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Moment. Die Elly-Heuss-Knapp-Schule? In Offenbach? Gibt es nicht. Warum sind eigentlich nur vier von 27 Offenbacher Schulen nach Frauen benannt, fragten sich die Mädchen und jungen Frauen auf Initiative der AG Mädchenarbeit der Stadt Offenbach bei ihren Vorüberlegungen zum diesjährigen Internationalen Mädchentag am 11. Oktober. Einmal im Jahr finden dann weltweit Aktionen statt, die darauf aufmerksam machen, dass Mädchen und Frauen auch heute noch Benachteiligungen und Ungleichbehandlungen erfahren.

Starke Frauen sichtbar machen

„Starke und engagierte Frauen waren und sind auch heute in allen gesellschaftlichen Bereichen, ob als Politikerin, Schriftstellerin, Musikerin und anderen Bereichen in allen Epochen präsent. Aber bis heute sind sie im öffentlichen Raum unterrepräsentiert oder fallen in der Berichterstattung noch immer dem generischen Maskulinum zum Opfer. Denn ganz ehrlich: Wer denkt bei der Schlagzeile der Tagesschau aus dem Oktober 2019 ´Wirtschaftsnobelpreis geht an drei Armutsforscher´ an die beteiligte Forscherin?“, fragt die kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, Dr. Inga Halwachs.

Gemeinsam machten sich die Mädchen und junge Frauen des Jugendzentrums Lauterborn und der Lernwerkstatt Offenbach e.V.  auf die Suche nach Starken Frauen und fingen bei ihren Schulen an. Unterstützt von den Mitarbeiterinnen der Einrichtungen setzten sie sich mit den Namensgebern „ihrer“ Schulen auseinander und wurden bei ihren Recherchen nach weiblichen Pendants schnell fündig. Wer also waren Elly-Heuss-Knapp, Katherine-Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson?  

Elisabeth Eleonore Anna Justine Heuss-Knapp, genannt Elly Heuss-Knapp, war nicht nur mit Theodor Heuss, dem ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, verheiratet, sondern auch Politikerin, Sozialreformerin und Gründerin des Müttergenesungswerks. Weil die Teilnehmerinnen des Jugendzentrums Lauterborn von der Black Lives Matter-Bewegung beeinflusst waren, wurden aus Albert-Schweitzer-Schule, August-Bebel-Schule und Beethovenschule kurzerhand die Katherine-Johnson-Schule, Dorothy-Vaughan-Schule und Mary-Jackson-Schule.

Johnson, Vaughan und Jackson waren afroamerikanische Mathematikerinnen, die in den 1950er und 1960er Jahren, trotz Rassentrennung und Geschlechterungleichheit, für die NASA gearbeitet haben und dies mit großem Erfolg. Es ist diesen drei Frauen zu verdanken, dass John Glenns Erdumrundung in einem Raumschiff im Jahr 1962 erfolgreich und sicher verlief. „Ihre Arbeit, Mut und Stärke gibt unseren Mädchen Hoffnung, im Leben alles zu erreichen, egal, welche Hautfarbe, Religion und Nationalität sie haben“, so Mariam Alhahbare, B.A. Sozialarbeiterin, vom Jugendzentrum Lauterborn.

Mädchenetage nimmt Goetheschule und Hafenschule ins Visier

An Gretel Maraldo erinnert im Heusenstammer Weg 31 ein Stolperstein und am 11. Oktober die Mädchenetage im JUZ Nordend. Sie benannten die Goetheschule nach der jungen Offenbacherin um: Gretel Mitze wurde am 28. März 1923 geboren, heiratete mit 18 Jahren den Italiener Romano Maraldo und engagierte sich bei einer oppositionellen Jugendgruppe. Im Januar 1944 wurde sie mit der Begründung „Verbrechen gegen § 4 Volksschädlingsverordnung“ verhaftet, freigelassen und am 24. März auf der Flucht erschossen.
Ebenfalls politisch aktiv und engagiert zeitlebens war die 1889 geborene Frieda Rudolph, auch „Engel der Alten und Einsamen genannt. Von 1933 stand die Stadtverordnete unter Beobachtung der Nationalsozialisten und nahmen sie nach mehreren Hausdurchsuchungen für einen Monat in Schutzhaft. 1962 verlieh ihr die Stadt Offenbach den Ehrentitel Stadtälteste, 2020 erinnerte die Mädchenetage mit der Umbenennung der Hafenschule an die streitbare Politikerin.

„Wir setzen ein Zeichen dafür, dass es genauso viele starke und einflussreiche Frauen wie Männer gab. Es wäre schön, wenn die Aktion zum Nachdenken anregt und etwas für die Zukunft verändert“, wünschen sich die Mädchen anlässlich „ihres“ Tages.

13. Oktober 2020