstimmig. Auch Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke urteilt: „Ich habe Antje Hagel als äußerst sympathisch und zupackend erlebt, eine echte Macherin. Sie hat die Anerkennung hart erarbeitet und absolut verdient.“

31. August 2020