Sprungmarken
Suche
Suche

2011-2012: Parastou Forouhar

Im März 2012 erhielt die aus dem Iran stammende Künstlerin Parastou Forouhar den Sophie von la Roche Preis: mit Forouhar wird eine Frau ausgezeichnet, die wegen ihrer politisch verstandenen Kunst und ihr Eintreten für Frauen- und Menschenrechte weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist.

Forouhar fordert mit ihrer Kunst und mit literarischen Mitteln den Diskurs über Frauen- und Menschenrechte. Sie fördert mit ihren Positionen den Dialog zwischen unterschiedlichen Menschen und Kulturen. Sie beweist durch ihr gesellschaftspolitisches Engagement großen Mut. Auf ihren Reisen in den Iran weist sie mit großem Nachdruck auf die nicht eingelösten Frauen- und Menschenrechte hin. Im Jahre 2011 erschien ihr Titel „Das Land, in dem meine Eltern umgebracht wurden – Liebeserklärung an den Iran“. Das Buch schildert ihre Erlebnisse im Zusammenhang der nicht abgeschlossenen Aufklärung der politisch motivierten Ermordung ihrer Eltern.

Forouhar lebt seit dem Jahr 1991 in Deutschland und begann 1992 ein Aufbaustudium an der HFG in Offenbach. Von 1995 bis 2000 war sie Mitglied des Kunstprojektes „Fahrradhalle“. In der Fahrradhalle kooperierte eine Gruppe HFG-Absolventen. Sie nutzten Räume in der Luisenstraße, um ihre Kunst gemeinsam auszustellen. Das Spannungsverhältnis zwischen der Arbeit im Kollektiv und der Individualität der eigenen Kunst hat Parastou Forouhar besonders gereizt und war Thema ihrer Arbeit.

Feministische Kunst hat Frau Forouhar im Jahr 2001 auf der Berlinale in Berlin ausgestellt. Unter dem Titel „Wegziehen“ präsentiert sie Ausstellungsstücke im Frauenmuseum Bonn. Auf internationaler Ebene beteiligte sich die Künstlerin Forouhar 2007 an der Ausstellung „Global Feminism“ im Brooklyn Museum in New York. In Offenbach war sie 2010 anlässlich der Reihe „Iran im Umbruch – Frauen als Akteurinnen“ als Zeitzeugin und Künstlerin geladen, um ihren Blick auf den Iran und die Rolle der Frauen in der Demokratiebewegung zu schildern.

Der Sophie von La Roche-Preis ist eine Initiative der „Kommission zur gesellschaftlichen Gleichstellung der Frau“, die im Jahr 2008 von der Stadtverordnetenversammlung bestätigt wurde. „Der Preis ist mit 1.500 Euro dotiert“, so die Kommunale Frauenbeauftragte Karin Dörr. Das Frauenbüro ist Geschäftsstelle der Jury für den Sophie von La Roche-Preis.

2009: Grete Steiner

Die vielfach engagierte SPD-Stadtverordnete Grete Steiner ist die erste Sophie von La Roche-Preisträgerin der Stadt Offenbach. Die 1944 geborene Lehrerin für Geschichte, Politik und Sozialkunde an der Schillerschule wird damit für ihren ehrenamtlichen Einsatz für die Gleichstellung von Frauen und Männern ausgezeichnet. Unter anderem hat Steiner 1996 die Initiative Frauenenergie in Offenbach gegründet, die mit jährlichen Ausstellungen und Veranstaltungsreihen öffentlich auf die Verdienste und Leistungen von Frauen aufmerksam macht.

Der Sophie von La Roche-Preis geht auf einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung von Dezember 2008 zurück. Er würdigt herausragende und innovative Leistungen zu Gunsten der Gleichberechtigung. Der mit 1500 Euro dotierte Preis wird ab 2009 im Zwei-Jahres-Rhythmus vergeben. Preisträger können Einzelpersonen, Frauenprojekte und Institutionen wie Vereine oder Verbände sein.

Die Jury hat sich unter dem Vorsitz von Stadträtin Marianne Herrmann (SPD) einstimmig dafür entschieden, den Preis an Grete Steiner zu vergeben. Der Jury gehören neben der kommunalen Frauenbeauftragten und der Vorsitzenden der Gleichstellungskommission zwei Personen des öffentlichen Lebens in Offenbach, zwei Mitglieder der Gleichstellungskommission sowie eine Vertreterin oder ein Vertreter der Industrie- und Handelskammer (IHK) an. Mit Professor Dr. Anette Kuhn und anderen war Grete Steiner Ende der 1980er Jahre Mitbegründerin des überregional bekannten Vereins „Haus der Frauengeschichte Bonn e.V.“, wo sie sich bis heute engagiert.

Ende der 1980er Jahre hat sie sich in Symposien an der Gesamthochschule Kassel und beim Hessischen Kultusministerium erfolgreich dafür eingesetzt, die Schulbücher so zu reformieren, dass Frauen und Mädchen dort endlich einen Platz und eine Würdigung ihrer gesellschaftspolitischen Beiträge, ihres künstlerischen und wissenschaftlichen Wirkens erfahren.

Steiner ist Mitglied des Förderkreises „Cornelia Goethe Zentrum“ an der Universität Frankfurt. 2007 hat Steiner die 12. Veranstaltungsreihe der Initiative Frauenenergie dem Thema „Frauen und Literatur“ sowie der Sophie von La Roche gewidmet, gemeinsam mit Volkshochschule, Frauenbüro und der Hess. Landeszentrale für politische Bildung.

„Grete Steiner ist ein politischer Mensch, und so ist sie nicht nur seit 1988 Mitglied des Stadt-parlaments für die SPD, sie hat sich auch durch die Frauenquote in ihrer Partei herausfordern lassen, sich ehrenamtlich politisch für die Jugend, für Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen in vielen Projekten zu engagieren und tut dies kontinuierlich seit mehr als 30 Jahren“, so Stadträtin Marianne Herrmann.

Sophie von La Roche (geb. am 6. Dezember 1730 in Kaufbeuren, gestorben 1807 in Offenbach) gilt als erste professionelle Schriftstellerin des 18. Jahrhunderts. Mit ihrem Erfolgsroman „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ gelang es ihr als einer der ersten Frauen, sich als freie Autorin zu etablieren, zeitweilig konnte sie mit der Schriftstellerei den Lebensunterhalt für ihre Familie verdienen. Mit „Pomona“ begründete sie die erste deutsche Frauenzeitschrift. In ausführlichen Reisebeschreibungen berichtete sie einem breiten Lesepublikum die Erlebnisse und Beobachtungen ihrer Reisen, die sie in die Schweiz, nach England, Holland und Frankreich führten. Ihrem Wohnort Offenbach war sie die letzten 20 Jahre ihres Lebens verbunden. Seit dem La Roche-Jahr 2007 aus Anlass ihres 200. Todestages wird sie mehr und mehr als bedeutende Offenbacherin wahrgenommen. An ihr Lebenswerk soll mit dem La Roche-Preis ehrend gedacht werden.