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Porträt Marie Sophie von La Roche, gemalt um 1776 von Georg Oswald May
Porträt Marie Sophie von La Roche, gemalt um 1776 von Georg Oswald May © Ulrich Schrader/ Gleimhaus Halberstadt
Die Stadt Offenbach verleiht der freien Filmemacherin und Sozialmanagerin Angela Freiberg den Sophie von La Roche Preis 2013 für die Gleichberechtigung von Frauen. Angela Freiberg ist nach Grete Steiner und Parastou Forouhar die dritte Preisträgerin der alle zwei Jahre verliehenen Auszeichnung. Eine siebenköpfige Jury hat sich in großem Einvernehmen für Freiberg entschieden. Der Magistrat hat diesen Vorschlag am 30. Oktober bestätigt. Die Auszeichnung ist mit 1.500 Euro dotiert.
Alle eingereichten Vorschläge waren für die Jury preiswürdig, so deren Vorsitzende Stadträtin Marianne Herrmann. Mit Freiberg wird eine Frau ausgezeichnet, die sich als Sozialpädagogin und in ihrem filmischen Schaffen mit der Situation von Mädchen und Frauen in Offenbach auseinandersetzt, diese differenziert aufzeigt und sich über fast zwei Jahrzehnte für Frauen aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen einsetzt. „Angela Freiberg lässt die Frauen und Mädchen selbst zu Wort kommen und sie steht im Dialog mit ihnen. Damit hat sie sich insbesondere um die öffentliche Wahrnehmung der gesellschaftlichen Situation von Frauen und in der Unterstützung der Selbstorganisation von Frauen mit Migrationshintergrund verdient gemacht“, betont die Kommunale Frauenbeauftragte der Stadt Offenbach, Karin Dörr.
Filmplakat "Geboren in Offenbach"
Filmplakat "Geboren in Offenbach" © Angela Freiberg
Freiberg hat 18 Jahre als Sozialpädagogin im IB-Treff Waldhof die Mädchengruppe betreut und die internationale Frauengruppe im Stadtteiltreff Waldhof aufgebaut. Ihr Engagement ging immer weit ihre berufliche Tätigkeit hinaus. Mittlerweile treffen sich beim IB im Waldhof etwa vierzig Frauen aus unterschiedlichen Kulturen, die Deutsch lernen, gemeinsam Sport treiben, Vorträge und gemeinsame Ausflüge organisieren. Kurz gesagt: Sie nehmen aktiv am Leben in ihrem Quartier teil und mischen sich ein.

Im Waldhof lernte Freiberg auch die Schwestern Kokollari, drei Mädchen im Alter von damals 15 bis 17 Jahren kennen, die sie in zwei Filmen portraitierte. „Die Schwestern Kokollari“ (Deutschland 2006) und „Geboren in Offenbach“ (2012) heißen die Dokumentationen über die Schwestern, die in Offenbach geboren sind und deren Eltern aus dem Kosovo stammen. Wie gehen die drei Mädchen mit ihren kulturellen Wurzeln, ihrer Herkunft und ihrem Umfeld in Offenbach um?

Mit den Filmen zeigt Freiberg die reale Lebenssituation von Mädchen und Frauen mit familiären Einwanderungsbiografien in einer Stadt wie Offenbach. Wichtig war und ist ihr bei ihren sozialpädagogischen und filmischen Tätigkeiten: „Den Mädchen zu zeigen, dass Frausein nicht eine Einschränkung ist, sondern ein Gewinn. Und dass es sich immer lohnt bei Lebensentwürfen auch mal über den gesellschaftlich vorgesehenen weiblichen Sternenhimmel hinweg zu greifen.“ In dieser Frage ist Angela Freiberg ebenfalls Vorbild: Ein nachgeholtes Abitur, zwei Studienabschlüsse und eine mehrjährige Tätigkeit in einem männlich dominierten Arbeitsbereich (Film- und Eventbeleuchtung) haben sie bestätigt, nach den „Sternen zu greifen“ und sich als Filmemacherin selbstständig zu machen.

Neben dem Filmen ist Freiberg auch als medienpädagogische Referentin tätig und hat Auftragsarbeiten für Stiftungen und Soziale Institutionen übernommen. Seit Juli 2013 ist sie Quartiersmanagerin im Nachbarschaftsbüro der Diakonie in Frankfurt – Preungesheim. Freiberg pflegt nach wie vor zahlreiche intensive Kontakte zur Frauengruppe Waldhof, zum IB und den Frauennetzwerken in Offenbach. „Angela Freiberg hat sich um die Gleichberechtigung von Frauen in Offenbach durch nachhaltiges und kreatives Engagement verdient gemacht und ist eine würdige Preisträgerin“, so Marianne Herrmann. Die Übergabe soll um den Internationalen Frauentag im März 2014 in Offenbach stattfinden.