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Bürgermeister Peter Schneider, Mädchen und Ampelfrau
© georg-foto.de

Die Ampelfrau ist eigentlich ein Ampelmädchen, erkennbar an Rock und Zöpfen. Denn Symbole im Straßenverkehr müssen schnell erkannt werden, so dass man sich bei deren Gestaltung durchaus der Geschlechterstereotypisierung bedient. In Offenbach wird ab dem 9. Oktober 2015 an einer Fuß- und Radwegampel ein Mädchen anzeigen, wann die Passantin oder der Passant stehen bleiben müssen und wann sie losgehen dürfen. Das Ampelmädchen soll, so die Kommunale Frauenbeauftragte Karin Dörr, zum Nach- und Umdenken anregen und ein Bewusstsein schaffen für eine gleichberechtigte Wirklichkeit anhand von Bildern und Symbolen.

Durch die Ausstattung der Ampelanlage am Fußgänger- und Fahrradüberweg Berliner Straße/Herrnstraße mit einem Mädchensymbol soll das weibliche Geschlecht im öffentlichen Raum sichtbar gemacht werden. Die Enthüllung der umgerüsteten Ampel erfolgt am Freitag, 9. Oktober, um 14 Uhr in Anwesenheit von Bürgermeister und Jugenddezernent Peter Schneider, Fachfrauen der AG Mädchenarbeit, Agnes Thölking vom Jugendbildungswerk des Jugendamtes, der Kommunalen Frauenbeauftragten Karin Dörr sowie Sigrid Pietzsch und Ivonne Gerdts vom Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement

Initiiert wurde die Aktion durch die Arbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit. Mitarbeiterinnen aus Organisationen der Sozialen Arbeit haben sich zusammengeschlossen, um Mädchenbildungs- und Sozialarbeit bei anerkannten Trägern der freien und der öffentlichen Jugendhilfe umzusetzen. Der AG gehört auch die Kommunale Frauenbeauftragte an.

Zum Thema Mädchen im öffentlichen Raum haben zwei Pädagoginnen der AG, Corinna Böhme-Prömper vom Evangelischen Dekanat Offenbach und Claudia Bernhard vom IB-Treff Waldhof in ihren Einrichtungen Interviews mit rund 25 Mädchen geführt. Die Befragten sind im Alter von zehn bis 17 Jahren; ihre Antworten geben einen Einblick in die Lebenswelt der Mädchen und die Orte, an denen sie sich in Offenbach außerhalb von Familie und Schule aufhalten. Die Teilnehmerinnen geben Auskunft darüber, wie sie sich in der Stadt bewegen, wo sie Angsträume sehen und welche wie gearteten Lieblingsorte sie sich wünschen.

Die jüngeren Mädchen nennen als einen ihrer Lieblingsorte den Spielplatz, von den Älteren wird der „Besuch in der Stadt“ als Ort und Beschäftigung zugleich genannt. An öffentlichen Orten geben die Mädchen ansonsten noch das Schwimmbad und als Beschäftigung „einfach mal raus gehen“ an. Alle weiteren Orte der Freizeitbeschäftigung und die Lieblingsorte der Mädchen befinden sich innerhalb von geschützten Räumen. Es werden genannt das Gemeindehaus, die Moschee, das Jugendzentrum, der Baum im Garten der Tante, der Besuch im Haus der Freundin. „Hellhörig machten uns die Antworten der Mädchen auf die Frage, wie ihr Lieblingsort aussehen müsste“, erläutert Corinna Böhme-Prömper. „Neben den zu erwartenden Träumereien von einem Freizeitpark, einem Bauernhof mit vielen Tieren, Süßigkeiten-Straßen und ähnliches wünschen sich zum Beispiel jüngere Mädchen eine ,ruhige Straße‘ oder auch ‚freundliche Nachbarn‘.“ Damit könne das Bestreben erklärt werden, bevorzugt geschützte und angstfreie Räume aufzusuchen.

Die Pädagoginnen wünschen sich, dass sich die Mädchen ungehindert und ohne Bedrohung in der Öffentlichkeit bewegen können, dass sie die „Straße“ als Erfahrungs- und Lernort für sich in Anspruch nehmen und darin gefördert werden, explorative und risikoerprobende Verhaltensweisen zu entwickeln. Dabei helfen würde auch, wenn Mädchen im Zuge der öffentlich geförderten Sommer-Ferienspiele der Stadt beziehungsweise der freien Träger vermehrt an Sportangebote herangeführt würden.

Genau hier setzt die Aktion an: Das Ampelmädchen soll exemplarisch ein Rollenbild vermitteln, wonach Mädchen im öffentlichen Raum genauso selbstverständlich wie Jungen vorkommen. Sie sollen sich durch ein derart prominentes Erscheinungsbild im öffentlichen Raum besser wahrgenommen und angesprochen fühlen. Vermittelt wird dadurch ein Gegenbild zur männlich besetzten Sprache und Alltagskultur. Es geht bei dem Einsatz des Ampelmädchens also auch um die Gleichstellung der Geschlechter.

 

 

Hintergrund:

Bereits zum dritten Mal findet in Offenbach eine Aktion zum Internationalen Mädchentag auf öffentlichen Plätzen statt. In 2014 und 2013 hatte die Arbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit mit verschiedenen Mädchengruppen Mitmachaktionen mit Tanz und Musik auf dem Aliceplatz organisiert. Mit der Ampelaktion setzen die Fachfrauen in diesem Jahr mit Unterstützung des Amtes für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagent sowie des Bürgermeisters und Jugenddezernenten Peter Schneider als auch der städtischen Gleichstellungskommission ein Zeichen für eine mädchengerechte Gestaltung des öffentlichen Raumes. Unterstützt wird die Aktion auch von der Energieversorgung Offenbach (EVO), die im Zuge der Wartungsarbeiten die Ampel ohne zusätzliche Kosten umrüstet und eine Infotafel anbringt. Die Arbeitsgemeinschaft wünscht sich, dass weitere Ampeln mit dem Mädchensymbol ausgestattet werden.

„Mit dem Internationalen Mädchentag haben die Vereinten Nationen seit 2012 eine gute Möglichkeit geschaffen, um auf die weltweite Benachteiligung von Mädchen hinsichtlich ihrer Lebenschancen, ihrer Versorgung, Bildung, Gesundheit und Betroffenheit von sexueller Gewalt hinzuweisen sowie mehr Aufmerksamkeit und Entschlossenheit für Gleichberechtigung und Chancengleichheit einzufordern“, sagt Karin Dörr.

Weitere Informationen finden sich auf: www.plan-deutschland.de/focus/int-maedchentag/der-welt-maedchentag

 

Pressekontakt: Karin Dörr Kommunale Frauenbeauftragte Telefon: 069 8065-2010 E-Mail: karin.doerroffenbachde